Zossen "Städtlein" zwischen Teltow und Fläming / Zossener Posse inkl.

Zossen - das liegt wo? Man findet es am Südrand der Hochfläche des sich nach Berlin hineinziehenden Teltow-Plateaus. In Richtung des unteren Kartenrandes tut
Dreifaltigkeitskirche in Zossen
Winterlicher Blick auf die Zossener Dreifaltigkeitskirche
im Zentrum der Stadt - Foto: -wn-
sich die eiszeitliche Grundmoränenplatte des Fläming auf; dieses nicht immer wahrnehmbare Auf und Ab des Geländes gehört zur Geografie im Landkreis Teltow-Fläming. Zusätzlich eingepasst ist die Kleinkommune zwischen Jungmoränenplatten geringerer Fläche, die die Eiszeitgletscher als Gesteinsschutt einst zusammenschoben, jedoch infolge Abschmelzens vor rund zehntausend Jahren an Ort und Stelle belassen mussten. Von diesem plattentektonischen Stillstand haben Zossen und seine Umgebung heute ihr Gutes: Von Mittenwalde her kommt der erlebnisreiche Fontanewanderweg (Route F4) und führt weiter durch die Nuthe-Nieplitz-Niederung, und die Zossener Verwaltung schätzt sich glücklich, dass erst jüngst eine "nationale Grundlagenuntersuchung zum Wandern" ergab, wie wohl und herausgefordert sich der deutsche Wandervogel auch in nichtalpinen Landstrichen fühlt - also ebenso in der Zossener Gemarkung um den Nottekanal. 29 Prozent der Befragten bevorzugen "leichte Wanderungen im Flachen", 49 Prozent geben an, auf "moderaten Wanderungen in leicht hügeligem Gelände" die nachhaltigsten Unterwegs-Erlebnisse zu haben. Solche gemäßigten Oberflächenprofile sind im Moränengebiet ausreichend vorhanden.
 
Sehenswürdigkeiten in Zossen:
  • Bücherstadt Wünsdorf
  • Dreifaltigkeitskirche
  • Fernmeldeturm
  • Stadtpark
  • Sehenswürdigkeiten in Zossen
  • Locations & Firmen in Zossen:
  • Ärzte
  • Rechtsanwälte
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  • Weitere Firmen
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    Geschichte der Stadt Zossen

    Die Kleinstadt gebliebene Wanderstation Zossen mit ihren 17300 Einwohnern (2010) wird oft verniedlichend benannt. Bereits die Topographia Germaniae, eine
    Enzyklopädie von 1653 mit zahlreichen Ortsbeschreibungen, spricht von einem "Städtlein / und Schloß / in der MittelMarck Brandeburg / nahend dem Ursprung deß Wässerleins Notte". Das erstmals 1355 als Ansiedlung erwähnte Örtchen hat trotz der fortbestehenden Gefahr, im kommunalen Ensemble nicht deutlich genug wahrgenommen zu werden, große Zeiten hinter sich und hofft auf solche weiterhin. 1536 ist der Flecken im Pfandbesitz des kurfürstlichen Rates Eustachius von Schlieben (1485-1568) - dieser ist keineswegs ein degenerierter Feudaler, der nachts bei der Magd in der Kammer liegt. Er ist gebildet und beredt und berät den Brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. Hektor (1505-1571) bei der Verbreitung der Reformation im Brandenburger Land. In einer schon damals virulenten Frage riet er, "den Priestern sollte man nicht gebiethen, in den ehelichen Stand zu treten, sie aber auch daran nicht verhindern" - so viel Vernunft schon damals. Der Reformator Martin Luther (1483-1546) nennt von Schlieben wegen dessen rednerischen Überzeugungskraft den "deutschen Cicero". Der so von prominenter Seite Gelobte gewinnt den zögerlichen Joachim dafür, die überkommene Vorstellung zu überwinden, dass man in den Genuss der Gnade Gottes erst nach hinreichendem Sponsoring kommt. Luther sagt voraus, dass beim Jüngsten Gericht keine Ablass-Zahlungen urteilswirksam werden. Das schuf auch im protestantisch gewordenen Zossen neue Zuversicht im Denken und Fühlen; von Hand zu Hand ging Luthers Traktat "Von der Freiheit eines Christenmenschen" von 1520, in dem er die vorreformatorischen Zeiten mit den Worten geißelt: sie alle seien bisher "ganz zu Knechten der alleruntauglichsten Leute auf Erden geworden" - eine Papst- und Priesterschelte in bekannter Lutherscher Schärfe. 1546 wird dem Ort die Ausübung "niederer Gerichtsbarkeit" gewährt, ein Rathaus-Bau erlaubt und ein freier Wochenmarkt zugebilligt. Keine hundert Jahre später bricht der verheerende Dreißigjährige Krieg (1618-1648) alle vorteilhaften Entwicklungen ab. 1641 brandschatzen die Schweden die Stadt. Sie "verzehrten den alda gefundenen Vorrath / hernach verbrenneten sie die Thor / und nachdem sie zuvor auß dem Teltauischen / und andern Orten herumb / das Getreide / Vieh / und Pferd weg geholt / kehreten sie wieder hin woher sie kommen waren", schreibt der Chronist.

    Kein Mangel an Kultur in Zossen heute


    Und heute? Manch motorisierter Reisende auf der durchs Zentrum führenden Bundesstraße 96 mag den Wert der Stadt lediglich daran erkennen, dass sie einen
    Garnisionsmuseum in Wünsdorf
    Das Garnisionsmuseum in Wünsdorf ist sehr interessant
    Foto: In-Berlin-Brandenburg.com
    stockungslosen Transit bietet. Dabei hat der Ort einiges an Kultur zu bieten, die ein Anhalten lohnt. Im Ortsteil Wünsdorf laden mehrere Museen ein: ein solches für Radsport, das schon Gustav-Adolf "Täve" Schur (geb. 1931) in Augenschein nahm, jener vor allem im Osten beliebte ehemalige Straßenweltmeister im Radsport (1958,1959). Ferner macht ein Museum des Teltows mit der Gegend bekannt, und die erste "Bücherstadt Deutschlands", eine Ansiedlung gut sortierter Antiquariate im Garnisionsmuseum, bietet oft Buchausgaben an, die für nicht mehr greifbar gehalten wurden. In Zossen selbst feiern sie auf dem Markt- und Kirchplatz ein dreitägiges Weinfest. In den um die Dreifaltigkeitskirche aufgebauten Weinseparees entfalten die guten Tropfen besondere Wirkung, und die kanzelnahen Trinker sind - biblisch gesprochen - "voll des süßen Weins" wie beim Pfingstwunder in der Apostelgeschichte, als die schwer angetüterten Jünger Jesu das Evangelium ohne Sprachkurs in verschiedenen Sprachen zu verkünden begannen. Auch der Weihnachtsmarkt ist stark frequentiert, selbst wenn "Ihre Wirtschaftsförderung" maßgeblich die Jährung der Niederkunft der Jungfrau Maria betreut. Von den verbreiteten Festtags-Reimen dieses merkantilen Gremiums sollte man weder religiöse Tiefe, poetisches Optimum noch metrische Strenge erwarten, wovon die Zeilen letzthin Ausdruck gaben: "Durch die geschmückten Straßen zieht wieder dieser Duft. / In Zossen war Weihnachtsmarkt, Friede und Freude lag in der Luft." Es ist schon handfesteres gedichtet worden über die Stadt. Als seinerzeit im Hause Hohenzollern die Geburt eines Kindes männlichen Geschlechts dringlich erwartet wurde, erging aus Zossen ein überraschender Hinweis auf eine bevorstehende Prinzen-Geburt. Zur Welt kam tatsächlich der spätere Wilhelm Prinz von Preußen (1906-1940). In einem Gedicht des Dichters Ludwig Thoma (1867-1921) hört sich das pränatale Spekulieren so an: "Auch bei Kulickes in Zossen / Legt ein Huhn ganz unverdrossen / Jedesmal ein männlich Ei, / Daß es drin ein Gockel sei." Natürlich eine Satire, aber doch ist der Blick der Zossener auf die Obrigkeit angesprochen. In den wenigen Berichten aus der Stadt werden heute deren Bürger als ruhig und in der Mehrzahl als dem Politischen tendenziell abhold geschildert. Die einen deuten das als eine LMA-Stimmung aufgrund der an plebiszitären Elementen arm gehaltenen deutschen repräsentativen Demokratie, andere wollen schlichte Provinzialität wahrgenommen haben. Der Eindruck trügt. Es obwaltet eine robuste Bürgerlichkeit, die sich sowohl mit Vergangenem wie mit Gegenwärtigem auseinandersetzt. Neben einem ausgewiesenen Holocaust-Leugner haben sie vor allem einige weitere Rechtsradikale im Ort, als deren verantwortungsbewusster demokratischer Gegenpart der Verein "Zossen zeigt Gesicht" in Erscheinung tritt. Erst im Januar 2011 hatte ein junger Rechtsradikaler das vom Verein genutzte "Haus der Demokratie" angezündet. Auch eine "Initiative gegen Korruption und Filz, für Demokratie und Pressefreiheit" ist wirksam in der Stadt.
    Zu den Relikten der Vergangenheit gehört der ehemalige Stasi-Hauptmann M., der - getreu dem Slogan "Stasi in die Produktion" - eine Beschäftigung beim Zossener Ableger der "Märkischen Allgemeinen" fand. Der Mann in den besten Jahren ist ein Beleg dafür, dass noch längst nicht alle Hauptamtlichen dieses Dienstes heute hinter Rollatoren durch die Fußgängerzonen schlurfen. Unerwartet wird M. vor einiger Zeit auf dem Weg zur Arbeit von einem seiner früheren "operativen Vorgänge" angesprochen - vom NDR-Redakteur Hans-Jürgen Börner (geb. 1945) , einem im Umgang mit staatssozialistischen Bonzen, Bossen und Behörden erfahrenen und damals taggenau überwachten Medienmann; von 1986-1989 war er ARD-Korrespondent in der DDR. Natürlich bekommt Börner in Zossen keine Antwort auf die Frage, wie M. sein früheres Obwalten heute begreift. M. verweist auf eine Art Verjährung, und er ähnelt dabei dem "Zossener Zauberer" und alten "Haideläufer Claus" aus dem lokalen Schatz an Schnurren und Skandalen. Claus behauptete, einen "verdammten Geist" in sich zu haben, der ihm über Tun und Lassen seiner Mitbürger berichtet. Der Mann wurde 1663 in Zossen wegen allgemeiner Verunsicherung verurteilt und in Berlin sogar enthauptet. Hauptmann M. hingegen erreicht glücklich die ihn vor den Fragen Börners schützende Redaktion. Von wem auch immer alarmiert, baut sich plötzlich der damalige Ordnungsamtsleiter Hartwig Ahlgrimm vor Börner auf und bezichtigt ihn unerlaubter Filmaufnahmen im "öffentlichen Verkehrsraum". Er schien angesichts der Recherche Börners in der eher zufällig in Zossen angesiedelten Stasi-Sache von Angst vor Ansehensverlust geleitet zu sein: Davon war schon Friedrich II. (1712-1786) getrieben, was er in seinem Traktat "Über die Satirenschreiber" erkennen lässt: Deren "unwürdigen Machwerke sind ein wirkliches Übel, weil die ungebildete Menge, die eher das Schlechte als das Gute glaubt, begierig schlechte Eindrücke aufnimmt". Börners Einwand, dass ihm das deutsche Grundgesetz in einer Innenstadt das Recht gibt, "sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten", lässt Ahlgrimm nicht gelten und erkennt auf einen Verstoß Börners gegen den § 29 der Straßenverkehrsordnung, der "übermäßige Straßenbenutzung" zum Inhalt hat. Die Zossener Posse ist der einzige bisher bekannt gewordene Versuch eines deutschen Kommunalpolitikers, ein zentrales Verfassungs-Gebot mit Hilfe der Straßenverkehrsordnung außer Kraft zu setzen.
    Fahren Sie auch mal mit der Draisinenbahn zwischen Zossen und Jüterbog!

    Wie man nach Zossen kommt:


    Von Berlin aus erreicht man die etwa 40 Kilometer entfernt liegende Stadt über die Bundesstraße B96.
    Text: -wn-

    Adresse der Stadtverwaltung:
    Marktplatz 20
    15806 Zossen


    Ein Stadtplan von Zossen:


    Zossen auf einer größeren Karte anzeigen



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