Berliner Fernsehturm

Fernsehturm Berlin
Der Berliner Fernsehturm ist weithin sichtbar - Foto © artpost

Einige Infos über den "Telespargel"

Der 1969 eröffnete Berliner Fernsehturm ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Hier finden Sie die wichtigsten Informationen über den Telespargel:

Der Fernsehturm am Alex - die Berliner Höhendominante

Dem Partei-Funktionär Walter Ulbricht (1893-1973), einem Meister der Selbstüberschätzung, war es nicht nur darum zu tun, den Bauern vorzuschreiben, wann sie aus Gründen der Planerfüllung die Sau zum Eber treiben sollen oder zu welcher Morgenstunde Schriftsteller aufstehen müssen, um im Industriebetrieb die schaffenden Werktätigen zu beobachten - mehr noch: der gelernte Tischler aus Leipzig fühlte sich auch zum Architekten berufen. In einem einsamen Willensakt beschloss er 1964, in der Ostberliner Innenstadt eine weithin sichtbare, dem Stuttgarter Fernsehturm nachempfundene "Höhendominante" errichten zu lassen. Es war die Geburtsstunde des ursprünglich - wie Ulbricht auch angeordnet hatte - 365 Meter hohen und nach einer späteren Rekonstruktion auf 368,03 Meter angewachsenen Fernsehturmes. Das Bauwerk ist die favorisierte Alternative zu einem ursprünglich geplanten monumentalen sozialistischen Stadthaus.

Bilder vom Berliner Fernsehturm

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Der Bau des Fernsehturm

Mit dem Gleitbau des Turmes, eines "zentralen Nachrichtenübermittlungsknoten mit modernster Richtfunk- sowie Hör- und Fernsehrundfunk-Sendetechnik", von dem das zweite Fernseh-Programm abgestrahlt wurde, waren mindestens sieben Architekten beschäftigt, darunter der Ostberliner Chefarchitekt Hermann Henselmann (1905-1995). Diesem wird - neuerdings gegen Einwände der beteiligten Architekten - die Grundidee für den Bau zugeschrieben, bei dem fast nur Materialien aus dem Westen verarbeitet wurden: belgische Thermofenster, skandinavische Fahrstühle und Klimaanlagen, westdeutsche Flugwarnfeuer und Scheinwerfer. Die Edelstahlplatten der Kugel-Verkleidung lieferte Krupp. Der Stahlkauf der plebejischen "Krauses" (ostdeutsches Synonym für Arbeiterklasse) bei den kapitalistischen "Krupps" (Ausbeuter) hinderte den Schwarze-Kanal-Arbeiter Karl-Eduard von Schnitzler (1918-2001) im Januar 1970 nicht daran, dem Lieferantenstaat einen friedliebenden, auf Handel und Wandel bedachten Charakter abzusprechen. Das Abwatschen des Westens war von Schnitzlers geliebtes Metier, weil er, der Erleuchtete, "durch den Neonschleier dieser Wunderwirtschaft hindurchblicken" konnte.

Der im Westen zunächst mit mancherlei Schmähungen ("Ulbrichts Gedächtniskirche", "St. Walter") bedachte Turm sollte vor allem die DDR als sozialistischen Modell-Staat präsentieren. Bei seiner Inbetriebnahme am 3. Oktober 1969 mit einer Bestandsgarantie von 300 Jahren (!) und dem lancierten Kosenamen Telespargel hatte sich der als "harter Hund" bekannte Ulbricht überraschend als Romantiker entpuppt - und dabei umgehend die politische Orientierung verloren: Der abendliche Blick hinunter auf die Stadt, müsse, erklärte der sächsische Hochtonsprecher, "der Blick auf ein unendliches Strahlen sein". In seiner Euphorie übersah er, dass in Ostberlin zwar abends die Lichter nicht völlig ausgingen, aber alles Strahlen und Leuchten größtenteils aus dem Westteil kam. Ulbrichts Sorge lag aber weiter südlich. Schon in die Bauzeit fielen die schweren politischen Differenzen mit der sich demokratisierenden Tschechoslowakei, die in den Austausch abfälliger Äußerungen der Führungsleute übereinander und später in den Einmarsch in die CSSR von 1968 mündete. Dubcek über Ulbricht: "ein versteinerter Dogmatiker", Ulbricht über Dubcek "ein hoffnungsloser Fall". Ulbricht spielte sich nicht nur als Lehrmeister der Tschechen und Slowaken auf, bei der Turmeinweihung rüffelte er jene Staaten, die der DDR eine Anerkennung noch verweigerten. Seine Ansage: "Im Interesse der Friedens stellen Sie normale gleichberechtigte Beziehungen mit dem deutschen Friedensstaat ... her."

Weitere Fotos vom Fernsehturm am Alex

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Berliner Fernsehturm - als Wahrzeichen Berlins

Man muss den alten Mauerlügner Ulbricht nicht lieben - aber von seinem Baubefehl hat Berlin heute sein Gutes. Dem damaligen Prestige-Objekt blieb zwanzig Jahre später nicht nur das angeblich intern diskutierte Schicksal eines Nach-Wende-Abrisses erspart - es wurde zum anerkannten Wahrzeichen Berlins, nichts zuletzt deshalb, weil ihm gerechterweise der Status eines ingenieurtechnischen Wagnisses und architektonische Wohlgestalt zugebilligt werden.

Ein Symbol für gesellschaftlichen Wandel in einer aufstrebenden Gesellschaft - wofür solche Türme sonst stehen - wurde er allerdings nicht. Im Gegenteil: Seine Inbetriebnahme fällt in den beginnenden schleichenden Zerfall der DDR. Mit dem Turmbau hörte auch die Marienkirche auf, höchstes Bauwerk im Kerngebiet des alten Berlin zu sein. Eine Illustrierte schrieb, die Kirche sei nun zum "reizvollen Kontrapunkt der Stadtlandschaft" geworden (auf dem Foto links der Turm der Marienkirche). Während der Turmschatten in der Morgensonne deren Dach streift, grüßt des Mittags in Richtung des Gotteshauses das ungewollte Turmkreuz, das die pyramidenförmigen Stacheln auf der Kugeloberfläche entstehen lassen.

Der 118 Meter hohe Sendemast strahlt zurzeit 31 Programme für das digitale Fernsehen ab. Mobil-, Richt- und Rundfunk werden mit den nötigen Signalen versorgt. Im Turmgrund wird der Besucher im geräumigen Foyer mit einer Ladenzeile empfangen. Mehrere kreuzweise verlaufende Treppen führen ins Obergeschoss des Eingangbereiches mit Kasse und Lifteingang. Zwei der sieben Etagen im Kugelinneren sind für das Publikum zugänglich: die 203 Meter hohe Aussichtsetage und das Telecafé für 200 Besucher auf einer Höhe von 207 Metern. In der fürsorglichen DDR hing bei Nebel am Eingang ein Schild mit dem Hinweis "Heute schlechte Aussicht". Heute muss man eigenverantwortlich selbst nach dem Wetter schauen und entscheiden, ob man hochfährt oder nicht.
Text: -wn-

So ist der Fernsehturm zu erreichen:

S-Bahn: S5, S7, S75, S9
U-Bahn: U2, U5, U8
Bus: 100, 148, 200, 248

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Stand: 29.07.2016