Berliner Dom

Blick auf den Berliner Dom
Der Berliner Dom am Lustgarten - Foto © Henry Czauderna

Die wichtigsten Infos über den Berliner Dom

Adresse:
Berliner Dom
Am Lustgarten
10178 Berlin

Domführungen
Anmeldung unter Tel.: 030 - 20269 119
Konzertkasse: Tel. 030 - 202 69 136

Wie man zum Berliner Dom kommt:
S-Bahn: S5, S7, S75, S9 Bahnhof Hackescher Markt
Bus: TXL, Haltestelle Spandauer Str./Marienkirche
100, 200 Haltestelle Lustgarten
248 Haltestelle Rotes Rathaus

Öffnungszeiten des Berliner Dom:

Montag bis Samstag: 09:00 Uhr - 20:00 Uhr
Sonntage und Feiertage 09:00 Uhr - 20:00 Uhr

Vom 1. Oktober bis 31. März
nur bis 19:00 Uhr geöffnet
Keine Besichtigung während der Gottesdienste oder Veranstaltungen.

Eintrittspreise im Berliner Dom:

Erwachsene 7€
Ermäßigt 5€
Jahreskarte 29€
Audio Guide 3€

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Berliner Dom: - Der Dom in Mitte - Berlins "Seelengasometer"

Immer wenn sich der Zeitgeist wendet, werden nicht nur Mainstream, Mode und Moral neu justiert; selbst intakte Bauwerke bieten über Nacht ein nachteiliges Bild und werden nicht selten entsorgt.

Auch auf der Spreeinsel in Mitte, wo schon der letzte Krieg kaum einen Stein auf dem anderen ließ, wurden zu verschiedenen Friedenszeiten von den Großkopfeten für nicht mehr repräsentativ gehaltene Gebäude rückgebaut. Die letzte Liquidierungsaktion war die einem Denkmalssturm vergleichbare Beseitigung des technisch hoch funktionellen Hauses mit diskrepantem Namen. In einer diktatorischen Umwelt hatte dieser Name einen staatsfremden Republikanismus mit der Idee des Prachtvollen vereinen sollen: "Palast der Republik". Der umstrittene teure Abriss des rettbaren Dokuments der DDR-Baugeschichte ab 2006 dauerte mindestens so lang wie seine Errichtung Mitte der 70er Jahre.

Berliner Dom - Tipps für die Besichtigung

Auch der Dom auf der anderen Seite der heutigen Karl-Liebknecht-Straße steht auf dem Platz eines noch brauchbar gewesenen Vorgängers - des Schinkel-Doms. Er teilt das Schicksal des "Palastes". Kurze Zeit nachdem Karl Friedrich Schinkel einen barocken Dom aus der Zeit des Alten Fritz 1822 nach klassizistischem Maßstab umgestaltet hatte, fand Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. das Gebäude bereits als zu schlicht, zu niedrig, nicht repräsentativ genug. Dem Haus waren zwei Seitentürme aufgesetzt worden, über die sich ganz Berlin amüsierte. Sie "machen eine höchst lächerliche Figur. Sehen aus wie Vogelkörbe. ... Hier werden Dompfaffen abgerichtet", frotzelte Oberspötter Heinrich Heine in einem seiner "Briefe aus Berlin". Auch ein zeitgenössisches Stadt-Lexikon beklagt das Fehlen eines "Berliner protestantischen Petersdomes" und vermerkt: "Unter den 37 Kirchen Berlins fehlt es an grossartigen, besonderes Interesse erregenden, gänzlich."

Berliner Dom
Blick auf den Berliner Dom - Foto © -wn-
Die revolutionären Ereignisse um das Jahr 1848 ließen zunächst keine Zeit, über das Abtragen des Schinkel-Domes und einen Neubau nachzudenken. Erst Kaiser Wilhelm I. befiehlt 1867 den Rückbau. Ähnlich wie heute im Falle des geplanten Humboldt-Forums hebt bald ein Streit um die Kosten für den Bau des neuen Domes an. Die Preußische Staatsregierung will sich auf keinen Baumeister festlegen und das Geld nicht aufbringen. Kanzler Bismarck reagiert barsch: "Andere brennende Fragen stehen (an)." Nach der Entlassung dieses ungeliebten Untertanen greift Wilhelm II. ein und lässt der Domgemeinde das Baugeld in Höhe von zehn Millionen Mark anweisen. Der Architekt und Professor der Technischen Hochschule Charlottenburg Julius Raschdorff wird zum Baumeister bestellt. 1894 ist Grundsteinlegung und 1905 findet die Einweihung des Gotteshauses mit Tauf- und Traukirche statt. Es soll den großen Kirchen dieser Welt ebenbürtig sein. Der Dom ist zudem eine persönliche Kreation Wilhelm II. Seine Bereitschaft am Baugeschehen vor Ort mitzuwirken belegt seine Ansage an die Bauleitung: "Sie brauchen Mich nur zu benachrichtigen, und Ich werde immer bereit sein zu kommen." Wilhelm trifft später der Undank der Geschichte. Ein Platz in der Hohenzollern-Gruft im Untergrund bleibt ihm verwehrt. 1941 stirbt er als Exilant im niederländischen Doorn.

Berliner Dom Geschichte und mehr Infos:

Der neue Dom an der Ostseite des Lustgartens mit üppigem Ornamentschmuck in der Manier des stilpluralistischen Historismus der Wilhelminischen Zeit versucht die detailverliebte italienische Hochrenaissance und den monumentalen Barock zu vereinen. Die mächtige 74,8 m hohe Kuppel erinnert - wie beabsichtigt - an den Römischen Petersdom. Die Folge: Nicht wenige Touristen halten den Dom noch heute für eine katholische Kirche, während die bescheidenere katholische Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz als Hort protestantischer Seelenpflege erscheint. Aber die Berliner waren schon damals von der neuen Kirche irritiert. Wie oft in solchen Fällen reagieren sie mit einer drastischen, letztendlich auf launige Akzeptanz hinauslaufenden Benennung. "Seelengasometer" hieß das neue Bauwerk bald. Und mit der Novemberrevolution 1919 meldete sich plötzlich auch der Zeitgeist wieder. Der deutsche Architekt German Bestelmeyer trat im Berliner Tageblatt mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit "den Berliner Dom durch Entfernung der schlimmsten Details etwas ruhiger zu gestalten".

In den DDR-Jahren kam es über die Straße hinweg zu einem aufschlussreichen Nebeneinander von Dom und Palast-Nordwesttrakt, in dem sich das parlamentsartige Gremium aus Partei-Vertretern und Hauptamt-Funktionären befand, genannt die Volkskammer. Während die von den Funktionären belächelten Lutheraner im Dom nebenan bei den Abendmahlen in liturgischer Tradition des Wittenberger Reformators und in realistischer Sicht auf das eigene Menschsein ihr gebührenfreies Sündenbekenntnis ablegten, hielten sich die Abgeordneten für unangefochten gerecht. In schwärmerischer Einfalt glaubten sie, das von Heine apostrophierte "Himmelreich auf Erden" durch braves Handheben errichten zu können. Die Notwendigkeit eines redlichen Sündenbekenntnisses, atheistisch Selbstkritik genannt, empfanden die meisten von ihnen sogar im Anblick ihres Unterganges nicht. Die Begründung dieser Lernunwilligkeit hatte der Haßprediger Karl-Eduard von Schnitzler in einem selbstgefälligen Apercu geliefert: "Asche gehört aufs Glatteis oder in die Urne, nicht aufs Haupt!" - das Credo der Unbelehrbaren. Der "Palast", sagt man, musste dafür büßen.
Text: -wn- / Stand: 18.01.2017

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