Die Humboldt-Eiche im Schlosspark
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Erst nach mehreren Augenblicken springt das Reh unter Abgabe fortgesetzt ärgerlicher Laute ab ins Innere des ansteigenden Waldes. Hier war Ruhe gestört worden. Jeder der eher seltenen Besucher unterbricht durch seinen Schritt und Tritt die friedsame Stimmung, die trotz Flughafennähe über dem Park am Humboldt-Schloss nahe der Nordostspitze des Tegeler Sees liegt - an jenem Schloss, das einmal ländliches Herrenhaus war, 1766 durch Heirat in den Besitz der Familie Humboldt gelangte und vom Architekten Karl Friedrich Schinkel 1820/24 in die heutige Form eines viertürmigen klassizistischen Kubus' gebracht wurde. Der Gelehrte und Politiker Wilhelm von Humboldt (1767-1835), Erbe des Hauses, lobte in einem Brief die Atmosphäre voller Zurückhaltung und Stille: "Mir ist nichts lieber als die tiefe Einsamkeit in Tegel." Unter "Park" hat man sich einen langgestreckten bewaldeten Höhenzug vorzustellen, der sich vom hell strahlenden Kastell in westliche Richtung hinzieht und dabei seewärts von einem mit alten Bäumen bestandenen Wildacker gesäumt wird. Eine später nach Wilhelm von Humboldt benannte Eiche wächst hier seit 400 Jahren; mittleren Alters ist sie im Vergleich zu jener einen Kilometer entfernten, rund 500 Jahre älteren und 26 m hohen Gattungs-Genossin mit einem Stammdurchmesser von über zwei Metern. Die Humboldt-Kinder Wilhelm und Alexander, der spätere weltbekannte Naturforscher und Geograf (1769-1859), gaben dem Monstrum in Anspielung auf die Hausköchin den Spitznamen "Dicke Marie".