Ribbecks Birnbaum - Wo Ribbeck draufsteht, soll auch Birne drin sein

Es gibt Gedichte unterschiedlicher Länge und Qualität und solche, bei denen schon ein einziges Wort fast einen halben Tausender kostete,
Bild vom Ribbecker Birnbaum
Der Ribbecker Birnbaum Foto © -wn-
würden diese Dichtwerke in Teilen verkauft. Fontanes aus 290 Wörtern bestehende Birnenballade "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" besitzt ein solch teueres Vokabular. Der Grund: Im Jahre 1933 erhielt ein Bieter bei einer Auktion den Zuschlag für die dreiseitige Urschrift. Er hatte für das Ganze 265 Reichsmark zu berappen - umgerechnet ca. 880 €. Kürzlich kam die noch mit dem Federkiel gefertigte literarische Kostbarkeit in einem Berliner Autographen-Auktionshaus erneut unter den Hammer. (2009) Diesmal belief sich das Höchstgebot eines anonymen Kunstfreundes auf sage und schreibe 130 000 €. Aus der kolossalen Wertsteigerung auf das 150fache innerhalb von 75 Jahren würde sich ein derzeitiger Einzelwortpreis bei ca. 450 € bewegen.
Adresse:
Schloss Ribbeck GmbH
Theodor-Fontane-Str. 10
14641 Nauen OT Ribbeck
Tel: 033 237/ 8590-0

Öffnungszeiten Schloss Ribbeck:


Täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Museum
Täglich von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Restaurant
Täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Eintrittspreise im Museum von Schloss Ribbeck:


Erwachsene 3,00 €, Ermäßigt 2,00 €
Kinder unter 12 Jahren haben freien Eintritt
Führungen ab 6 Personen 6,00 €, ermäßigt 5,00 €
Führungen ab 15 Personen 5,00 €
Dorfführung für Gruppen ab 6 Personen 7,00 €, ab 15 Personen 6,00 €


Das Dorf Ribbeck


1889 entstand das populäre Gedicht, das das Dörfchen Ribbeck im Landkreis Havelland mit seinen 330 Einwohnern, direkt an der Bundesstraße 5 Berlin-Hamburg
gelegen, weltbekannt machte. Es handelt vom Gutsbesitzer Hans Georg von Ribbeck (1689-1759). Der Mann entstammt einem altadeligen Geschlecht, das schon seit 1237 die Geschicke Ribbecks und anderer Orte bestimmte. Als leutselig und kinderfreundlich wird er beschrieben. Großzügig verteilte er sättigende Birnen an die Kossäten-Kinder, vermutlich Malvasierbirnen, die in Fontanes Texten immer mal wieder auftauchen. "Lütt Dirn, / Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn", wird er zitiert. Die Ballade übergeht allerdings, dass die Kinder einer Überlieferung zufolge dafür unentgeltlich auf seinen Feldern jäteten. Möglicherweise gibt es deshalb Fontanes Ballade auch als ein ins Schrille übersteigertes Lied, in dem der alte Ribbeck zudem als ein nach jungen Mädchen schielender Daddy verhohnepipelt wird. Bekannt ist eine liebenswürdigere Rap-Fassung mit rhythmischem Sprechgesang, die Fontane bestimmt gefallen hätte. Auch "Modernisierungen" des Textes wurden versucht: Bekanntlich fragt der flüsternde Birnbaum auf Ribbecks Grab ein vorbeigehendes Mädchen "Wiste 'ne Beer? (Birne)" Auf einer schalkhaften Postkarte heißt es: Das Angebot "war nicht angekommen, / Sie hatte den Walkman nicht abgenommen."

Seit 1999 nun ist Carl Friedrich von Ribbeck (geb. 1939) ansässig im Dorf. Er ist Urenkel des Birnenverteilers in siebenter Generation. Zwar will er die Zeit nicht zurückdrehen, jedoch die Vergangenheit als Erlebniswert für das Dorf erhalten. Dabei steht selbstredend die Birne im Mittelpunkt. Dieses Jahr soll die neu kultivierte Sorte "Birne des Herrn von Ribbeck" angeboten werden. Im kleinen Familienunternehmen in der wiederbelebten alten Brennerei produziert der Urenkel delikaten Schnaps und Essig. Und wo Ribbeck draufsteht, soll auch Birne drin sein. In dem roten Ziegelbau aus dem 19. Jahrhundert kann man Feste feiern und wird beherbergt. Am 9. August 2009 gab es bereits die 3. Ribbecker Sommernacht. Geboten wurden Klassik, Jazz, Artistik und Kleinkunst.

Schloss Ribbeck im Havelland


Zum Ambiente des nächtlichen Treibens gehört das berühmte Schloss der Herren von Ribbeck auf Ribbeck mit seinem schönen Walmdach.
Schloss Ribbeck
Schloss Ribbeck in Ribbeck im Havelland
Foto © Udo Kruse
Das Gebäude, das heute dem Landkreis gehört, wird aufwendig rekonstruiert. Derzeit erhält die Fassade neue Farbe. Ab 2009 sollen die alten Gemäuer für öffentliche Zwecke, Gastronomie und Verwaltung genutzt werden. Und der Birnbaum? Zwar wachsen heute in und um Ribbeck zahlreiche Birnbäume, der historische, von Fontane beschriebene fiel im Februar 1911 einem Orkan zum Opfer. Den Stumpf des Baumes, von dem die Legende erzählt, er sei aus einer mit beigesetzten Birne aus Ribbecks Sarg heraus gewachsen, kann man in einem Seitenraum der einschiffigen evangelischen Saalkirche bewundern, deren Lutherische Ausrichtung am Schwan in der Wetterfahne abzulesen ist. Da die Ribbecker auch mit dem 1911 neu gepflanzten Birnbaum kein Glück hatten, streckt seit einigen Jahren ein weiterer Nachfolger rechts neben der Kirchentür seine Zweige in die havelländische Luft - diesmal eine frostharte, stark wachsende "Kirchsaller Mostbirne" aus Baden-Württemberg (Foto oben).

Im Inneren des Gotteshauses kann man sich nicht nur seelisch rüsten. Im Vorraum, einer Art Gemeindezentrum, gibt es ordentlich was für den Bauch. Man trifft auf eine einzigartige Kombination der Pflege von Geist und Körper unter einem Kirchendach. Das Küsterehepaar und ABM-Kräfte bieten den Touristen Birnen- und anderen Kuchen zum Kaffee und einen Imbiss an. Es wird Marmelade, Schnaps, Likör und Essig verkauft - alles auf Birnenbasis hergestellt. Nur vor der Kirchentür ein überraschender Stilbruch. Dort liegen Kartoffel-Säckchen zum Mitnehmen bereit. Dazu muss ein Dorfschreiber noch die geeignete Ballade verfassen.

Verkehrsverbindung:
Auf der B5 aus Richtung Berlin ist Ribbeck der dritte Ort hinter Nauen.
Text: -wn- / Stand: 21.06.2014

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