Der Friedrichstadtpalast : The show must go on! Lange Beine und bunte Federn, Puschel und Glitzer-Tütüs - manch einer unkt, das Genre der Revue sei längst ausgestorben.
Bild vom Friedrichstadtpalast in Berlin
Foto © Herbert Schulze
( Pressefoto Friedrichstadtpalast )
Im Berliner Friedrichstadtpalast hält es sich jedoch wacker, denn hier, im größten Revuetheater Europas, ist Las Vegas der Maßstab. Wenn der Vorhang sich hebt, wird ein Feuerwerk aus anspruchsvollen Choreografien, atemberaubender Artistik und einmaliger Bühnentechnik entfacht.

Der Friedrichstadtpalast wurde Anfang der 1980er Jahre als prominentestes Beispiel der DDR-Postmoderne errichtet und von den Kulturverantwortlichen des Sozialismus mit modernster Bühnentechnik ausgestattet: mit Eisbahn für Eisrevuen, Schwimmbecken für Wasserballett und Hebebühne bietet das Prachtstück hauptstädtischer Unterhaltungskunst Platz für fast 2000 Zuschauer. Hier wurden regelmäßig Revues und Fernsehshows des DDR-Fernsehens produziert, bei denen vor ausgewähltem Publikum auch Stars aus dem Westen auftraten. Ein Kessel Buntes, die populäre Samstagabendshow und weitere Revuen entstanden hier.

Mit dem Mix aus mal anrüchigem, mal eher seriösem Unterhaltungsprogramm knüpfte das DDR-Regime mit dem Bau des Entertainment-Tempels an eine alte Tradition an.
Schon lange war die Friedrichstraße Berlins Amüsiermeile Nummer eins. Zwischen Friedrichstraße und dem heutigen Berliner Ensemble stand der bekannte Vorgängerbau, hervorgegangen aus einer 1865-68 errichteten Markthalle, die später zur Zirkusarena umgebaut worden war. 1924 schlug hier Erik Charell seine Zelte auf. Er setzt die damals noch unbekannten Künstler Marlene Dietrich, Hans Albers und die Comedian Harmonists ins Rampenlicht und gibt ihnen die Chance, ihr Talent vor großem Publikum zu inszenieren. Er arrangiert opulente, farbenprächtige Revuen, die beim Publikum für Begeisterung sorgen. Sensationelle Erfolge feiert er zum Beispiel mit der Operette "Im weißen Rössl". Ab 1933 - die Goldenen 20er Jahre waren passé - wurde das Gebäude zum eher biederen "Theater des Volkes" mit dem Schwerpunkt Berliner Operette umfunktioniert. Schon 1945 konnte das Gebäude als Unterhaltungstheater wieder in Betrieb genommen werden, ab 1947 unter dem heutigen Namen. Grundwasserschwankungen bereiteten dem auf Holzpfählen gegründeten Riesenbau jedoch schließlich ein Ende. Aufgrund der morschen Stützen mußte das Theater 1980 seine Pforten schließen, 1986 erfolgte der Abriß. Danach ersetzte der Friedrichstadtpalast, wie wir ihn heute kennen, den Vorgängerbau.

Auch heute noch gilt der Friedrichstadtpalast als das größte Revuetheater Europas. Hier schlägt das Herz des deutschen Entertainments - manchmal mehr, manchmal weniger kräftig. Denn die letzte Krise des Showpalastes ist noch nicht allzulange her. In besten Zeiten verstopften allabendlich ganze Karawanen von Reisebussen die Friedrichstraßen, um Touristen aus ganz Deutschland vor dem Eingangsportal abzuladen. Der Friedrichstadtpalast war Berlins größter Besuchermagnet. Eine Reihe gefloppter Shows ließen das renommierte Revuetheater später allerdings zur piefigen Glitzerbude verkommen. Zuletzt blieben die Zuschauer weg, das Geld wurde knapp. Es drohte gar die Insolvenz, hätte das Abgeordnetenhaus nicht einen Überbrückungskredit in Höhe von satten 3,5 Millionen Euro gewährt. Im Kampf ums Überleben bündelte das angeschlagene Haus all seine Kräfte, trumpfte in der Show "Qi" mit neuen Superlativen auf und katapultierte die Revue ins 21.Jahrhundert.
The show must go on! ( Text: AK )

Der Friedrichstadtpalast in Berlin
Friedrichstr.107
10117 Berlin
Tel. 030/3 26 23 26
www.friedrichstadtpalast.de




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