Der Französische Dom in Berlin
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"Mit meinem Lottogewinn von 500000 Mark mache ich erst mal eine Reise nach Island … und im Herbst eröffne ich dann in Wuppertal eine Herrenbudike." Der zielsichere Gebrauch des Ausdruckes Budike verweist auf Geschichte. Denn die Wendung ist neben manch anderen bereitwillig und zungengerecht eingedeutschten französischen Vokabeln die Adaption des Wortes Boutique. Zusammen mit weiteren für deutsche Ohren fremd und näselnd klingenden Begriffen kommt dieses Wort am Ende des 17. Jahrhunderts ins Land, zugehörend dem Sprachrepertoire einer Schar von 44000 Menschen, von denen einige zum Beispiel Devrient heißen oder Desombre oder Bouffier. Es sind Hugenotten, protestantisch-calvinistische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, unter ihnen die Vorfahren Theodor Fontanes, des deutschen Grafikers Daniel Nikolaus Chodowiecki und des derzeitigen deutschen Innenministers Lothar de Maizière. Etwa 6000 Réfugiés, wie man sie in Preußen nennt, fassen Fuß in Berlin. Anfängliche Vorbehalte ihnen gegenüber wandeln sich bald in steigendes Ansehen. Maßgeblich beteiligen sich die Hugenotten am Aufbau der den Zünften überlegenen Manufakturen - mehr noch: sie helfen die immer noch sichtbaren Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) zu überwinden. Die Integrationsleistung der Neudeutschen weiß der Kurfürstliche Hof nicht nur durch das Einräumen von anfänglichen Steuervorteilen zu schätzen. 1699 übereignet er den Immigranten ein Stück Land auf dem damaligen Linden-Markt, der erst hundert Jahre später Gendarmenmarkt heißt. Auf dem Landstück errichtet die hugenottische Gemeinde die noch heute aktive Französische Friedrichstadtkirche. Am 1. März 1705 weiht der erste Prediger Jacques Lenfant das Gotteshaus ein; anwesend ist König Friedrich I., der der Gemeinde das ewige Eigentumsrecht an Grund und Boden zuerkennt.