Das Anne Frank Zentrum Rosenthaler Straße

Auf dem "Berg der Erinnerung", einer Hügelkette, mit der Jerusalem nach Westen hin ins judäische Bergland hineinragt, ist ein Ort, der davon Zeugnis gibt,
 Anne Frank Zentrum in Berlin
Faksimile des Tagebuchs der Anne Frank
Foto © -wn-
dass von Menschen gegen Menschen verübte Grausamkeit selbst das Niveau des im Tierreich üblichen ethikfreien Tötens noch unterschreiten kann. Der Ort trägt nach biblischem Verständnis den „ewigen Namen“ Yad Vashem. Er benennt die in den 50er Jahren eingerichtete israelische Holocaust-Forschungs- und Gedenkstätte; ein Teil von ihr ist das Children’s Memorial. In dunklem Raum unter Felsen erzeugen drei Kerzen auf den kleinteilig verspiegelten unplanen Wänden ein gewaltiges Sternenmeer. In eine zwingende Stille hinein verliest eine Stimme bisher erfasste Namen der 1,5 Millionen im Holocaust ermordeten Kinder. Mitleid, Trauer, Bestürzung sind übliche Gefühlsregungen unter Besuchern – zu schwach, sich dem Unfassbaren anzunähern.

Das Anne Frank Zentrum in Berlin


Der Zufall bestimmt, wer dort an einem bestimmten Tag, in einem bestimmten Sekundenzeitraum nach den zuvor aufgerufenen Sarahs, Daniels, Hannahs und Leas auch die gesprochene Zeile „Frank, Annelies Marie, Niederlande, 15 Jahre“ hört. Wenige Monate vor dem vollendeten 16. Lebensjahr raffte sie an einem Märztag 1945 in Bergen-Belsen der Typhus dahin. Ihr kurzer Lebensgang wird im Berliner Anne Frank Zentrum am Hackeschen Markt, einer Partnerorganisation des Anne Frank Hauses Amsterdam, eindrucksvoll dargestellt: die Kindheit im jüdisch-liberalen Elternhaus in Frankfurt/Main, in dem deutsche Kultur und Heimatliebe hohe Güter waren, die Emigration der Familie ins noch unbesetzte Amsterdam, dann - vom 6. Juli 1942 bis zum 4. August 1944 – das versteckte Leben in der Enge des Hinterhauses Prinsengracht 263 sowie die Stationen Auschwitz und Bergen-Belsen. Es wird jeder Versuch unterlassen, das aufgeweckte, sensible und zu mancher Extrovertiertheit neigende Mädchen aufs Podest kultischer Verehrung zu stellen, nachdem dessen Niederschriften weltberühmt wurden.

Das nach der Verhaftung glücklicherweise gerettete, heute in 55 Sprachen übersetzte Tagebuch hatte für die Autorin die überaus praktische Funktion eines geistesverwandten Wesens. „Ich werde, hoffe ich, Dir alles anvertrauen können, wie ich es noch bei niemandem gekonnt habe, und ich hoffe, Du wirst mir eine große Stütze sein“, hatte sie in Erwartung der zu mancherlei fortführenden Gedanken anregenden Notate auf die erste Seite geschrieben. Nach der späteren Lektüre des Textes konnte sich ihr überlebender Vater, der jüdische Kaufmann Otto Heinrich Frank (1889-1980), nicht vorstellen, dass das, was die Tochter in der Kladde mit den rotweiß karierten Deckeln und auf einer großen Anzahl weiterer Blätter mitteilt, einmal im Sinne Goethes zur Weltliteratur gezählt werden würde. Sein zunächst einziger Gedanke: „Ich wusste gar nicht, dass meine kleine Anne so tief war.“

Die Prägnanz und Ehrlichkeit der Texte – ausdrücklich inbegriffen alle Irrtümer und ungerechten, unreifen Urteile - führten Otto Frank im Mai 1957 zu dem Entschluss, die Stiftung Anne Frank Foundation zu gründen. Auf der Agenda steht bis heute die Förderung der Kommunikation junger Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Religionen und ethnischen Räumen. Im jungen Alter soll Sensibilität gegenüber Intoleranz und rassistischer Diskriminierung erworben und lebensbestimmend gefestigt werden. Nicht von ungefähr begegnet man in der Berliner Dauerausstellung „Anne Frank und wir!“ dem Begriff der kulturellen Verschiedenheit: Stadt oder Land als den Menschen prägende Lebensorte, die Existenz als Mann oder Frau, unterschiedliche sexuelle Orientierungen und religiöse Bekenntnisse, körperliche Behinderungen und andere Hautfarben – sie sollen als Vielfalt unseres Daseins begriffen werden. Die Ausstellung will Kinder und Jugendliche ermutigen, sich ernsthaft und ehrlich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Es spricht für die Sinnfälligkeit des Stiftungsgedankens, dass junge Menschen im Besucherbuch die Botschaft des eigenständigen Denkens aufzunehmen suchen.

Trotz des hoffnungsvollen Versuches der Stiftung, aus Schmerz Vernunft zu gewinnen, kann nicht verblassen, was Augenzeugen vom physischen Ende des Amsterdamer Mädchens aus Frankfurt/Main schildern. Eine Mitgefangene über die letzten Stunden: "Die Mädchen Frank waren schon sehr abgemagert und sahen schrecklich aus. … Typhus war das Kennzeichen von Bergen-Belsen. Sie bekamen diese ausgehöhlten Gesichter, Haut über den Knochen.“ Schwester Margot starb zuerst. Anne Frank kurz darauf. Genauere Nachricht fehlt.
Das Unfassbare bleibt.

Wie kommt man zum Anne Frank Zentrum in Berlin?
Das Anne Frank Zentrum ist zu erreichen: mit der S-Bahn S3,S5,S46, Bahnhof Hackescher Markt, mit der Straßenbahn M1 und M5; Der Eingang befindet sich im Hof der Rosenthaler Straße 39.
Text: -wn-

Öffnungszeiten vom Anne Frank Zentrum:

(Öffnungszeiten der Ausstellung)
Dienstag bis Sonntag: 10 - 18 Uhr
Angemeldete Gruppen ab 9 Uhr

Eintritt im Anne Frank Zentrum

Erwachsene: 5 Euro
Ermäßigt: 3 Euro
Familien: 12 Euro
Kinder bis zum 10. Lebensjahr haben freien Eintritt im Anne Frank Zentrum
Ermäßigte Eintrittspreise:
Ermäßigungsberechtigt sind: Kinder von 10 bis 18 Jahren, Studierende, Renter, Schwerbeschädigte, Berlin Pass-Inhaber, FSJler, Bundesfreiwilligen- und Wehrdienstleistende

Gedenkstätten und Denkmäler in Berlin:
  • Gedenkstätten in Berlin
  • Anna-Seghers-Gedenkstätte
  • Gedenkstätten am Bahnhof Grunewald
  • Bendlerblock
  • Berlins kleinstes Denkmal
  • Bonhoeffer-Haus Berlin Charlottenburg
  • Checkpoint Charlie
  • Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst
  • East Side Gallery
  • Erinnerungsstätte Marienfelde
  • Fontane-Gedenkstätte
  • Friedhof der Märzgefallenen
  • Gedenkstätte Berliner Mauer
  • Gedenkstätte der Sozialisten
  • Gedenkstätte Plötzensee
  • Denkmal für die ermordeten Juden Europas
  • Luftbrücken-Denkmal
  • Kleist-Gedenkstätte in Berlin
  • Marx-Engels-Denkmal in Mitte
  • Das Max Lingner-Haus in Berlin-Niederschönhausen
  • Neue Wache
  • Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße
  • Schiller-Denkmal in Berlin-Mitte
  • Sowjetische Ehrenmal in Treptow
  • Sowjetisches Ehrenmal Schönholzer Heide
  • Staatsratsgebäude
  • Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
  • Gedenkstätte Stille Helden
  • Stolpersteine in Berlin
  • Strasse der Erinnerung
  • Haus der Wannsee-Konferenz
  • Heine-Denkmäler in Berlin
  • Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas
  • Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen
  • Weitere Orte der Erinnerung:
  • Alliierten Museum
  • Stiftung Topographie des Terrors

  • Sehenswürdigkeiten in der Umgebung des Anne-Frank-Zentrums:
  • Jüdischer Friedhof Weißensee
  • Dorotheenstädtischer Friedhof: Es darf geraucht werden
  • Synagoge Rykestraße
  • Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee
  • Berliner Centrum Judaicum : museal, markant und maurisch
  • Alle Sehenswürdigkeiten in Mitte

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