Berliner Bebelplatz zwischen Oper & "Kommode" - Der Kaiser ahnte Böses

Eine fatale Verkettung von Ort und Ahnung: Der Berliner Opernplatz (seit 1947 Bebelplatz) stützte ein böses
Der Bebelplatz in Berlin
Der Bebelplatz in Berlin
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Foto © -wn-
Vorgefühl von Kaiser Wilhelm I. (1797-1888), jenem Hohenzollern-Monarchen mit dem herkulischen Backenbart und dem ausrasierten Kinn. Obwohl der Potentat viel Grund gehabt hätte, sich am architektonischen Herzstück des Preußentums im Berliner Zentrum höchlichst zu erfreuen, überfiel ihn stattdessen die Ahnung seines gewaltsam herbeigeführten Todes… Weit und breit war keine Spur von ansteckender Düsternis. Nach Norden zu fiel der Blick auf die heutige Universität, die zum Ensemble "Forum Fridericianum" gehörte, so dass die Linden den Platz nicht wie heute begrenzten, sondern querten. Ursprünglich war der Bau das an Wohn- und Lustraum reichlich bemessene Palais des Bruders von Friedrich II., dem jeder Machtausübung enthobenen Prinzen Heinrich.
Ein Zeitgenosse rühmte: "Die Bauart ist zierlich, mit Säulen auf Pilastern von Korinthischer Ordnung."

Gebäude auf dem Bebelplatz


Die Fassade des prinzlichen Palais ähnelt der Vorderansicht der Oper gegenüber - übrigens das erste freistehende deutsche Theater, und zwar derart freistehend, dass nach den Worten ihres Erbauers Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff "1000 Kutschen gemächlich allda halten können". Der Parkplatz als solcher - ein damals unbekanntes Wort. Die graziös konkav geschwungene Fassade der Alten Bibliothek auf der anderen Platzseite ließ die Berliner mit ihrem Hang zu liebevoller Ironie bald einen Spitznamen für das Haus finden: "Kommode". 1822 schilderte Heinrich Heine in den schönsten Farben das Getümmel der "geputzten Menge" auf dem Platz und Unter den Linden. Und er wäre nicht Heine, hätte er nicht besonders den flanierenden Damen sein Augenmerk geschenkt: "Welch schöne Federhüte! / Welch schöne Türkenschals! / Welch schöne Wangenblüte! / Welch schöner Schwanenhals!" heißt es in einem seiner ambitionierten Briefe aus Berlin.

Heute Bebelplatz füher Berliner Opernplatz


Die Hedwigskathedrale hatte Platzbaumeister Friedrich II. persönlich angeregt, korrekter: anbefohlen, weil er wiederum seine religiöse Toleranz unter Beweis stellen wollte. In seiner Bauerlaubnis ließ er die kleine Berliner katholische Gemeinde wissen, sie könne "so groß (bauen) als sie solches immer haben" will. Im Gegensatz zu Friedrich, dem Einzigen, wie man ihn auch nannte, weil es schon viele Majestäten mit dem Epitheton "der Große" gab, galt der ängstliche Wilhelm als Mann zwar klaren, jedoch beschränkten und intoleranten Geistes. Ein Grund für seine trüben Gedanken auf dem Opernplatz lag auf der Hand. Am 21. März 1848 war hier die erste Zwischenstation des 7,5 Kilometer langen Trauerzuges, bei dem rund 100 000 Menschen die Särge von 183 Märzgefallenen vom Gendarmenmarkt zum Friedhof im südlichen Friedrichshain trugen. Wilhelm ging damals als reaktionärer "Kartätschenprinz" in die Geschichte ein, weil er die militärische Niederwerfung der Märzrevolution betrieb. Für einige Monate musste er nach Großbritannien fliehen. Regelrechte Todesangst beschlich ihn rund 20 Jahre später während der "preußischen Verfassungskrise", als er zusammen mit seinem Ministerpräsidenten und Außenminister Otto Fürst von Bismarck (1815-1898) gegen die bürgerlichen Liberalen und die von ihnen abgespaltene Fortschrittspartei regierte, die im preußischen Parlament keine Gelder für die Vergrößerung des Heeres genehmigten. Bismarck störte deren ablehnendes Mehrheitsvotum wenig und prägte seine historisch gewordene Ankündigung, den Willen des Kaisers notfalls mit "Blut und Eisen" durchzusetzen. Angesichts der Proteste gegen diese Provokation bekam der Monarch aber kalte Füße, erwog sogar die Abdankung.

1862 auf einer Eisenbahnfahrt zwischen Jüterbog und Berlin macht er Bismarck gegenüber seinem Herzen Luft: "Minister sind Sie geworden, aber nur, um das
Schafott zu besteigen, was auf dem Opernplatz für Sie errichtet wird; ich selbst, der König, werde nach Ihnen an die Reihe kommen." Er traute den Bürgerlichen zu, dass sie ihn wegen seines antidemokratischen Zuschnitts dem Scharfrichter überantworten könnten. Das nicht von ungefähr: 70 Jahre vorher, am 21. Januar 1793, hatte der französische König Ludwig XVI. auf dem Place de la Révolution das Blutgerüst besteigen müssen, wo eine auf seinen beträchtlichen Halsdurchmesser ungenügend eingestellte Guillotine die Enthauptungstortur verzögerte. Sein Kopf fiel, nachdem Scharfrichter Charles-Henri Sanson mit dem Schwert nachgeholfen hatte. Wilhelms Sorge aber war umsonst. Er verlor sein Leben auf natürliche Weise - fast 91jährig im März 1888. Der Opernplatz hingegen, auf dem nie ein Schafott errichtet wurde, verlor seine Unschuld 45 Jahre später, bei der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933. An die Barbarei erinnert heute das unterirdische Denkmal "Versunkene Bibliothek" des israelischen Künstlers Micha Ullman. Durch eine gläserne Bodenplatte in der Platzmitte blickt man in einen tiefliegenden Raum mit leeren weißen Betonregalen.

Wie man zum Bebelplatz kommt:
Am besten fahren Sie mit dem Bus zum Bebelplatz!
Am Platz und in dessen Nähe halten die Busse der BVG 100, 200, N2, TXL, 147, N6
An der nahen Haltestelle Am Kupfergraben enden die Straßenbahnlinien 12 und M1
Text: -wn-

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