Schloss Rheinsberg - Kunst, Gunst und manche Art zu lieben

In Rheinsberg einmal ankommen wie der Alte Fritz! Eine derart historisierende Anfahrt auf dem vier Kilometer langen welligen Sommerweg über Gransee,
Das Schloss Rheinsberg
Ein Foto vom Schloss Rheinsberg
Foto © -wn-
Dollgow und vorbei am Vorwerk Schulzenhof macht Ausweichmanöver nötig wie auf dem ADAC-Trainingsplatz, auch wenn in der Mark nicht mehr "die Feldsteine wie eine Aussaat über den Weg gestreut" liegen - wovon Theodor Fontane noch berichtet. Transportschäden regulierte seinerzeit keine Versicherung, sondern Friedrich II. (1712-1786) höchstselbst - sofern ihn die Sache anging. Als an einer Königlichen Chaise ein Schaden von 195 Talern, 22 Groschen und 8 Pfennigen entstanden war, will der Geizhals nicht zahlen mit der weltfremden Begründung: "Die Reparation war nicht nöthig. Ich kenne den Weg." Nach der Passage dieser Strecke hat jeder gelernt, dass im 18. Jahrhundert meist eine für Mensch und Material strapaziöse Anreise vonnöten war, bevor man ein entlegenes Kleinod besichtigen konnte wie das Rheinsberger Schloss mit seinen beiden Flügel und den vorgebauten, Ruhe ausstrahlenden Rundtürmen im Stil des Rokoko.
Adresse:
Schloss Rheinsberg
Mühlenstr. 1
16831 Rheinsberg

Öffnungszeiten des Schloss Rheinsberg:


November - März: Di - So 10 - 17 Uhr
April - Oktober: Die - So 10 - 18 Uhr

Eintrittspreise Schloss Rheinsberg:


Erwachsene 8€, ermäßigt 6€
Familienkarte (2 Erw. bis zu 4 Kinder) 15€

Die Geschichte von Schloss Rheinsberg


Als Kronprinz und Bewohner des südlichen Schlossflügels von 1736 bis 1740 neigte
Friedrich eher Philosophie und Dichtkunst zu, statt sich den Tatsachen des Lebens verpflichtet zu sehen. Mit seiner ihm vom Vater aufgenötigten Gattin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern lebte er in - wie er ausweichend zu sagen pflegte - philosophischer Enthaltsamkeit. Seine Beteuerung in einem Gedicht "Bey Nacht opferten wir der Göttin der Liebe" ist Dichtung ohne Wahrheit. Friedrich umgab sich mit gelehrten Günstlingen, darunter dem fähigen Charles Etienne Jordan aus hugenottischer Familie, dem späteren Erfinder der Berliner Polizeireviere und Verwalter des städtischen Droschkenwesens. In Potsdam-Sanssouci wird Friedrich II. den Dichter Voltaire (1694-1778) für vier Jahre an den Hof binden. Dieser hilft ihm bei der Verbreitung seines Credos vom aufgeklärten absoluten Herrscher, der jedoch ein erster Diener des Staates ist. Doch nach dem Beginn seiner Regentschaft zettelt der Schöngeist bekanntlich zwei Schlesische und den Siebenjährigen Krieg an, was Preußen als europäische Macht erstarken ließ, aber in schroffem Widerspruch zu den Rheinsberger Blütenträumen stand.

Schlossherren im Schloss Rheinsberg:


In die Verlegenheit, jugendliche Gewissheiten über den Haufen zu werfen, kam der darauf folgende Schlossherr, Friedrichs Bruder, Prinz Heinrich von Preußen (1726-1802) nicht. Er regierte nie. Im Juni 1744 wurde diesem der Rheinsberger Musenhof übereignet. Bis auf fünf Räume ließ der kunstverständige Heinrich das Schloss innen umbauen. Die von ihm veranlassten Veränderungen prägen das heutige Erscheinungsbild von Schloss und Park. Auch Heinrich, homosexuell wie sein Bruder, umgab sich mit Günstlingen, die allerdings die Rolle von Liebhabern mit wenig philosophischem Hintergrund spielten. Unsterblich verliebt war er in seinen ausgebufften Adjutanten Christian Ludwig von Kaphengst. Als Liebeslohn erhielt dieser Schloss Meseberg, das heutige Gästehaus der Bundesregierung, zum Geschenk. Der bisexuelle von Kaphengst machte nebenher jungen Berliner Schauspielerinnen den Hof.

Frischen Wind in die Stadt brachten 1912 die beiden literarischen Figuren aus Kurt Tucholskys Bestseller "Rheinsberg - ein Bilderbuch für Verliebte": Wölfchen, der weiß, wie nervig Geliebtwerden sein kann, und die burleske Claire mit Sprüchen auf den Lippen wie "Glaubssu, dass es hier Bärens gibs?" Mit der Geschichte im Hinterkopf kann der Leser heute entspannt die Schlossstraße hinunter flanieren und an den wartenden Pferdedroschken vorbei in die Parkstraße biegen. Zwar gibt es den Kolonialwarenhändler Krummhaar nicht, dessen Auslagen beiden wie "eine schlaraffenhafte Landschaft" vorkommt. Auf einem Hügel aus Paniermehl steht ein Zuckerhut, an dem sich ein rotes Gelatinekreuz wie eine Windmühle dreht, und eine Brigg auf Spiegelglas bringt "bauchige Flaschen Danziger Goldwassers und Salzbrezeln" heran. Heute blickt man an der nämlichen Ecke gegenüber der Kirche in die Auslagen von "Gasthof & Fleischerei Endler". Der Wanderer kann sich hier - neben dem Erwerb anderer märkischer Köstlichkeiten - mit Landjägern eindecken, jener auch Rucksackwurst genannten, eintägig geräucherten harten Spezialität, deren Verzehr ein intaktes Gebiss voraussetzt.

Das Rheinsberger Bilderbuch hat ein unbeschreiblich trauriges Ende. Denn Claires literarisches Vorbild ist Tucholskys erste, eher unbekannt gebliebene Frau Else Weil. Die Ehe hielt drei Jahre. 2004 wird die jüdische Ärztin in der TAZ mit der galligen Erinnerung zitiert: "Als ich über die Damen wegsteigen musste, um in mein Bett zu kommen, ließ ich mich scheiden." 1938 muss sie nach Frankreich flüchten. Am 9. September 1942 geht sie dort auf Transport - Richtung Auschwitz. Das Ende der Claire. Wölfchen-Kurt geht 1935 nahe Göteborg aus dem Leben.

Verkehrshinweise:
Nach Rheinsberg fährt man von Berlin über die B96 bis Gransee und biegt dort auf die Rheinsberger Straße L223. Bei Interesse für die "historische Route" muss man ab Gransee die L222 Richtung Menz benutzen und nach Dollgow abbiegen. Der Sommerweg stößt wieder auf die Rheinsberger Straße. An ihm liegt in der Nähe Dollgows der Schulzenhofer Waldfriedhof mit dem Grab des Schriftstellers Erwin Strittmatter. Zwischen Gransee und Rheinsberg verkehren nach der Reduzierung des früheren Bahnverkehrs die Buslinien 764 und 794.
Text: -wn- / Stand: 12.05.2014

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