Hamburg soll das Tacheles retten
Seit mehr als zehn Jahren gibt es Streit ums Kunsthaus Tacheles und immer wieder ist von Räumung die Rede. Doch nun wird es konkreter: Innerhalb der nächsten Wochen sollen die an der Oranienburger Straße ansässigen Künstler ihre Ateliers verlassen. Die HSV Nordbank möchte die Kaufhausruine zwangsversteigern. Bereits am 5. Januar stellte sie dem Tacheles-Verein ein Ultimatum. Bis jetzt haben die Künstler die Räumungs-Aufforderung ignoriert, doch sie müssen was unternehmen. Auf der Suche nach Unterstützung haben sie sich nun auch an den Hamburger regierenden Bürgermeister Ole von Beust gewandt und ihm 70.000 Unterschriften für den Erhalt des Kulturzentrums überreicht.
In den letzten zehn Jahren zahlte der Tacheles-Verein einen symbolischen Mietpreis von 50 Cent im Monat an die Fundus-Gruppe. Doch der Mietvertrag ist ausgelaufen und die HSV Nordbank, Gläubigerin der Fundus-Gruppe, möchte sich auf einen ähnlich kulanten Vertrag nicht einlassen.
Noch ein anderes Problem hat das Tacheles: Niemand hält es heute noch für künstlerisch relevant, selbst der Berliner Senat nicht. In der Zeit nach der Wende wurde das Haus zum Kult. In dem denkmalgeschütztem ehemaligen Kaufhaus trafen sich Vertreter der Gegenkultur und der Hausbesetzerszene. Heute ist es vor allem ein Anziehungspunkt für Touristen, die Berlins Mitte besuchen. 40 Künstler unterhalten dort ihre Ateliers, es gibt ein kleines Kino, Bars, ein Café. Doch Schlagzeilen macht das Haus nur noch mit der drohenden Räumung, nicht mehr mit künstlerischen Aktionen. Daher gibt es auch keine konkreten Hilfsangebote von Berliner Seite. Nun soll es also der Hamburger Senat, Anteilseigner der HSV Nordbank, richten.