Das Schloss Freienwalde: stressfrei, still und stilbewusst

Festung und Fluchtschloss - das waren aufgesuchte Zielorte der beiden Ehefrauen von Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), des "unbedeutendsten aller neun Preußenkönige" - so der Historiker Martin Sabrow. Die eine tat es strafhalber, die zweite aus Gründen der Selbsthilfe. Der Gatte, den man den "Dicken Lüderjahn" nannte, war vermutlich bereits in der Prinzenzeit am Frauen verschleißenden Donjuanismus erkrankt.

Blick auf das Schloss Freienwalde

Adresse:
Schloss Freienwalde
Rathenaustraße 3
16259 Bad Freienwalde
Besucherservice: 033 44/ 30 03 67

Öffnungszeiten vom Schloss Freienwalde:


April - Oktober Mittwochs - Sonntags, Feiertags 11:00 - 17:00 Uhr
November - März Mittwochs - Sonntags, Feiertags 11:00 - 1:00 Uhr

Eintrittspreise Schloss Freienwalde:


Erwachsene 4,00 €
Schüler, Azubis, Studenten, ALG I- und ALG II-Empfänger, Kurgäste, Schwerbehinderte, Wehr- und Zivildienstleistende 2,00 €

Geschichte des Schloss Freienwalde


Zwar hatte ihm sein Onkel und Vorgänger im Amt, der um Längen berühmtere Friedrich II., in seinen axiomatischen "Morgenstudien" ans Herz gelegt, zur Abhärtung
auch einmal auf Stroh zu schlafen, mit "Commisbrod" vorlieb zu nehmen und zumindest eine Weile "die Weiber zu verachten" - besonders letztere Vermahnung war im Falle des suchtgeilen Neffen vollends in den Wind geredet. Lüderjahn ging vor allem mit einer Günstlings- und Mätressenwirtschaft und einer grandiosen Staatsverschuldung in die Geschichte ein. Da ihm seine erste reguläre Ehefrau Elisabeth Christine Ulrike (1746-1840) im "Fremdgehen" nicht nachstand, wurde die lebenslustige Dame schließlich als Staatsgefangene in die Festung Küstrin verbracht, wo sie einige Zeit lebte. Auch während der zweiten Ehe mit Friederike Luise (1751-1805) ließ der Gatte nicht von seinen Affären ab, besonders nicht von den morganatischen (halboffiziellen Zweit)-Ehen. Deshalb suchte die Königin siebzehn Jahre lang jeweils im Sommer in Freienwalde einen Ausgleich zum royalen Beziehungsstress. Vom Architekten, Baumeister und Direktor der Berliner Bauakademie David Gilly ließ sie sich ein Schloss in die entrückte Landschaft des märkischen Oderlandes hinstellen, das nach Theodor Fontanes Eindruck in den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" "mehr den Charakter eines stattlichen, geschmackvoll aufgeführten Privathauses (hat) als den eines Schlosses". An anderer Stelle wird es als ein stilbewusst gebautes einstöckiges Landhaus preußisch-frühklassischer Prägung von fünf Fenstern Breite und vier Fenstern Tiefe geschildert. Nach Friederike Luises Tod geht die Stille allerdings in Erstarrung und Leere über. Gelegentlich nehmen im 19. Jahrhundert Jagdgesellschaften Quartier, berichtet Fontane. Aber "eh der Tag graut, ist das Schloss wieder leer. Nur halbverwehte Schlittengeleise und lange Streifen, die die Spitze der Parforcepeitsche durch den Schnee zog, zeigen noch den Weg, den die Gäste auf ihrer Weiterfahrt genommen. Und das Schloß liegt stiller da wie zuvor". Um die Jahrhundertmitte hatte der König - es ist mittlerweile der als Romantiker geltende Friedrich Wilhelm IV. - wenig Muse, sich in Freienwalde zu ergehen. 1848 herrscht Bambule in Berlin - die Revolution bricht aus.

1909 kommt auch Bewegung in die Freienwalder offene Vermögensfrage. Für 262 500 Mark kauft der Berliner Unternehmer und spätere deutsche Außenminister Walther Rathenau (1867-1922) die heruntergekommene Immobilie mit Nebengebäuden, Park und Inventar und lässt - bis auf einen hinzugefügten, von dorischen Säulen getragenen Altan mit Ausblick auf das Oderbruch - alles in den Urzustand versetzen. Übrigens: Der 20. Jahrestag der wiedererlangten deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 erweist sich als ein Datum, das stark an den deutschen Friedenspolitiker Walther Rathenau erinnert. An diesem Tag überwies das "Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen" in Berlin-Weißensee die letzte Rate in Höhe von 75 Millionen Euro an amerikanische Geldgeber, womit Deutschlands Kriegsschuld aus der Zeit des Ersten Weltkrieges (1914-1918) endgültig getilgt ist. Als Außenminister von Februar bis Juni 1922 hatte sich Rathenau gesprächsbereit darüber gezeigt, wie Deutschland die ihm im Friedensschluss von Versailles auferlegten Reparationen abtragen kann. Sein oberstes Ziel war es, dass das Land nach der Kriegskatastrophe bald wieder in die Gemeinschaft der europäischen Staaten zurückfindet. Das trug ihm den Vorwurf ein, er betreibe gegenüber den ehemaligen Kriegsgegnern eine "Erfüllungspolitik". Bald tauchte der erste Mordaufruf auf: "Schlagt tot den Walther Rathenau, die gottverdammte Judensau!" Am 24. Juni 1922, gegen 11 Uhr, wird er auf dem Weg von seinem Haus in der Königsallee 65 zum Auswärtigen Amt von dem 23jährigen Jurastudent und ehemaligen Marineoffizier Erwin Kern und dem 26jährigen Maschinenbauingenieur Hermann Fischer mit einer Handgranate und mehreren Schüssen aus einer Maschinenpistole ermordet. Die Täter gehören der nationalistischen Terrorvereinigung Organisation Consul an.

Das nun herrenlos gewordene Freienwalder Schloss verwaist aber nicht. Wie von Rathenau verfügt, schenken die Erben Schloss und Park dem damaligen Landkreis Oberbarnim - mit der Maßgabe,das Anwesen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Während der Nazidiktatur werden dem Palais allerdings alle Gegenstände entnommen, die auf den Juden Walther Rathenau hinweisen, nach 1945 verschwinden alle beweglichen Verweise auf die Hohenzollern. Heute muss das Haus zwar ohne manchen Gegenstand der früheren Einrichtung auskommen, aber nach einer detailgetreuen Rekonstruktion vermittelt es dennoch viel vom Flair der stillen alten Tage. So kann man das Schloss als die Außenstation eines sensitiven Mannes erleben, bei dem sich Weitblick, politischer Gestaltungswille und patriotische Verantwortung vereinten. In einer dem Nachdenken verpflichteten Ruhe verfasste er hier viele seiner Schriften. War er doch ein gern gelesener Autor, der - wenn auch vergeblich - mit großem Ernst vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges gewarnt hatte. 1919 erkennt er im Essay "Der wahre Grund politischer Fehler" ahnungsvoll die Notwendigkeit plebiszitärer Elemente im bürgerlich-demokratischen System: "Nirgends in der Welt ist der inoffizielle Einfluss der Parlamentarier so groß wie bei uns. Und hier tritt natürlich wieder die Verwechslung ein, dass man diesen Zustand für demokratisch hält, der es wäre, wenn nicht Personen und Gruppen, sondern Volkskräfte wirkten." Dass Deutschland zurzeit an jeder seiner Grenzen nur Freunde hat und in der Welt überwiegend geachtet ist, war eine der mutigen Visionen des deutschen jüdischen Patrioten Walther Rathenau. Auch seine Utopie von einer Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Sozialismus ist keineswegs aus der Welt. Deshalb ist das Schloss Bad Freienwalde ein erstrangiger, zum Nachdenken anregender Erinnerungsort.

Wie man nach Bad Freienwalde kommt:
Die Stadt erreicht man von Berlin aus am besten über die Bundesstraße B158.
Die Rathenau-Gedenkstätte befindet sich im ersten Stock.
Text und Foto: -wn- / Stand: 11.06.2014


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