Berlin Blog

Ein Blog für Berliner und Brandenburger

Tonnenwirrwarr: Gelb, orange und was darf hinein?

Es war einmal so einfach: Schwarze Tonne Restmüll, gelbe Tonne alle Artikel mit dem grünen Punkt, Altpapier, Altglas und eventuell noch Biomüll. Das können sich Verbraucher durchaus merken, auch wenn Deutschland mit der Vielzahl an Tonnen schon längst Weltmeister in der Mülltrennung war. Nun allerdings ist es noch ein wenig komplizierter geworden: Die orange Tonne ist für sogenannte Wertstoffe da. Sie soll Mietern und Hauseigentümern die Fahrt zum Wertstoffhof abnehmen. Gedacht war sie erst für Textilien und kleine Elektrogeräte, auch für Holz, ziemlich divers also, was in diese Tonne hinein durfte. Seit Jahresbeginn ist aber alles noch einmal anders.

Anfang 2013 gingen die Berliner Stadtreinigung (BSR) und der private Entsorger Alba eine Wertstoffentsorgungs-Koalition ein. Gelbe und orange Tonne sind seitdem eigentlich eins: Die gelbe Tonne ist nun nicht mehr nur für Leichtverpackungen gedacht, sondern auch für Wertstoffe. Die orange Tonne ebenso. Hätten Sie es gewusst?

Auf vielen Höfen stehen beide Tonnen immer noch nebeneinander. Als fleißige Mülltrenner trennen Hausbewohner auch weiterhin zuverlässig Leichtverpackungen von Elektronik, Dosen von Textilien. Elektrokleingeräte und Holz sollen aber nun nicht mehr in die Orange Box geworfen werden. Die Unsicherheit, was nun wo hinein soll und wie viele Tonnen man eigentlich braucht, ist dennoch groß. Seit dem April verteilen Alba und BSR immerhin Erklär-Aufkleber; früher war dies nicht möglich, der Winter war zu kalt, die Aufkleber kleben bei tiefen Minusgraden einfach nicht.

Und das darf nun in die Tonnen – ob gelb oder orange ist dabei gleichgültig, beide Tonnen gelten als Wertstofftonnen:

  • Leichtverpackungen
  • Metall, etwa alte Kochtöpfe
  • Kunststoff wie Plastikbecher und Schaumstoff
  • Verbundstoffe, also Getränkekartons

Nicht hinein gehören:

  • Elektrogeräte
  • Batterien
  • Energiesparlampen
  • Textilien
  • Datenträger
  • Holz

Diese Wertstoffe müssen Verbraucher wieder auf dem Resthof oder in den entsprechenden öffentlichen Sammeltonnen entsorgen.
Die Adressen der Recyclinghöfe in Berlin finden Sie hier!

Das Pfingshighlight in Kreuzberg: Der Karneval der Kulturen

Das Highlight zum Pfingstwochenende fand wieder einmal in Berlin Kreuzberg statt. Gut 700.000 Menschen trafen sich zum traditionellen Karneval der Kulturen. Mit dem Wetter hatten sie noch Glück, strahlend schien die Pfingstsonne vom Himmel. Die Teilnehmer mit ihren bunten Wagen kamen einmal mehr aus aller Welt. Von Umweltaktivisten aus Grünau mit fahrradbetriebenen Stromanlagen über brasilianische Tänzer bis hin zum niederländischen Kinderzirkus: Bunt, fröhlich und spektakulär, so kennen und lieben Berliner und Berlinbesucher die Parade am Pfingtsonntag.

Um 12.30 Uhr ging es los am Hermannplatz in Neukölln, der Weg führte über die Hasenheide bis zur Yorckstraße. Trommler, Musiker und Tänzer sorgten für die unnachahmliche Geräuschkulisse. Eines aber war in diesem Jahr ein wenig anders als sonst: Überdeutlich sichtbar waren viele politische Forderungen. Ein kleines bisschen Angst überschattete die Veranstaltung für viele Teilnehmer: Die Zukunft des Karnevals der Kulturen ist nämlich alles andere als gewiss. Schon seit einigen Jahren geht die Zahl der Teilnehmer zurück, vielen Gruppen fehlt das Geld für eine Beteiligung am Umzug. Einige Teilnehmer können zwar Sponsoren finden; das betrifft aber vor allem größere Gruppen, vor allem die Teilnehmer, die den Umzug mit Elektromusik beschallen, dürften finanziell abgesichert sein. Kleinere Gruppen dagegen haben oft nicht die Möglichkeit, an Sponsorengelder zu kommen. Die Veranstalter fordern daher einen speziellen Fonds aus Senatsgeldern, der finanziell klamme Gruppen unterstützt. Angesichts klammer Kassen in Berlin dürfte die Forderung allerdings nur von wenig Erfolg gekrönt sein.

Letzter Tag im Lehrerstreik

Seit einigen Tagen schon läuft der Schulunterricht in Berlin nur noch unregelmäßig. Die angestellten Lehrer sind auf der Straße, demonstrieren für mehr Gerechtigkeit bei der Entlohnung. Heute ist der letzte Tag des Warnstreiks, aufgerufen sind zum ersten Mal Lehrer aller Schultypen.

Eine ganze Woche laufen die Warnstreiks bereits in Berlin. Angefangen haben sie ausgerechnet zur Zeit der Abiturprüfungen, worauf nicht alle Eltern und Schüler mit Verständnis reagierten. Bis zu 600 Lehrer trafen täglich am Protestcamp am Roten Rathaus ein. Heute rechnet die Gewerkschaft GEW mit wesentlich mehr Teilnehmers, sind doch erstmals die angestellten Lehrer aller Schultypen zum Streik aufgerufen. Heute treffen sich die streikenden Lehrkräfte zunächst in Neukölln und ziehen dann zum Molkemarkt.

Und das wollen die Lehrkräfte mit ihrem Streik erreichen: Berlins Schulen beschäftigen verbeamtete und angestellte Lehrer. Die Gehälter sind zwischen diesen beiden Gruppen aus Sicht der Bildungsgewerkschaft GEW ungerecht verteilt. Die Gewerkschaft fordert daher einen Tarifvertrag für angestelltes Lehrpersonal, mit einem Netto-Verdients, der mit dem Einkommen der rund 20.000 verbeamteten Lehrern in der Stadt gleichzieht. Zurzeit erhalten angestellte Lehrer direkt nach dem Berufseinstieg die volle Gehaltsstufe, 4700 Euro brutto für Studienräte, 4100 Euro brutto für Grundschullehrkräfte. Auf Gehaltserhöhungen können Lehrer danach nicht mehr hoffen. Die Einstufung in die höchste Gehaltsklasse gleich zu Beginn ist auch nur noch bis 2017 gesichert. Weitere Forderungen der GEW: Eine bessere Gesundheitsvorsorge und bessere Arbeitsbedingungen im Alter.

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Prozess im Fall Johnny K. eröffnet

Die Tat hat viele Berliner erschüttert. Seit gestern müssen sich nun sechs Verdächtige vor dem Gericht verantworten. Sie werden beschuldigt, den 20jährigen Johnny K. am 14. Oktober 2012 am Alexanderplatz zu Tode geprügelt zu haben. Mit im Gerichtssaal sitzt auch die ältere Schwester des Toten, Tina K., die sich seit der Tat gegen aktiv gegen Gewalt und für mehr Prävention einsetzt. Viele andere Besucher des Berliner Landgerichts in Moabit möchten die Familie wenigstens mit guten Gedanken unterstützen und tragen zum Beispiel T-Shirts mit der Aufschrift „I am Johnny“.

Was ist wirklich passiert in der Nacht vom 14. auf den 15 Oktober 2012? Wie kam es dazu, dass sechs Jugendliche ein ebenfalls jugendliches Opfer massive angriffen und so schwer verletzten, dass das Opfer starb? Mit diesen Fragen muss sich nun das Gericht beschäftigen. Die Antworten gehen bisher noch weit auseinander. Zwischen 19 und 24 Jahre alt sind die Angeklagten, nicht viel jünger oder älter als das Opfer. Haupttäter soll der 19jährige Onur U. sein, der nach der Tat zunächst in die Türkei flüchtete, am 8. April erst nach Deutschland zurückkehrte und sofort verhaftet wurde. Die mutmaßlichen Mittäter hatten sich bereits zuvor der Polizei gestellt.

Opfer wie mutmaßliche Täter sollen an dem Abend gefeiert haben, in zwei unterschiedlichen Clubs. Fast zeitgleich verließen sie die Locations. Johnny und ein Freund mussten dabei einen weiteren, stark angetrunkenen Freund stützen. An den Rathauspassagen sollen die Gruppen schließlich aufeinander getroffen sein. Onur U. habe dem angetrunkenen Jugendlichen einen Stuhl weggezogen, so einige Aussagen. Johnny habe schlichten wollen, worauf es zur Schlägerei gekommen sei. Einen Tag später erlag Johnny im Krankenhaus den Folgen einer Hirnblutung. Bis jetzt geben alle Angeklagten zu, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Sie entschuldigten sich vor Gericht und betonten, dass es ihnen leid tun würde. Wer allerdings für die tödlichen Verletzungen verantwortlich ist, darüber sind sich die Angeklagten nicht einig. Jeder beschuldigt einen anderen – eine schwierige Aufgabe für die Richter, die Wahrheit herauszufinden.

Angeklagt sind die sechs jungen Männer nicht wegen Mord oder Totschlags, sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge, gefährliche Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei.

Barbies Dreamhouse: Es wird pink am Alexanderplatz

Das charakteristische Rosa des Alexa bekommt bald Konkurrenz: Bonbon-Pink wird es in der Nähe des Alexanderplatzes, denn hier wird bald Barbie höchstpersönlich einziehen, in ihr ganz eigenes Dreamhouse. Überlebensgroß ist das pinkfarbene Haus, denn Platz soll hier nicht nur die wahrscheinlich berühmteste Puppe der Welt finden, sondern auch zahlreiche Besucher. Auf rund 2500 Quadratmetern wird in Barbies Dreamhouse all das präsentiert, was zu Barbies Leben gehört: Mode, Kosmetik, Schmuck, Schuhe, Möbel, Pferde, ein Großteil davon in Rosa, das meiste natürlich aus Plastik.

Ist es der Traum kleiner Mädchen oder der Alptraum aller Feministinnen, der ab dem 16. Mai am Alexanderplatz wahr wird? So begeistert viele junge Mädels auf das Dreamhouse reagieren werden, so geschockt sind die Reaktionen bei einigen Erwachsenen. Gegen die Eröffnung des Mega-Baus wird schon seit Wochen protestiert. Die Linksjugend Neukölln, die Hamburger Initiative Pinkstinks – mehrere Bündnisse rufen am Tag der Eröffnung zur Gegenveranstaltung auf. Nichts spräche gegen die Farbe Pink, so die Hamburger Initiative Pinkstinks; doch in der heutigen Konsumwelt stünde sie für die gezielte Aufforderung „Verschönere dich“, die an junge Mädchen gestellt werde. Geschlechterstereotype würden so gestärkt. Mädchen spielen mit pinken Spielsachen, Jungs mit hellblauen, Mädchen mit Puppen, Jungs mit Autos – das ist eben nur der Anfang der angeblich geschlechtertypischen Trennung.

Tatsächlich ist Barbies Dreamhouse in erster Linie eine riesige Verkaufsfläche. Auf 1.100 der 2.500 Quadratmeter werden Puppen und Zubehör angeboten, Kinder und Eltern, die sich zuvor von der virtuell-reellen Erlebniswelt haben hinreißen lassen, sollen hier die Geldbörsen öffnen. Auch durch die Gegenveranstaltung wird sich die Eröffnung des gewinnbringenden Baus wohl nicht verhindern lassen. Ein kleiner Trost für alle Gegner: Der (Alp)Traum in Pink bleibt nicht ewig in Berlin. Nach einigen Monaten wird das Traumhaus weiterziehen und an einem anderen Ort die Gemüter erregen; entweder voller Vorfreude oder voller Entsetzen angesichts so viel Pink.

Barbie The Dreamhouse Experience Berlin Öffnungszeiten und Infos

Anti-Schwaben Sprüherei erinnert an Nazi-Parolen

Schwaben erfreuen sich in Berlin keiner sonderlich großen Beliebtheit. Das bekommt vor allem mit, wer in Kiezen wie dem Prenzlauer Berg wohnt. Teilweise ist sogar von einem wahren „Schwaben-Hass“ die Rede. Alles andere als freundlich war auch die Schmiererei, die an eine Hauswand im Prenzlauer Berg gesprüht wurde: „Kauft nicht bei Schwabn“, so der Wortlaut, unverkennbar angelehnt an den Nazi-Spurch „Kauft nicht bei Juden“.

Dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gehen derartige Äußerungen zu weit. Ob Dummer-Jungen-Streich mit einer eher unabsichtlichen Konnotation oder absichtliche Provokation, Fakt ist, der Vorfall hat Brisanz. In der Rykestraße, in welcher der Spruch an die Wand gesprüht wurde, befindet sich auch eine jüdische Synagoge. „Unsäglich“ und „niederträchtig“ nennt Wowereit die Aktion der Unbekannten. Auch Innensenator Frank Henkel betrachtet den Spruch nicht mehr als Kavaliersdelikt.

Das Graffito ist allerdings nur die Spitze es Eisbergs. Schon seit einer Weile machen vor allem im Prenzlauer Berg Sprühereien, Flugblätter und Aufkleber die Runde, ganz eindeutig mit „antischwäbischen“ Inhalten. Nicht nur gegen Zugezogene aus Süddeutschland richtet sich die Abneigung, allgemein geht es gegen finanziell gut gestellte Westdeutsche. Kieze wie der Prenzlauer Berg verändern sich durch den Zuzug, die Rede ist auch von Gentrifizierung. Die Stadt braucht die Investitionen der Zugezogenen, gleichzeitig machen viele Berliner die reichen oder als reich geltenden Schwaben und andere Westdeutsche für Wohnungsknappheit, steigende Mieten und Luxussanierungen verantwortlich. Ein wenig ist diese Wut verständlich, nimmt aber teilweise seltsame Formen an. Das thematisiert nun auch ein Theaterstück in der Kulturbrauerei, mit dem Titel „Schwabenhatz“. Ab dem 7. Mai wird es in der Maschinenhalle der Kulturbrauerei gezeigt. Die Macher wollen darin mit Vorurteilen aufräumen und vielleicht für ein wenig mehr Miteinander sorgen.

Linksextremisten bekennen sich zum Anschlag auf die Berliner Bahn

Ein Kabelbrand am frühen Donnerstag morgen legte einen Teil des Berliner Nah- und Regionalverkehrs lahm. In der Nähe des Fischerhüttenwegs schlugen gegen 3.20 Uhr in der Nacht die Flammen aus den Bahnschienen in der Nähe der Avus. Auf der Strecke verkehren die Linien S7 sowie die Regionalbahnen. Während der Löscharbeiten kam es nicht nur zu Verzögerungen im Schienenverkehr, auch die Autobahn musste kurzzeitig gesperrt werden. Mittlerweile haben sich Linksextremisten zu dem Brandanschlag bekannt.

Auf einer Internetseite  veröffentlichen die vermeintlichen Attentäter am späten Vormittag einen Bekennerbrief. Die Polizei hat derzeit keine Zweifel an der Echtheit des Schreibens. Darin lassen die Bekenner unter anderem verlauten, dass sie in der Nacht nach dem 1. Mai die „zerstörerische Normalität des Arbeits- und Ausbeutungsalltags zum Erliegen bringen“ wollten. Der Termin scheint also mit Bedacht gewählt. Am 1. Mai noch hatten die Deutsche Bahn und die Bundespolizei das Streckennetz massiver überwacht. Doch der Tag der Arbeit verlief friedlich in der Hauptstadt, so wurden die Streckenposten im Laufe des Abends wieder abgezogen. Die Attentäter nutzen scheinbar diesen Moment.

Sorgfältig ausgewählt war auch die Strecke: Hier verkehrt unter anderem die Regionalbahn RE1 auf ihrem Weg von Frankfurt Oder nach Magdeburg, eine häufig frequentierte Strecke. Die RE1 musste umgeleitet werden, andere Regionalbahnen fielen komplett aus und wurden durch Busse ersetzt. Wer mit der S 7 unterwegs war, musste teilweise auf die S 1 umsteigen. Verzögerungen im Schienenverkehr können noch bis zum Abend andauern.

 

So feiert Berlin den 1. Mai

Der 1. Mai in Berlin – lange Zeit war dieser Tag vor allem verbunden mit Krawall und Randale. Letztes Jahr allerdings feierten die Menschen friedlich in Friedrichshain-Kreuzberg und in anderen Stadtteilen der Hauptstadt. Auch dieses Jahr hoffen die meisten Berliner wieder auf ein friedliches und fröhliches Fest zur Walpurgisnacht mit Tanz in den Mai und anschließend zum Tag der Arbeit. Das mittlerweile elfte Myfest in Kreuzberg gehört natürlich zu den Klassikern unter den Party-Locations.

Im SO 3 werden wieder Zehntausende von Besuchern erwartet. Gegründet wurde das Myfest 2003, um den Randalen am Maifeiertag ihren Raum zu nehmen. Feiern statt Flaschen werfen – Glasflaschen und Dosen sind dementsprechend auf dem gesamten Party-Gelände verboten. Auf zahlreichen Bühnen treten Musikacts auf, auch Theateraufführungen gibt es zu sehen. Nachmittags ist das Myfest ein Treffpunkt für die ganze Familie, anschließend wird bis spät in die Nacht gefeiert.

Doch nicht nur in Kreuzberg können die Berliner feiern. Diese Feste stehen außerdem noch an:

  • Bereits in der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai wird die Freiluftkino-Saison eröffnet. Im Freiluftkino Pompeji am Ostkreuz gibt es Musik, Show und natürlich Kulinarisches.
  • Im Strandbad Weißensee können die Besucher am Lagerfeuer in der Walpurgisnacht feiern. Anschließend wird in den Mai getanzt.
  • Die DGB lädt zur traditionellen Kundgebung auf den Platz des 18 März. Am Tag der Arbeit findet hier zudem ein großes Kinderfest statt, das den Kleinen mit allerlei Aktionen Spaß bereiten soll.
  • Zum ersten Mal können sich Mittelalterfans am 1. Mai in Lichtenberg treffen. Die Bezirksverwaltung lädt zum großen “Spectaculum am lichten Berg”.

Mehr Menschen fehlen aufgrund psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz

Nicht Grippe oder Magen-Darm sind die häufigsten Gründe, aus denen Arbeitnehmer längerfristig am Arbeitsplatz fehlen. Psychische Krankheiten machen den Berliner schwer zu schaffen, das zeigt der Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK. Die Daten von mehr als 105.000 erwerbstätigen Krankenversicherten aus Berlin hat die Krankenkasse für ihre Statistik ausgewertet, am vergangenen Mittwoch präsentierte sie nun die Ergebnisse.

Das erste Ergebnis klingt dabei erfreulich, vor allem für Arbeitgeber: Die Anzahl der Personen, die sich im Krankenstand befinden, ist von 2011 auf 2012 von 4,4 auf 4,3 Prozent zurückgegangen. Eine kleine Verbesserung zwar nur, eine Besserung aber immerhin. Der Bundesdurchschnitt liegt allerdings bei nur 3,8 Prozent. In der Hauptstadt dauert der Krankenstand zudem mit 14,1 Tagen länger als im Durchschnitt – bundesweit sind Arbeitnehmer im Schnitt 12,6 Tage krank geschrieben. Die häufigsten Krankmeldungen gibt es in der Berliner Verwaltung, Arbeitnehmer aus den Bereich Medien, Kunst und Bildung melden sich dagegen eher selten krank.

Einer der häufigsten Gründe für eine Krankmeldung sind zufolge des Gesundheitsreports mittlerweile psychische Krankheiten. Gerade diese benötigen einen längeren Zeitraum, um behandelt zu werden. Eine Krankschreibung aufgrund eines psychischen Leidens gilt im Berliner Durchschnitt für 33 Tage, so der Report der DAK. 2012 fehlten 100 Arbeitnehmer an 250 Tagen aufgrund von psychischen Erkrankungen. Im bundesweiten Vergleich liegt Berlin damit auf Platz 3 – nur in Saarland und in Hamburg fehlten noch mehr Menschen aufgrund ihrer Psyche am Arbeitsplatz.

Auch in anderen Bundesländern holen psychische Erkrankungen wie das Burnout-Syndrom als Ursache für Fehltage auf. Hinter Muskel- und Skeletterkrankungen und Erkrankungen des Atemsystems liegen sie mittlerweile auf dem 3. Rang. Die Depression ist daher als Erkrankungsbild bei den Krankenkassen anerkannt – anders als die Diagnose Burnout. Burnout beschreibt keine Erkrankung, sondern vielmehr ein recht diffuses Krankheitsbild, an dem unter anderem eine psychische Störung wie eine Depression beteiligt sein kann.

Links zum Thema:
Ärzte in Berlin
Psychologen in Berlin

Angestellte Lehrkräfte streiken in Berlin – während der Abiturprüfungen

Heute schreiben Berliner Schüler ihre Abiturprüfungen – und müssen dabei auf einen Teil ihrer Fachlehrer verzichten. Die Gewerkschaft GEW hat nämlich die angestellten Lehrer in Berlin zum Streik aufgerufen. Erreicht werden soll eine Angleichung von Bezahlung und Arbeitsbedingungen an die Situation der verbeamteten Lehrkräfte. Rund 8.000 Lehrer werden an diesem Dienstag daher in der Schule erscheinen. Auf die Abiturienten soll das möglichst wenig Auswirkung haben: Ihre Prüfungen werden von den nicht streikenden Kollegen überwacht.

Die Abiturjahrgänge schreiben heute ihre Biologie-Prüfung, für die jüngeren Jahrgänge stehen Fremdsprachenprüfungen für den Schulabschluss MSA an. Dürfen Lehrer während dieser Zeit streiken? Praktisch in letzter Minute hatte das Arbeitsgericht sein OK zum Streik gegeben. Der Senat hatte eine einstweilige Verfügung eingereicht, befürchtete eine Störung des Abiturablaufs. Diese sei nicht gegeben, urteilte das Arbeitsgericht am Montag – der Weg für den Arbeitskampf war frei. Mehr als jede zweite Schule soll heute nach Aussage der GEW bestreikt werden. Das sind die Forderungen: Die GEW wünscht, dass das Gehalt der etwa 8.000 angestellten Lehrkräfte in Berlin an die Entlohnung ihrer verbeamteten Kollegen angeglichen wird. Eine Änderung der tariflichen Eingruppierung soll das erreichen. Der Senat hat allerdings Einwände: Der Tariflohn der angestellten Lehrkräfte sei bei der letzten Tarifrunde mitgeregelt worden, der Streik widerspreche daher der Friedenspflicht. Zudem sei ein Streik während der Prüfungszeit unverhältnismäßig. Das Arbeitsgericht lehnte beide Einwände ab.

Die zentrale Kundgebung der streikenden Lehrer findet seit dem Vormittag vor der Senatsverwaltung in der Klosterstraße statt. Ihren Unmut wollen die angestellten auch in einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit kundtun.