Die Sänger von Finsterwalde: Am Anfang war das Wort

Am Anfang war das Wort, und es hieß Finsterwalde. Betont wird es,
Finsterwalde in Brandenburg
Die Trinitatis Kirche in Finsterwalde - Foto © -wn-
als sei dafür die Punkt-Strich-Kombination des Morse-Alphabets für F maßgebend gewesen: di-di-da-dit. Genau ein solches Wort mit einer gefühlten frohgemuten Silben-Lautung war gesucht worden. Zweitens musste es für ein Provinznest stehen. Und so stieß 1899 der Berliner Komponist und Direktor der Herrensängergesellschaft "Hamburger Sänger" Wilhelm Wolff (1844-1912) auf die Niederlausitzer Kleinstadt. Gebraucht wurde das Wort als Schlachtruf für eine Posse in j.w.d. (janz weit draußen), deren Zuschauer, hoffte Wolff, über das vorgeführte beschwingt-dümmliche Hinterwäldlertum kräftig ablachen würden. Er wusste, was die Leute hören wollten. Drei Jahre später ließ er den Sänger Willy Wenzke, auch "süßer Willy" genannt, die Frage stellen: "Ist denn kein Stuhl da für meine Hulda?" - noch heute ein Knaller.
 
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    Geschichte der Stadt Finsterwalde

    Für den Finsterwalder Hitversuch wurden drei burleske Provinz-Troubadoure namens Pampel, Knarrig und Stippe und eine inzwischen vergessene triviale Handlung
    erfunden. Die drei sollten bei der Aufführung in den Germania-Prachtsälen in der Chausseestraße 103 das Handlung auslösende Couplet vortragen. Zur Wortfolge der ersten Zeile "Wir sind die Sänger" passte metrisch wunderbar die Fügung "aus Finsterwalde". Es sang sich wie von selbst. Aber sogar ein Professional wie Wilhelm Wolff traute an jenem denkwürdigen 3. September 1899, einem Sonntag, seinen Augen und Ohren nicht. Kaum hatten die drei Hanswurste, sozusagen die Ur-Sänger von Finsterwalde, ihr a-capella-Liedchen skandiert mit dem Refrain "Mensch, wenn dich die Sorge packt, / Lass' dich nicht bezwingen; / Wenn dir auch die Schwarte knackt, / Singen musst du, singen!", gerieten im Saal über 600 Hände in rhythmische Bewegung - tosender Beifall, lautes Verlangen nach Dakapo. Wolff hatte wieder einen Gassenhauer kreiert, und es vollzog sich in diesem Moment außerdem der grandios-unfreiwillige Eintritt des Städtchens Finsterwalde in die deutsche Sangesgeschichte.

    Auch wenn dort zu diesem Zeitpunkt Chorgesang selbstredend nicht unbekannt war. Seit 1885 - übrigens bis heute - vereinigte der Männergesangsverein "Einigkeit" Arbeiter und Mittelschichtler in seinen Reihen, aber eben nicht bekneipte Witzfiguren wie Pampel, Knarrig und Stippe. Folglich kam der Berliner Lacherfolg in Finsterwalde nicht gut an. Andrerseits war die Stadt bisher überregional eher durch abartige Kraftakte beim Biertrinken bekannt geworden. Ein Finsterwalder Förster soll Mitte des 17. Jahrhunderts in der Lage gewesen sein, 22 Maß Dresdener Schlossbier hintereinander zu schlucken, was ihm sogar die Vermutung einer Teufelsnähe einbrachte. "Der muss das Trinken beim Satan gelernt haben", hieß es von ihm teils nicht ohne Achtung. Doch nicht genug: Etwa um dieselbe Zeit gewann der damalige Bürgermeister Abraham Koswig eine Wette, weil er es fertigbrachte, ein Glas Bier mit einer darin schwimmenden Maus auszutrinken. Wahrlich keine Ereignisse, die für stolze Geschichtlichkeit eines städtischen Gemeinwesens stehen können.

    Indessen wurde das Finsterwalder Sängerlied zum Selbstläufer. Man hörte es als a-cappella-Gesang, Humoristischen Marsch oder Marsch für Klavier. Angesichts dieses Siegeszuges durch Deutschland konnten die Finsterwalder gar nicht umhin, aus der drohenden Not, nämlich für skurril und hinterwäldlerisch gehalten zu werden, eine Tugend zu machen. Mit hochgradiger Sangesfreude hielten sie dagegen. 1907 hatte der Verein "Einigkeit" bereits 30 Sänger. Zwischen 1920 und 1930 wuchs er geschlechtsübergreifend auf etwa 170 Sängerinnen und Sänger an.

    Seit 1954 findet alle zwei Jahre das Finsterwalder Sängerfest statt. Logisch, dass es mit nichts anderem als dem historischen Sängerlied eröffnet wird. Aus Pampel, Knarrig und Stippe wurden vier ansehnliche Herren in Frack und Zylinder. Auf mehreren Bühnen in der Innenstadt treten Kapellen, Bands und Musikkünstler aus Deutschland, Europa und Amerika auf. Mittlerweile zählt das Happening zu den größten Volksfesten Brandenburgs. Und als im August 2008 die Hochdahler Chöre aus dem norddeutschen Tiefland auf der Marktbühne inmitten der ansehnlichen Jugendstil- und klassizistischen Häuser-Fassaden mit großem Atem La Montanara intonierten, wurden die Umstehenden von jener lebensbejahenden Heiterkeit erfasst, die nach Meinung des Dichters Hermann Hesse gerade auch das Hören von "ernster" Musik bewirkt. In Marktnähe zog die Trinitatiskirche aus dem Jahre 1585 (Foto), in der schon der weltbekannte Dresdner Trompeter Professor Ludwig Güttler und "Die Prinzen" gastiert hatten, Hunderte Sänger zum Nacht-Konzert auf der Sauer-Orgel an. Wuchtig, zart und besonnen stieg Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565) ins Netzrippengewölbe des Kirchenraumes auf. Angesichts dieser wirkmächtig gewordenen Finsterwalder Sanges- und Musikkultur will man gar nicht glauben, dass im Grunde alles um die vorletzte Jahrhundertwende im Alkohol- und Nikotindunst eines Berliner Großetablissements begonnen hatte.

    Wie man nach Finsterwalde in Brandenburg kommt:
    Die auch zwischen den Sängerfesten sehenswerte Stadt im Landkreis Elbe-Elster liegt etwa 20 Kilometer von der Autobahn A13 Berlin-Dresden entfernt. Als Abfahrt bietet sich die Anschlussstelle Bronkow an.
    Text: -wn- / Stand: 29.06.2014

    Adresse der Stadtverwaltung:
    Schloßstr. 7/8
    03238 Finsterwalde

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