Wirtschaft

Gewerbeanmeldungen 1. Halbjahr 2026: Berlin stabil, Brandenburg mit Plus

Redaktion: Tjark Knittel · Letzte Aktualisierung: 12.08.2026 · Lesezeit: 4 Min.

In Berlin sind im ersten Halbjahr 2026 rund 22.300 Gewerbe angemeldet worden - fast so viele wie im Vorjahr. Brandenburg legt dagegen um 10,8 Prozent zu und kommt auf 11.142 Anmeldungen. Der Handel bleibt in beiden Ländern die wichtigste Gründerbranche.

Gewerbeanmeldungen in Berlin und Brandenburg 1. Halbjahr 2026
Zu viele Regeln wie die neue Verpackungsordnung, hohe Steuern und Abgaben halten viele junge Leute davon ab, ein Unternehmen zu gründen · Foto: © Halfpoint - stock.adobe .com

Die Gründungslage in der Hauptstadtregion entwickelt sich im ersten Halbjahr 2026 sehr unterschiedlich: Berlin zählt 22.306 Gewerbeanmeldungen und liegt damit nur 0,5 Prozent unter dem Vorjahr, während Brandenburg mit 11.142 Anmeldungen um 10,8 Prozent zulegt. Gleichzeitig gehen die Abmeldungen in beiden Ländern zurück - in Berlin sogar deutlich um 8,3 Prozent. Das geht aus den Pressemitteilungen Nr. 100 und 101 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervor.

Unter dem Strich bleibt in beiden Ländern ein klar positiver Saldo: In Berlin stehen den 22.306 Anmeldungen 14.988 Abmeldungen gegenüber, in Brandenburg 11.142 Anmeldungen 7.954 Abmeldungen. Rechnerisch entstehen so in Berlin gut 7.300 Gewerbe mehr, als im gleichen Zeitraum aufgegeben wurden, in Brandenburg rund 3.200.

Berlin: Anmeldungen fast unverändert, weniger Aufgaben

Von den 22.306 Berliner Anmeldungen entfielen 20.748 auf echte Neugründungen (rund 93 Prozent), der Rest auf Zuzüge, Übernahmen und Rechtsformwechsel. Auf der Abmeldeseite fielen die Zahlen deutlich zurück: 14.988 Abmeldungen bedeuten ein Minus von 8,3 Prozent zum Vorjahr, davon 13.716 vollständige Betriebsaufgaben (91,5 Prozent). Der Rückgang bei den Abmeldungen ist damit spürbarer als die leichte Delle bei den Neugründungen.

Brandenburg: kräftiges Plus bei den Neugründungen

Brandenburg legt dagegen bei den Anmeldungen zweistellig zu. 11.142 neue Gewerbe entsprechen einem Plus von 10,8 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Davon waren 9.024 echte Neugründungen - 81 Prozent aller Anmeldungen. Die Abmeldungen sanken um 4,9 Prozent auf 7.954, darunter 6.459 vollständige Betriebsaufgaben. Der Anteil der Neugründungen an allen Anmeldungen ist damit in Brandenburg etwas niedriger als in Berlin, das absolute Wachstum aber deutlich stärker.

Infografik: Gewerbeanmeldungen 1. Halbjahr 2026 - Berlin -0,5 Prozent Anmeldungen und -8,3 Prozent Abmeldungen, Brandenburg +10,8 Prozent Anmeldungen und -4,9 Prozent Abmeldungen
Berlin bleibt in etwa auf Vorjahresniveau, Brandenburg legt zweistellig zu. In beiden Ländern sinken die Abmeldungen.

Handel bleibt die Top-Gründerbranche

Der Blick auf die Branchen zeigt in beiden Ländern ein ähnliches Bild. In Berlin führen Handel und Kfz-Reparatur mit 4.058 Anmeldungen, gefolgt von wirtschaftlichen Dienstleistungen (2.961) und dem Baugewerbe (2.150). Der Einzelhandel macht dabei allein 80,3 Prozent der Handelsanmeldungen aus - ein Hinweis darauf, wie stark der Berliner Einzelhandel weiterhin von Neugründungen getragen wird.

In Brandenburg zählt der Handel 2.330 Anmeldungen und liegt ebenfalls vorn, gefolgt von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (1.762) und freiberuflichen oder technischen Dienstleistungen (1.230). Auch hier dominiert der Einzelhandel: er stellt 65,6 Prozent der Handelsanmeldungen. Das Baugewerbe spielt in beiden Ländern eine wichtige Rolle - in Berlin allerdings mit einem Wermutstropfen: den 2.150 Anmeldungen stehen 2.200 Abmeldungen gegenüber. Die Branche schrumpft in Berlin also unter dem Strich.

Was misst die Gewerbestatistik?
Anmeldung ist nicht gleich Gründung

Die Statistik zählt jede Gewerbeanmeldung - unabhängig davon, ob tatsächlich ein neues Unternehmen entsteht. Neben echten Neugründungen zählen dazu auch Zuzüge aus anderen Bundesländern, Übernahmen bestehender Betriebe und Rechtsformwechsel. Umgekehrt umfassen Abmeldungen nicht nur endgültige Betriebsaufgaben, sondern auch Umzüge und Formwechsel. Der Anteil "echter" Neugründungen ist deshalb aussagekräftiger als die Gesamtzahl.

Wer gründet? Frauen und ausländische Gründer

Die meisten neuen Gewerbe entstehen als Einzelunternehmen: 17.291 in Berlin und 8.534 in Brandenburg. Der Frauenanteil unter den Gründern liegt in Brandenburg mit 38,7 Prozent (3.302 Anmeldungen) spürbar höher als in Berlin mit 34,3 Prozent. Bei den Abmeldungen ist der Frauenanteil in beiden Ländern etwas niedriger als bei den Anmeldungen.

Deutlich unterschiedlich sind die Länder beim Anteil ausländischer Gründerinnen und Gründer. In Berlin stellen sie mit 42,1 Prozent (7.279 Anmeldungen) fast die Hälfte aller Einzelunternehmens-Gründungen. Brandenburg kommt mit 18,7 Prozent (1.600 Anmeldungen) auf einen deutlich niedrigeren, aber nicht unbedeutenden Anteil. Das Berliner Gründungsgeschehen wird damit weiterhin stark von internationalen Gründerinnen und Gründern getragen.

„Während Berlin nahezu stabil bleibt, verzeichnet Brandenburg im ersten Halbjahr 2026 einen deutlichen Anstieg der Gewerbeanmeldungen.“

Aus den Pressemitteilungen Nr. 100 und 101 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg

Was das für die Region bedeutet

Das positive Saldo aus An- und Abmeldungen ist ein wichtiger Frühindikator: mehr Neugründungen als Aufgaben, in beiden Ländern, in einem eher zurückhaltenden Wirtschaftsumfeld. Zusammen mit den zuletzt gemeldeten Verdiensten und den Verbraucherpreisen zeichnet die Statistik ein Bild, in dem die Region wirtschaftlich in Bewegung bleibt.

Wer sich mit einem eigenen Gewerbe selbstständig machen möchte, findet in unserem Firmenverzeichnis Beispiele für die vielfältige Branchenstruktur der Region. Ausführliche Zahlen zu Rechtsformen, Wirtschaftsbereichen und Bezirken beziehungsweise Landkreisen veröffentlicht das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg regelmäßig auf seiner Website.
Lesetipp: Auch Freelancer in Berlin finden bei uns einige hilfreiche Tipps und Infos. Zum Beispiel zur E-Rechnung.

Kommentar:

In meinem Umfeld höre ich immer öfter, dass sich Unternehmer durch bestehende oder neu hinzukommende Verordnungen und Gesetze überfordert fühlen. Zuletzt hat die neue EU-Verpackungsverordnung besonders Onlinehändlern das Leben schwer gemacht. Hohe Steuern und Abgaben sowie der Mindestlohn machen es Firmengründern zusätzlich schwer.

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