Politik

Senat beschäftigt sich mit kritischer Infrastruktur: das TOP-Konzept

Redaktion: Tjark Knittel · Letzte Aktualisierung: 22.05.2026 · Lesezeit: 3 Min.

Nach den Brandanschlägen auf das Berliner Stromnetz hat der Senat einen Maßnahmenplan beschlossen: Zaun, Kamera, KI-gestützte Detektion - und 2,86 Milliarden Euro für das Stromnetz Berlin in den nächsten vier Jahren. Was hinter dem TOP-Konzept steckt.

Umspannwerk in Berlin
Mehr Sicherheit in Berlin? · Foto: © Maurice Tricatelle stock.adobe .com

Zweimal in 16 Monaten ging in Berlin plötzlich das Licht aus. Im September 2025 brannte ein Umspannwerk in Johannisthal, im Januar 2026 traf es das Verteilernetz in Lichterfelde. Beide Fälle waren Brandstiftung. Jetzt hat der Senat reagiert: Mit einem Maßnahmenpaket namens TOP-Konzept - und 2,86 Milliarden Euro frischem Geld für das Stromnetz.

TOP steht für Technisch, Organisatorisch, Physisch - drei Säulen zum Schutz der Berliner Stromversorgung. In der Senatssitzung vom 19. Mai 2026 haben Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und Innensenatorin Iris Spranger den Plan beschlossen. Er soll verhindern, dass eine sabotierte Anlage erneut ganze Bezirke für Stunden vom Netz nimmt.

Technische Maßnahmen: Kameras und KI

Der erste Buchstabe im TOP-Konzept steht für das Technische. Hier setzt Berlin auf Videos und Algorithmen: An sogenannten neuralgischen Punkten - Umspannwerken, großen Schaltanlagen, Leitungsknoten - werden Kameras installiert, die per KI auf unbefugte Bewegung trainiert sind. Das System soll Anomalien früh melden, noch bevor Schaden entsteht.

Ein weiterer Punkt: Auch wenn das Berliner Netz schon zu 99 Prozent erdverkabelt ist, gibt es noch Kabelbrücken zwischen den Anlagen, die zerlegt und auf mehrere Wege verteilt werden sollen. Hintergrund: Fällt ein Kabelweg aus, soll der andere automatisch übernehmen können. Stichwort „Georedundanz“ - in der Praxis bedeutet das doppelte Leitungen mit getrenntem Verlauf.

Organisatorische Maßnahmen: Wache rund um die Uhr

Der zweite Pfeiler ist die organisatorische Seite: An den sensibelsten Punkten wird kontinuierlich bewacht - teils durch die Polizei, teils durch beauftragte Sicherheitsdienste. Auch die Streifenzahl in den umliegenden Quartieren wird erhöht. Innensenatorin Spranger nennt das eine „Präsenz-Strategie“: Sichtbare Bewachung soll potenzielle Täter abschrecken.

Dazu kommen aktualisierte Krisen- und Notfallpläne. Behörden, Netzbetreiber und Energieversorger sollen ihre Abläufe stärker miteinander verzahnen. Regelmäßige Katastrophenschutzübungen - bei denen ein Ausfall realitätsnah trainiert wird - sind in der Praxis schon angelaufen.

Was sind „neuralgische Punkte“?
Die wichtigsten Stellen im Stromnetz

Gemeint sind Anlagen, deren Ausfall die Versorgung eines größeren Gebiets unterbrechen würde - Umspannwerke, Knotenpunkte, Hochspannungs-Schaltanlagen. Diese Stellen werden im TOP-Konzept besonders geschützt. Welche genau das sind, ist nicht öffentlich - aus Sicherheitsgründen.

Physische Maßnahmen: 2,40-Meter-Zaun mit NATO-Draht

Der letzte Buchstabe ist der greifbarste. Standard-Zäune um Umspannwerke werden auf 2,40 Meter erhöht und mit NATO-Draht ausgestattet - jenem stachelbedeckten Band, das auch militärische Einrichtungen sichert. Wo das nicht reicht, kommen Laser-Perimetersensoren dazu, die ein Eindringen sofort melden.

Auch die Schließsysteme der Anlagen werden überprüft und modernisiert. Wer Berlin nachts durchquert, wird in den nächsten Monaten an mehreren Stellen Baustellen sehen, an denen massive Tor- und Lichtanlagen installiert werden. Die Idee: Wer reinkommen will, muss sichtbar arbeiten - und das lässt sich besser stoppen.

„Wer Berlins Daseinsvorsorge angreift, trifft unsere Stadt im Kern.“

Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Rahmenbedingungen: Datenschutz, Finanzierung, Kooperation

Vier Punkte rahmen das TOP-Konzept ein. Datenschutz: Welche Anlage wo besonders sensibel ist, soll nicht mehr in allgemein zugänglichen Plänen stehen - sicherheitsrelevante Infrastrukturdaten werden anders eingestuft und enger geschützt. Finanzierung: Land Berlin will Bund und Bundesnetzagentur drauf verpflichten, dass Schutzmaßnahmen in der Netzentgelt-Regulierung anerkannt werden, sonst bleiben die Kosten am Netzbetreiber kleben.

Rechtssichere Kooperation: Netzbetreiber, Energieversorger und Sicherheitsbehörden bekommen eine formalisierte Zusammenarbeit - mit klaren Zuständigkeiten und schnelleren Informationswegen. Und beschleunigte Verfahren: Für bauliche Schutzmaßnahmen wie neue Zäune oder Schaltanlagen sollen Genehmigungen schneller durchlaufen.

Wann das alles wirkt, sagt der Senat nicht konkret. Die ersten technischen Nachrüstungen laufen bereits, die bürokratischen Voraussetzungen brauchen länger. Klar ist nur: Nach zwei Anschlägen in 16 Monaten will sich Berlin keinen dritten leisten.

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