Das riesige Stelenfeld, das sich zum Gedenken an die rund
Holocaust Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Foto © hornyteks
6 Millionen im Holocaust ermorderten Juden
unweit von Reichstag und Potsdamer Platz in Berlin Mitte wie ein kleines steinernes Meer ausnimmt, gefällt nicht jeden. Es ist das umstrittenste Denkmal der deutschen Geschichte überhaupt. Über viele Jahre zog sich die Debatte hin, bis das 1988 von der Publizistin Lea Rosh angeregte Mahnmal 2005 schließlich eingeweiht wurde.
Einer unter vielen Kritikern, die u.a. befürchteten, das Denkmal ziehe einen eisernen Schlussstrich unter die Aufarbeitung der unheilvollen deutschen NS-Geschichte, ja zementiere sie gewissermaßen, war z.B. Martin Walser. Der Schriftsteller bezeichnete das 19.000 m² große Mahnmal als "einen fußballfeldgroßen Albtraum".
Der Schöpfer des insgesamt 27,6 Millionen Euro teuren Denkmals, der New Yorker Star-Architekt Peter Eisenman, hingegen reagierte auf derlei Kritik gelassen. "Mein Mahnmal ist nicht Coca-Cola!", so sein schlichter Kommentar.
Mit dem Umstand, dass die insgesamt 2.711 Stelen, wovon die schwerste 16 Tonnen wiegt,
keine explizite symbolische Bedeutung haben, tut sich die Öffentlichkeit besonders schwer. Eisenman selbst bezeichnete sein Denkmal als "place of no meaning", also als einen Ort, dem keine bestimmte Bedeutung innewohnt. "Ausmaß und Maßstab des Holocaust machen jeden Versuch, ihn mit traditionellen Mitteln zu repräsentieren, unweigerlich zu einem aussichtslosen Unterfangen.", konstatierte Eisenman einst, "Unser Denkmal versucht, eine neue Idee der Erinnerung zu entwickeln, die sich deutlich von Nostalgie unterscheidet."
Nichtsdestotrotz existiert eine Reihe von unterschiedlichen Deutungsversuchen. Die Stiftung des Denkmals selbst befindet
Foto vom Holocaust-Denkmal Berlin
Foto © kameraauge
auf ihrer Website, dass in der leichten, aber kaum merklichen Neigung einzelner Pfeiler und dem scheinbar schwankenden Boden ein leichtes "Gefühl der Verunsicherung" zum Ausdruck gebracht werde. Wieder andere meinen, die graue Farbe der Stelen erinnere an die Asche der verbrannten Juden, die meistens in Gewässer oder auf Felder gestreut wurde. Der Förderkreis um Lea Rosh vergleicht das Mahnmal mit Soldatenfriedhöfen und Kriegerdenkmälern. Er deklariert das Stelenfeld als Kenotaph, d.h. eine Art Ehrengrab, welches auch dringend nötig sei, da die meisten ermoderten Juden kein eigenes Grab hätten.
Holocaust-Denkmal-Berlin mit Museum:
Unabhängig von all diesen verschiedenen Versuchen, das Stelenfeld mit symbolischer Bedeutung aufzuladen, kann sich beim Besucher,
der durch die engen Gänge des überdimensionalen Stelenlabyrinths wandert, ein Gefühl der Einsamkeit und Verlorenheit einstellen. Wer mit Kindern herkommt, wird sie vielleicht nicht sofort wieder finden, wenn diese begeistert Verstecken oder Fangspiele zwischen den meterhohen Gebilden spielen. Vielleicht braucht der ein oder andere auch eine Weile, um wieder den Weg aus dem Denkmal herauszufinden. Bei einigen Besuchern mag das Mahnmal also eine Art Beunruhigung und Alleingelassenheit einstellen, ein Gefühl, das auch die Opfer zur Zeit ihrer Verfolgung gespürt haben müssen.
Um das abstrakte Denkmal mit Informationen zu den Opfern zu ergänzen,
integrierte Eisenman ein unterirdisches Museum in das Stelefeld. An diesem "Ort der Information" wird unter anderem die Liste aller Namen bekannter Holocaust-Opfer zur Schau gestellt. Zahlreiche Einzelschicksale machen das Leid, welches die vielen Stelen dokumentieren, fassbarer.
Ein Zitat des italienisch-jüdischen Schriftstellers Primo Levi, der Auschwitz überlebt, 1987 aber Selbstmord begangen hat, ziert die Lobby des Museums: "Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben."
Text: A.K.
Auch ein Video vom Holocaust-Mahnmal in Berlin haben wir anfertigen lassen :
Das Video über das Holocaust-Denkmal in Berlin wurde 2008 exklusiv
für In-Berlin-Brandenburg.com gedreht!
Adressen:
Holocaust-Mahnmal
Ebertstraße 56
10245 Berlin
030 74072929
Eintritt frei
Das Stelenfeld ist täglich 24 h zugänglich !
Holocaust-Mahnmal auf einer größeren Karte anzeigen
Anfahrt:
S-Bahn: (S1, S2, S25 ) bis S+U Bahnhof Potsdamer Platz
U-Bahn: (U2) bis S+U Bahnhof Potsdamer Platz oder U Mohrenstr.
Bus:
M41, M85 bis S Potsdamer Platz Bhf/Voßstr.
200, M41, M48, M85 bis S+U Potsdamer Platz Bhf
200, M48, M85 bis Varian-Fry-Str.
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