Weniger Geburten, weniger Trauungen: Bilanz für Berlin und Brandenburg 2025
In Berlin wurden 2025 nur noch 11.235 Ehen geschlossen - das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Erfassung 1991. Brandenburg zählt so wenige Geburten wie lange nicht und den stärksten Sterbeüberschuss seit 1990. Die Zahlen aus zwei aktuellen Pressemitteilungen des Amtes für Statistik.
Der Trend zieht sich durch beide Länder: In Berlin sind im vergangenen Jahr 33.230 Kinder geboren worden, in Brandenburg 14.495 - das sind in Brandenburg 4,3 Prozent weniger als 2024. Zugleich starben in Berlin 37.575 Menschen, in Brandenburg 35.743. Beide Länder verzeichnen damit erneut ein Geburtendefizit. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Berlin bei den Trauungen: Mit 11.235 Eheschließungen fiel die Zahl auf den niedrigsten Wert seit Beginn der statistischen Erfassung 1991.
Die Zahlen stammen aus zwei neuen Pressemitteilungen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg (Nr. 92 und 93). Sie zeigen: Beide Länder folgen dem gleichen demografischen Muster, aber mit unterschiedlicher Härte. Während Berlin sein Geburtendefizit noch relativ klein hält, weitet es sich in Brandenburg dramatisch aus.
Berlin: Geburtenziffer sinkt auf einen Tiefstand seit 2003
Rein statistisch bringt eine Berliner Frau derzeit im Schnitt 1,18 Kinder zur Welt - im Vorjahr waren es 1,20. Das ist der niedrigste Wert seit 2003. Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit liegt die Ziffer sogar nur noch bei 1,01 - so niedrig wie seit 1996 nicht mehr. Frauen ohne deutschen Pass bringen es auf 1,56 Kinder pro Frau. Insgesamt liegt die Geburtenziffer damit klar unter dem Wert, der für einen stabilen Bevölkerungsersatz nötig wäre (etwa 2,1).
Beim Alter der Mutter setzt sich der bekannte Trend fort: Beim ersten Kind sind Berlinerinnen im Schnitt 31,4 Jahre alt, bei einer Geburt insgesamt 32,3 Jahre. Die Berliner werden immer später Eltern - eine Entwicklung, die sich seit Jahren stetig fortschreibt.
Trauungen in Berlin: so wenige wie nie
Mit 11.235 Eheschließungen hat Berlin 2025 den niedrigsten Wert erreicht, seit die Zahl 1991 erstmals landesweit erfasst wird. 10.514 Trauungen entfielen auf Ehen zwischen einer Frau und einem Mann (94 Prozent), 721 Ehen wurden gleichgeschlechtlich oder mit einer Person diversen Geschlechts geschlossen - das entspricht 6 Prozent aller Berliner Eheschließungen.
Der Rückgang ist deutlich: In den 2010er-Jahren lag Berlin regelmäßig noch bei 13.000 bis 14.000 Eheschließungen im Jahr. Auch die Corona-Delle 2020/2021 hat sich nicht mehr in den vorherigen Bereich zurückgebildet - im Gegenteil, die Zahl sinkt seither weiter. Die Heirat verliert offenbar auch in einer Stadt mit vergleichsweise vielen jungen Erwachsenen an Zugkraft.
Die zusammengefasste Geburtenziffer (englisch Total Fertility Rate) gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens im Durchschnitt bekäme, wenn die aktuellen altersspezifischen Geburtenraten über ihre gesamte fruchtbare Phase gültig blieben. Für einen langfristig konstanten Bevölkerungsstand ohne Zuwanderung sind rund 2,1 Kinder je Frau nötig - das sogenannte Bestandserhaltungsniveau.
„In Brandenburg fehlten 2025 rein rechnerisch 21.248 Menschen, um die Sterbefälle auszugleichen - so viele wie seit 1990 nicht mehr.“
Aus der Pressemitteilung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg
Brandenburg: stärkster Sterbeüberschuss seit 1990
Brandenburg zählt 2025 nur noch 14.495 Geburten - ein Minus von 659 gegenüber dem Vorjahr (−4,3 %). Die Sterbefälle stiegen leicht auf 35.743 (+1,4 %). Damit fehlten dem Land rein rechnerisch 21.248 Menschen, um die Sterbefälle mit Geburten auszugleichen. Das ist der stärkste Sterbeüberschuss seit 1990.
Die zusammengefasste Geburtenziffer liegt in Brandenburg bei 1,30 Kindern je Frau (2024: 1,33). Deutsche Frauen bringen es auf 1,21, Frauen ohne deutschen Pass auf 1,82. Beim Alter der Mutter bei der ersten Geburt zeigt sich Brandenburg etwas jünger als Berlin: Im Schnitt sind Brandenburgerinnen bei der Geburt 31,6 Jahre alt. Auffällig: Rund 51 Prozent aller Geburten im Land sind außerehelich - ein Wert, der seit dem Spitzenniveau von 63 Prozent im Jahr 2013 kontinuierlich zurückgegangen ist.
Was der Vergleich zeigt
Berlin und Brandenburg gehen bei den demografischen Grundgrößen in dieselbe Richtung - aber Brandenburg deutlich schneller. Berlin gleicht sein Geburtendefizit weitgehend durch Zuwanderung aus, während Brandenburg 2025 erstmals seit Jahren wieder Einwohner verliert. Für die Kommunen bedeutet das eine harte Doppelbelastung: mehr Ältere, weniger junge Familien, weniger neue Trauungen und weniger Kinder, die in die Schulen einwandern.
Was in Berlin noch eher als Wandel der Lebensformen erscheint - später heiraten, seltener heiraten, später Kinder bekommen -, ist in Brandenburg zunehmend eine Frage der langfristigen Bevölkerungsentwicklung. Die aktuellen Zahlen liefern dafür die harten Belege.
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