Luise - Königin der Herzen, Königin der Schmerzen

Politiker in der repräsentativen Demokratie müssen rührige Selbstdarsteller sein. Ihre Mühen um Renommee beim Wahlvolk, dessen Interessen sie - gegen Pfründe und reichlich Penunse
 Mausoleum für die preußische Königin Luise
Das Foto vom Mausoleum im Schlosspark
Charlottenburg ist von -wn-
- zu vertreten vorgeben, stoßen aber immer seltener auf Gegenliebe und Vertrauen. Im Kabarett werden die Großkopfeten oft schonungslos verlacht, ihre Autorität infrage gestellt. Auch Angela Merkel (56) kennt das. Von ihrer mitunter zum Eintönigen neigenden Diktion sucht eine ganze Riege von Spaßmachern ihren Schnitt zu machen. Unlängst schnallte sich der Kabarettist Mathias Richling eine Pappmasché-Kopie des abgesenkten Kanzlerin-Dekolletees um und machte damit seine Späße. Aus dem Original des Ausschnittes hatte die fashionable aufgebrezelte Mecklenburger Pastorentochter bei der Eröffnung des Neuen Opernhauses 2008 in Oslo den Busen tatsächlich aufscheinen lassen. Das Ereignis belaberten die Medien später boulevardesk. Zu deren Glück galt nicht mehr eine Ansage Preußenkönigs Friedrich Zwo (1712-1786). Dieser hatte die "zynische Bosheit" der Satiriker unter Strafe gestellt, weil sie "die Sitten der Großen verzerren" und "die Machthaber mit schamloser Frechheit angreifen". Immerhin - es gibt auch Unangreifbare. Etwa den scharfdenkenden Kurt Biedenkopf (80) in Sachsen, den unabhängigen Geist Heinrich "Heiner" Geißler (80) oder den Menthol-Ketten-Raucher Helmut Schmidt (92) mit bundesweiter Raucherlaubnis und bewundernswert klarem Weltdurchblick. Die Zeit des Überganges vom 18. zum 19. Jahrhundert brachte in Preußen eine Persönlichkeit hervor, die in allen Klassen und Schichten geliebt, später kultisch verehrt wurde: Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776-1810), erste Ehefrau von Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. (1770-1840).

Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg von Königin Luise


Nach siebzehn bewegten Ehejahren findet die als schön, zupackend, allerdings als nur mäßig gebildet beschriebene Frau ihre letzte Ruhestätte
in einem Mausoleum mit einem Portikus aus vier dorischen Säulen aus Brandenburger Granit, wenige Gehminuten hinter dem linken Flügel des Charlottenburger Schlosses (Foto). Der kaum abreißende Besucherstrom heute lässt erkennen, wie hochgradig unvergessen diese Frau geblieben ist. Die Gedächtnishalle des Mausoleums füllen vier Kenotaphe (leere Sarkophage), die die Namen Luises, ihres Mannes sowie des Sohnes beider, Kaiser Wilhelm I. (1797-1888), und dessen Frau Augusta (1811-1890) tragen. Auf Luises Kenotaph befindet sich eine Liegefigur, die der Bildhauer Christian Daniel Rauch (1777-1857) schuf. In der Gruft darunter lagern vier Zinnsärge mit den Gebeinen der Verstorbenen. In dieser Krypta befinden auch die Särge der zweiten Frau Friedrich Wilhelms III., Auguste Fürstin von Liegnitz (1800-1873), und des Prinzen Albrecht von Preußen (1809-1872), des zuletzt geborenen Kindes von Friedrich Wilhelm III. und seiner Frau Luise. In den Gruftboden versenkt ist das Herz ihres ältesten Sohnes Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861), dessen Körper in Potsdam bestattet wurde.

Zahlreiche Gemälde gibt es von Luise, aber kein glaubwürdiges und bezeugtes. Am authentischsten ist die Totenmaske, die man am Ort ihres Sterbens, in Hohenzieritz abnahm. Luises Gesicht wird in der berühmten Prinzessinnengruppe anmutig und jugendlich dargestellt. Hier ist beim künstlerischen Umgang mit weiblicher Körperlichkeit eine glückliche Hand am Werk gewesen - die des Bildhauers und Hofkünstlers Johann Gottfried Schadow (1764-1850).1795 schafft er das Doppelstandbild der beiden verschwisterten und nach Berlin verheirateten Teenager Friederike und der Schwester Luise. Das Original aus Marmor ist heute in der Eingangsachse der Alten Nationalgalerie zu sehen. Im Kronprinzenpalais gegenüber dem Zeughaus stehen dem Endzwanziger Schadow die beiden Mädchen bereitwillig Modell. Es heißt, Schadow habe sogar "nach der Natur" ihre Maße abnehmen dürfen. Im Vergleich zu den zunächst angefertigten Büsten beider Mädchen muss er die Dekolletees später züchtig nach oben ziehen. Die wenig pathetische, körperbetonte und naturalistische Darstellung Luises und ihrer Schwester veranlasst den introvertierten und im mündlichen Ausdruck unbewanderten Monarchen zu dem abfälligen Kommentar "Mir fatal" - aber auch weil Friederike später verstoßen wird. Er weist an, die Skulptur in einem abseits gelegenen Gästezimmer des Schlosses zu verstecken. Zwischen dem Verstecken des Marmorbildes und der Installation der Liegefigur im Mausoleum liegen etwa fünfzehn Jahre. Nachdem Luise bereits als Kronprinzessin die feudale Gesellschaft des Berliner Stadtschlosses mit unbeschwertem Verhalten schockiert hat, führen die beiden Eheleute ein bürgerliches Leben. Sie duzen sich, verbringen die Sommer in der einsamen Ländlichkeit des Schlosses Paretz, in Berlin gehen sie wie jedermann Unter den Linden und im Tiergarten spazieren. Volksbelustigung wie den Stralauer Fischzug kennen sie aus eigenem Erleben. Heinrich Heine ist auch später noch von der Popularität dieser preußischen Administration beeindruckt. "Es ist einer der schönsten Züge im Charakter der Berliner, daß sie den König und das königliche Haus ganz unbeschreiblich lieben", schreibt er 1822 in seinen Briefen aus Berlin. Luise liegt da schon im Mausoleum. Nach ihrem Tod wächst ihr eine zusätzliche Popularität zu - als bürgerliche Königin, preußische Madonna, und auch als Märtyrerin sieht sie die Öffentlichkeit.
Sie wird zur Königin der Herzen - aber auch der Schmerzen. Außer Frage steht, dass sie, die zehn Kinder austrägt, also mit kurzen Erholungspausen fast immer schwanger ist, in entscheidender Zeit versucht, auf ihren als Zögerer und Zauderer auftretenden Ehemann einzuwirken. Im Oktober 1806 setzt sie sich an der Seite der preußischen Reformer dafür ein, dass der König dem nach Deutschland vordringenden Napoleon schließlich den Krieg erklärt. Nach den für Preußen verheerenden Schlachten bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 begleitet sie den von Amt und Verantwortung völlig überforderten König auf der Flucht nach Ostpreußen - der tiefste Punkt der preußischen Geschichte. Zunehmend leidet sie unter fiebrigen Erkältungen, Kopfschmerzen und Atemnot. Am 6. Juli 1807 trifft sie in Tilsit (dem heutigen Sowjetsk bei Kaliningrad) mit Napoleon zusammen. Das verzweifelt angestrebte Ziel, ihn zu einer Rücknahme der bedrückenden Kriegsreparationen zu bewegen, die er dem unterlegenen Preußen auferlegte, erreicht sie nicht im Mindesten. Zwischen ihrer Rückkehr nach Berlin und ihrem Tod liegen etwas mehr als 200 Tage. Sie stirbt an einer Lungenentzündung.

Wie komme ich zum Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg ?

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Das 2010 renovierte Mausoleum befindet sich hinter dem Schloss Charlottenburg. Um es zu erreichen, geht man linkerhand um das Schloss herum.

Öffnungszeiten des Mausoleums im Park des Schlosses Charlottenburg :
Von Nov. bis März:
täglich außer montags
von 12 Uhr bis 17 Uhr, letzter Einlass 16.30 Uhr.

Von Mai bis Okt.:
täglich außer montags
von 10 Uhr bis 18 Uhr, letzter Einlass 17.30 Uhr.

Schloss und Mausoleum haben die Adresse:
Spandauer Damm 20-24
In 650 Meter Entfernung befindet sich der S-Bahnhof Westend (S42).
Text: -wn- Stand: 23.03.2015


Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Mausoleums:
  • Raum der Stille in Berlin
  • Klausenerplatz: von Zilles Miljöh zum gediegenen Kreativ-Kiez
  • Das Theater des Westens: Bühne der Weltstars
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