Zauberschloss" Meseberg: Der "Petersberg von Brandenburg"

Angeblich gibt es ihn - den Geist von Meseberg. Kein Gespenst, das nebenan aus dem Huwenowsee aufstiege, durch die Eichen und Blutbuchen des Ufers ins Freie dränge und in dem zweigeschossigen Barockbau
Schloss Meseberg in Brandenburg
Das Schloss Meseberg
Foto © -wn-
mit dem abknickenden Mansarddach einen Spukort suche. Dazu strahlt Schloss Meseberg - vor allem an Tagen mit starker Morgensonne - viel zu hoffähig, hell und heiter; weltlich die Solidität der sächsischen Sandsteinsäulen an der Fassade über dem Portaldreieck; sie verwöhnen die Augen des Betrachters, ebenso die beigefarbenen Schornsteine aus schlesischem Marmor. Eigentümer ist die Messerschmitt-Stiftung, die das märkische Kleinod vor dem Verfall rettete und für den symbolischen Preis von einem Euro an die Bundesregierung vermietet. Einen jährlichen Unterhalt in Höhe von 100000 Euro zahlt Berlin für das zum Gästehaus umgewidmete Gebäude, das man auch den "Petersberg von Brandenburg" nennt. Und der Geist? Er geht um. 2007 hat er - wie die Mieter von Amts wegen wahrgenommen haben wollen - ihre Hand geführt beim Verfassen einer Erklärung mit dem Namen: "Aufschwung - Teilhabe - Wohlstand. Mehr Chancen für Deutschland". Die - wenn schon nicht belanglose, so doch beliebige - Wortfolge ist die Headline einer Klausur-Kundgabe des ersten Merkel-Kabinetts (2005-2009). Hin gab man sich der Hoffnung, nach heftigen Zerwürfnissen in der oberhavelländischen Abgeschiedenheit wieder gemeinsamen Kurs zu gewinnen; Ergebnis bekannt. Der Meseberger Geist war willig, doch die Große Koalition blieb schwach. Auch die jetzt regierenden Minister von Union und FDP im Merkel-Kabinett II versuchten hier unter abermaliger Inanspruchnahme des berühmt geredeten Schlossschattens ein füglicheres Miteinander.
Adresse:
Schloss Meseberg
Meseberger Dorfstr.
16775 Gransee OT Meseberg
Telefon 030/ 4000-0
Das Schloss ist nur zum jährlichen "Tag des offenen Schlosses" offen!

Schloss Meseberg


Schon beim näheren Hinsehen auf die Chronik des attraktiven Hauses stößt man auf sich überschätzende Akteure. Bereits die Baugeschichte ist ein Akt trügerischen
Veranschlagens eigener Möglichkeiten. Der preußische Obrist Graf Hermann von Wartensleben ließ ab 1736 das Schloss in heutiger Gestalt errichten. Aber er "verbaute sich"; das Projekt habe ihm eine "Tonne Gold" gekostet, vermerkt die Chronik. 35 Jahre später muss die Witwe das Haus aus Not veräußern. Zwei Männer treten auf den Plan, von denen der eine den nötigen Zaster zum Schlosskauf hat, der andere nicht. Von letzterem heißt es, dass er sich in "endlos wiederholenden Geldverlegenheiten" verfange. Der Wohlhabende ist Prinz Heinrich, ein für defensives Vorgehen berühmter Feldherr im Siebenjährigen Krieg, Diplomat und belesener Schöngeist, allerdings kein schöner Mann, pockennarbig das Gesicht, kleiner noch als der schon nur mittelgroße Bruder Friedrich II., wohnhaft in Schloss Rheinsberg. Sein ständig klammer Gefährte ist Adjutant Christian Ludwig von Kaphengst, ein bisexueller Bonvivant aus der Prignitz. Die beiden habens miteinander. 1774 platzt Friedrich dem Großen der Kragen; er hat vom Dauerflirt seines Bruders gehört. Der Prinz erhält den Befehl, den Kostgänger und Günstling "aus seiner Nähe zu entfernen". Friedrich macht dem Bruder sein Verlangen mit 10000 preußischen Friedrich d'or (eine Goldmünze) schmackhaft. Heinrich kauft mit der überraschenden Zuwendung das zum Verkauf stehende Schloss - um es dem Liebhaber zu übereignen.

Es wird eng für den eher ruhigen Geist von Meseberg. Christian Ludwig von Kaphengst beginnt im Schloss ein luxeröses Leben, unterhält mit Berliner Schauspielerinnen Kontakte weitab der künstlerischen Belange. Ein Draufgänger ist er, dem ein fünfstündiger Ritt nach Berlin nicht zu lang ist, nur um in die Arme einer seiner jugendlichen Naiven sinken zu können. Zwanzig Luxuspferde stehen im Meseberger Marstall und "…auf den Atlaskissen der Stühle und Sopha's streckten sich die Windspiele, während eine Meute von Jagdhunden um die Mittagszeit ihr Geheul über den Hof schickte", zitiert Fontane eine Quelle. Der "tolle Kaphengst" versteht es, dem eitel-verliebten Heinrich immer wieder Geld zu entlocken. Vor allem mit Schmeicheleien: Zu einer privaten Theatervorstellung nach Meseberg eingeladen, sieht sich Heinrich auf einem Deckengemälde in einer Apotheose dargestellt. Über der gemalten Vergöttlichung ist der an den Prinzen gerichtetete Dankspruch zu lesen: "Vota grati animi" ("Nimm dies als die Darbringung eines dankbaren Herzens"). War es Absicht, war es Zufall? Beim genauen Hinsehen fiel auf, dass die beiden letzten Buchstaben fehlen. Der Lateinkundige weiß, dass sich durch den Wegfall der beiden Schriftzeichen ein anzüglicher Sinn ergibt. Die Sache wurde bekannt: Heftiges Lachen damals im Brandenburgischen.

1885 hat der Schlossgeist hedonistische Ausschweifungen endgültig hinter sich. Die neuen Besitzer heißen Lessing, sind verwandt mit dem gleichnamigen deutschen Dichter ("Nathan der Weise") ab und repräsentieren das Berliner Bildungsbürgertum. Zum neuen Eigner Carl Robert Lessing sowie zu dessen Sohn Gotthold unterhält Theodor Fontane enge Beziehungen, ist gelegentlich zu Gast. Die geistige Nähe zu den Lessings rührt von Fontanes Mitarbeit an der "Vossischen Zeitung" her, deren Miteigentümer Carl Robert Lessing ist. Die Zeitung wiederum steht der "Deutschen Fortschrittspartei" nahe, die als erste preußische Gruppierung einen deutschen Rechtsstaat fordert. Am 13. Mai 1889 schreibt Fontane an seine Tochter Mete: "Gestern um 10 ½ fuhr ich, in großer Kumpanei, nach Meseberg, eine Stunde von Gransee. … Es war sehr nett, sowohl auf den Fahrten hin und zurück, wie an Ort und Stelle. … (es wurde) ein Diner genommen, das sich lediglich aus Produkten des Guts zusammensetzte, glücklicherweise mit Ausnahme des Weines". Fontane findet hier den Stoff seines Lebens. Carl Roberts Ehefrau Emma von Gelbke erzählt ihm die Geschichte der Baronin Elisabeth von Ardenne - woraus der weltberühmte "Effi Briest"-Roman entsteht. In den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" aber steht jener bis heute vielzitierte Satz, mit dem der nicht für Übertreibungen bekannte märkische Dichter das Meseberger Prunkhaus adelt: "Wie ein Zauberschloss liegt es auch heute noch da." Aus dieser Mitteilung nähren sich der örtliche Fremdenverkehr und der vielbeschworene Geist von Meseberg.

Wie man zum Schloss Meseberg kommt:
Meseberg mit seinen etwa 150 Einwohnern erreicht man mit dem Auto von der B 96 zwischen Löwenberg und Gransee aus. Von Gransee (Anreise möglich per Regionalbahn von Oranienburg) führt auch ein ausgeschilderter Wanderweg nach Meseberg.

Als märkisches Angerdorf angelegt, befindet sich in der Ortsmitte eine spätmittelalterliche Backsteinkirche. 1892 schuf man deren neubarocken Turm. Die Orgel aus demselben Jahr wurde 2002 instandgesetzt. Im Sommer ist das Gotteshaus eine "offene Kirche". Am Huwenowsee entlang erstreckt sich ein öffentlich zugänglicher Landschaftsgarten u.a. mit dem Mausoleum der Familie Lessing. 27 Autokilometer entfernt liegt Neuglobsow am Großen Stechlin; nach Rheinsberg ist es nicht viel weiter.
Text: -wn- / Stand: 11.06.2014




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