Stadtleben

Bevölkerungswanderung 2025: Berlin und Brandenburg wachsen weiter - der Zuzug schwächt sich ab

Redaktion: Kathrin Knittel · Letzte Aktualisierung: 30.07.2026 · Lesezeit: 4 Min.

Berlin verzeichnet 2025 einen Wanderungssaldo von +19.698 Personen, Brandenburg von +16.625 - beide Länder wachsen also weiter durch Zu- und Fortzüge. Zugleich schrumpft der Zuzug in beiden Ländern um rund 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Was hinter den Zahlen steckt.

Bevölkerungswanderung 2025 in Berlin und Brandenburg
Viele junge Menschen verlassen Brandenburg · Foto: © My Ocean studio - stock.adobe .com

In Berlin wurden 2025 177.473 Zuzüge und 157.775 Fortzüge registriert - macht ein Wanderungsplus von 19.698 Personen. In Brandenburg standen sich 82.399 Zuzüge und 65.774 Fortzüge gegenüber, das ergibt einen Saldo von +16.625. Beide Länder wachsen 2025 also nach wie vor durch Zuwanderung - allerdings deutlich weniger als 2024, als der Berliner Saldo noch bei rund 27.000 und der brandenburgische bei 22.629 lag. Das geht aus den aktuellen Pressemitteilungen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg (Nr. 90 und 94) hervor.

Der Rückgang von rund 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr trifft beide Länder nahezu gleich stark. Er hängt vor allem damit zusammen, dass die Zuwanderung aus dem Ausland - besonders aus der Ukraine - im Vergleich zu den Krisenjahren zurückgegangen ist. Zugleich bleibt sie mit Abstand die wichtigste Wachstumsquelle für die Region.

Berlin: Ausland trägt das Wachstum

In Berlin steht ein Plus von rund 40.400 Personen aus dem Ausland einem Minus von 20.685 Deutschen gegenüber. Zieht man auch die Binnenwanderung innerhalb Deutschlands ab, verliert Berlin 12.486 Personen an andere Bundesländer. Ohne die Zuwanderung aus dem Ausland würde die Bevölkerungszahl der Stadt also schrumpfen.

Bei den Herkunftsländern liegt Indien mit einem Saldo von +8.204 vorn (11.273 Zuzüge, 3.069 Fortzüge), gefolgt von der Ukraine mit +5.468 und der Türkei mit +2.805. Auf der anderen Seite verliert Berlin Bewohnerinnen und Bewohner an die Schweiz (−986), Spanien (−569) und Bulgarien (−388) - klassische Ziele für beruflichen Wegzug oder Rückwanderung.

Infografik: Zuzüge und Fortzüge 2025 in Berlin (177.473 / 157.775) und Brandenburg (82.399 / 65.774)
Berlin zählt 2025 gut doppelt so viele Zu- und Fortzüge wie Brandenburg. Beim Wanderungssaldo liegen beide Länder jedoch nah beieinander.

Brandenburg: Berliner tragen den größten Zuzug

Brandenburg profitiert 2025 vor allem von Berlin: Aus der Hauptstadt zogen per Saldo 12.452 Personen in eines der brandenburgischen Umland-Gebiete. Aus dem Ausland kamen weitere +7.579 Personen. Anders sieht es beim Austausch mit den restlichen Bundesländern aus: An die alten Bundesländer verliert Brandenburg 1.352 Personen, an die anderen neuen Bundesländer 2.054 - am stärksten an Mecklenburg-Vorpommern (−1.169).

Beim Blick in die einzelnen Landkreise zeigt sich der klassische "Speckgürtel"-Effekt: Am stärksten wachsen die berlinnahen Kreise Barnim (+2.268), Dahme-Spreewald (+1.894), Oberhavel (+1.774), Potsdam-Mittelmark (+1.596) und Teltow-Fläming (+1.470). Auch weiter draussen gibt es Wanderungsgewinne, allerdings in deutlich kleinerem Umfang.

Was ist der Wanderungssaldo?
Definition und Grenzen

Der Wanderungssaldo ist die Differenz zwischen allen Zu- und Fortzügen über eine Gebietsgrenze in einem Kalenderjahr - unabhängig von Geburten und Sterbefällen. Ein positiver Saldo bedeutet: Es sind mehr Menschen zugezogen als weggezogen. Für die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung zählt zusätzlich der Geburten- und Sterbeüberschuss, der 2025 in beiden Ländern negativ war.

Familien Richtung Brandenburg, junge Zuzieher nach Berlin

Der Blick auf die Altersstruktur des Austauschs zwischen Berlin und Brandenburg zeigt ein klares Muster. Von Berlin nach Brandenburg zählt die Statistik einen Überschuss von 3.922 Kindern unter 18 Jahren und 6.593 Personen zwischen 30 und unter 50 - also klassisch Familien. In der Altersgruppe 18 bis unter 30 dagegen verliert Brandenburg 1.506 Personen an Berlin: die typische Zugezogenen-Generation von Studierenden und Berufsanfängerinnen.

„Beim Wanderungssaldo liegen Berlin und Brandenburg 2025 fast gleichauf - während Berlin vom Ausland lebt, lebt Brandenburg von Berlin.“

Aus der Wanderungsstatistik 2025 des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg

Was die Zahlen bedeuten

Der Rückgang der Wanderungsbilanz in beiden Ländern verändert die Rahmenbedingungen für Wohnungspolitik, Schulplanung und Infrastruktur. In Berlin bleibt die internationale Zuwanderung der Treiber - würde sie deutlich zurückgehen, käme die Stadt in eine völlig andere Ausgangslage. Für Brandenburg wiederum hängt viel davon ab, wie viele Familien aus Berlin weiter ins Umland ziehen.

Interessant ist der Kontrast zur Bevölkerungsstatistik insgesamt: Während Berlin 2025 durch Zuwanderung und Bevölkerungszuwachs weiter wächst, verliert Brandenburg trotz des positiven Wanderungssaldos leicht Einwohnerinnen und Einwohner - weil der Sterbeüberschuss dort noch größer ist. Die Zuwanderung reicht aktuell also nicht mehr aus, um den natuürlichen Bevölkerungsrückgang in Brandenburg auszugleichen.

Sehr deutlich merkt man den Wegzug vor allem junger Menschen auch in meiner Heimatregion, der Prignitz. Viele Jugendliche ziehen für die Lehre oder das Studium nach Berlin, Rostock oder Hamburg und kommen leider nur selten zurück.

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