Das Schloss Steinhöfel: Wo Literatur auf Strapaze trifft

Ausflüge ins Grüne mit Picknicks und Gastereien waren die "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" des Theodor Fontane (1819-1898) kaum.
Sandstein-Sphinx am Schloss Steinhöfel
Sandstein-Sphinx am Eingang des Schlossparks
von Steinhöfel - Foto © -wn-
Für den Schriftsteller und Journalisten, der zu seinen Erkundungen zwischen 1862 und 1889 auszog, waren diese Touren, wenn schon überwiegend keine Fußmärsche, so doch Landfahrten für schüttelfeste Fahrgenossen. Die Distanzen überwand man bei Hitze und Frost in nicht temperierten Postkutschen, Mietfuhrwerken oder anderen Gespannen. Die aufgeschriebenen "Wanderungen" sind mithin auch das Ergebnis beschwerlicher Ermittlungen. "Es geht mir ganz gut - aber ich bin doch sehr hin" schreibt der 43jährige im September 1862 in einem Brief (da hat er noch 27 Wanderjahre vor sich), "und diese Strapazen, so ungern ich es auch einräume, übersteigen meine Kräfte.
Es … ist doch eine riesige Arbeit. Schlösser, Kirchen, Kirchhöfe, Inschriften, Grabinschriften, Bilder, Statuen, Parks, Grafen, Kutscher, Haushälterinnen … alles das und hundert anderes dazu tanzt mir hurly burly (turbulent) im Kopf herum, dazu die Landschaftsbilder, die alle beschrieben werden müssen, dazu gestern die Strapaze des Marschierens und Bergeklettern und nun schließlich ein verdorbener Magen - das halte aus, wer will." In den fünf Bänden der "Wanderungen" beschreibt er teils verschollene Gemälde in allen Einzelheiten, gibt Gespräche mit Mitreisenden und Gewährsleuten wieder. Er exzerpiert Bücher, fertigt Skizzen von Örtlichkeiten an und sieht sich intensiv um. Sein Handwerkzeug? Ein Stift, eines seiner kleinformatigen Reisetagebücher und - wie er es nannte - "eine feinere Art von Natur- und Landschaftssinn".
Fontane ist fair genug, auch hilfreiche märkische Gastwirte nicht unerwähnt zu lassen.
Und da, wo sich der Herbergsvater wenig kooperativ zeigte, deutet er es zumindest an. Eher augenzwinkernd schreibt er über solche Typen: "Wenn sie einem eine Tasse Kaffee präsentieren, so rechnen sie sich's an, nicht dem, der den Mut hat, diesen Kaffee zu trinken." Fontane lamentierte nicht - selbst wenn seine Unterbringung äußerst unkomfortabel ist und er auf zusammengestellten Stühlen in Schankräumen überfüllter Herbergen nächtigen muss.
Bekommt er ein Bett, so schläft er nicht selten in benutzter Bettwäsche und muss den Nachttopf mit den Hinterlassenschaften des Vorgängers erst einmal leeren. Auch hier ist er ganz märkischer Hugenotte: Cést la vie…

Als er für den Band "Das Oderland" Stoff sammelt und im Mai1862 den Flecken Steinhöfel entdeckt, hat er ein bequemes Bett bei "Mama Triepke", der in Beeskow lebenden Schwiegermutter.
Dafür aber ist die Recherche nicht ergiebig. An seine Frau Emilie schreibt er am 3. Mai aus Steinhöfel, es sei fraglich, "ob ich viel Ausbeute finden werde; an Monumenten und Bildern ist wenig da - es wird also noch von den historischen Notizen abhängen". Im Endmanuskript vermerkt er: "Steinhöfel ist ein schönes und reizend gelegenes Gut. Es liegt an der Stelle, wo der breite Sandgürtel, der sich nördlich von Fürstenwalde hinzieht, in ein frischeres und fruchtbareres Terrain übergeht." Das Schloss, das zu den schönsten märkischen Adelssitzen zählt, bietet heute Übernachtungen an - im Marketing-Slang Wochenendarrangements,
Schloss Steinhöfel
Schloss Steinhöfel von der Parkseite aus gesehen,
eine Winteraufnahme Foto © -wn-
Rosenträume und Verwöhnwochenenden genannt - und auch Eheschließungen. Zum Service gehört im Sommer, dass der Gast vom Gesang einer stimmstarken Nachtigall in den Schlaf gesungen und sein Erwachen vom zurückhaltenden Zwitschern der Mehlschwalben begleitet wird. Hat man ein Zimmer mit Blick auf den englischen Park, sieht man einen reizvollen Wechsel von Wiesenflächen, kleinen Gewässern und Baumgruppen.
Urnenstätten, Tempelchen und Hütten weisen darauf hin, dass hier auch die Maßgaben der deutschen Romantik gelten. Das Haus bietet also eine gediegene Herberge. Und es hätte auch den märkischen Reporter mit seinem genauen Wahrnehmungsmuster nachdenklich gemacht, dass ein und demselben Quartier unterschiedlichste Beurteilungen zuteil werden - was freilich für die Relativität menschlicher Wahrnehmung spricht. Während eines der Internet-Voten lautet: "Die Location ist grandios! Der Park ist traumhaft und lädt zwischen Mahlzeiten immer wieder zum spazieren gehen ein …", findet ein anderer Gast das Ganze "sehr empfehlenswert, aber doch etwas abgelegen". Andere wieder sehen im entlegenen Standort einen Vorteil:"Seit April 2007 geben wir regelmäßig Seminare für Bewusstseinstraining im wunderschönen Schloss Steinhöfel. Das Haus ist, abseits der Großstadt, eingebettet in einem der schönsten Parks Brandenburgs. Dort können wir ungestört arbeiten, geschützt von den ‚Guten Geistern' des Hauses." Ein weiterer Eintrag attackiert den Wirt: "Sein unqualifizierter, beleidigender und pöbelnder Umgang mit den Gästen lässt ihn eher in einer Baubrigade denn in einem Vier-Sterne Hotel vermuten. Da kommt einem das Einschenken des Sektes mit der Zigarette im Mund schon fast normal vor. - Was (aber) bleibt, ist ein wunderschöner romantischer Ort, eine wunderschöne Braut und eine tolle Feier." Wieder anders herum: "Die Party war ein rauschendes Fest, mit allem was dazu gehört. Das Personal war einsame Spitze, super nett, hilfsbereit und ich hatte immer ein volles Glas, ohne dass ich was sagen musste. Perfekt!!! Das Besitzerpärchen auch suuuper nett, immer zu einem Plausch und Spaß aufgelegt und ist auf alle Extrawünsche der Braut eingegangen." Nächste Negation: "Nicht immer ist ‚Berliner Schnauze' angebracht und man erwartet diese in einer Imbissbude, aber nicht in einem Schloss. Küche ebenfalls auf Imbissbudenniveau: Buletten top, Beef Stroganoff ungenießbar. Dazu Chaos im Service und ruppigster Kasernenton aus der Küche im Untergeschoss." Ein Hochzeitspaar teilt mit: "Wir haben dort zwei Nächte geschlafen, am Morgen wachte ich mit Sonnenstrahlen im Gesicht und einem Kuckuck im Hintergrund auf und dann noch dieses himmlische Bett, es war wie in einem Kitschroman, einfach traumhaft."

Die Geschichte vom Schloss Steinhöfel:


Dass die Gemarkung Steinhöfel bereits im 18. Jahrhundert ein Areal erhabener Ruhe ist, mag im Jahre 1730 den Cottbuser Hochschullehrer und Gelegenheitsdichter Andreas Albertus Fritz bewogen haben, in einem Hochzeitsgedicht paradiesische Zustände mit denen einer Ehe zu vergleichen.
Zu diesem Zeitpunkt gab es in Steinhöfel bereits den heutigen Hauptbau des Schlosses. Darin war die dritte Tochter des königlichen Oberst-Leutnants Balthasar Dietloff von Wulff, Wilhelmina (1714-?), aufgewachsen. Am 22. November 1730 heiratet die 16jährige märkische Kindfrau in Steinhöfel den 31jährigen Offizier Friedrich Julius von Schwerin (1699-1747), einen auf "Lange Kerls" spezialisierten Casting-Spezialisten. Im Auftrag des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) treibt er sich in ganz Europa herum und ködert die Geworbenen mit anständigen Summen. In Frankfurt bekommt ein gesuchter Flügelmann 700 Reichsgulden Auslöse. "1734 war er in Croatien an der Ungarischen Grenze und warb drei schöne Kerls im ersten Gliede an, welche über 1000 Thaler kosteten", berichtet die Chronik. Ob nun die Ehe mit Wilhelmina elysische Zustände eröffnete - darüber weiß Fontane nichts Sicheres zu berichten. Wahrscheinlich hat er die 1730 in Cottbus erschienene Druckschrift von Andreas Albertus Fritz "Das Paradies des Ehestandes" nicht zur Hand. Mit einer deutlichen Huldigung des Brautvaters, der den Autor für seine etwas schwülstige Eloge bezahlt, reimt dieser in der Schrift: "Steinhoeffel weiß ja wohl von solchem Paradiese, / Und wann ich auch nur auf Wulffens Bey-Spiel wiese; / Geh dem Exempel nach, es öffnet Dir das Thor (zu guter Ehe) … Ja must Du auch einmal in jenes Eden scheiden (sterben), / So wird man doch hernach bey jeder Hochzeit schreyn; / Ihr sollt wie der Schwerin und Wilhelmingen seyn." Man weiß, dass Friedrich Julius von Schwerin im zehnten Ehejahr eine berufliche Zäsur überstehen musste. Unter dem ab 1740 regierenden Friedrich II. (1712-1786) gibt es keine Soldaten-Riesen mehr - dafür Kriege nicht zu knapp. Wir finden von Schwerin deshalb im ersten und im zweiten Schlesischen Krieg (1740, 1744) in höheren Positionen. Zuletzt taucht er auf als Kommandant von Neisse (Nysa) in Oberschlesien, wo er am 11. Mai 1747, kurz vor Vollendung seines 48. Lebensjahres, aus unbekanntem Grunde stirbt. Die gläubige Witwe sieht ihn fortan durch die Areale des himmlischen Paradieses streifen. Andere nicht, sie hielten sich an das Seneca-Leitwort Friedrichs II. "Post mortem nihil est" (Nach dem Tod ist nichts). In Friedrichs an rettenden Zufällen reichen Leben wäre dieser Ernstfall fast eingetreten. Mit hohen Offizieren im Siebenjährigen Krieg sitzt er am 10. August 1759 im Park von Steinhöfel zusammen. (Inzwischen war das Anwesen in den Besitz des preußischen Kammerpräsidenten Joachim Ewald von Massow übergegangen.) Bald wäre das Mahl unter einer frei stehenden Stieleiche zur Henkersmahlzeit geworden. Die Schlacht im Kuhgrund bei Kunersdorf (Kunowice) am heißen 12. August endet mit einer schmählichen preußischen Niederlage. In letzter Minute und schon in nächster Nähe russischer Kosaken schleppen Offiziere den konsternierten König vom Schlachtfeld und bringen ihn ins nahe Fürstenwalde. Ein goldenes Etui in der Brusttasche, heißt es, habe eine feindliche Flintenkugel daran gehindert, Friedrich ins Herz zu treffen. Völlig entmutigt schreibt er an den vertrauten Kabinettsminister Karl Wilhelm Graf Finck von Finckenstein (1714-1800), der im Falle seines Todes die Regierung hätte übernehmen sollen: "Das ist ein grausamer Umschlag, und ich werde es nicht überleben; die Folgen dieses Ereignisses werden noch schlimmer sein als dieses selbst. Ich habe keine Hilfsmittel mehr, und, um nicht zu lügen, ich glaube, dass alles verloren ist; ich werde den Untergang meines Vaterlandes nicht überleben. Adieu für immer!" Überraschenderweise zogen sich die österreichischen und russischen Truppen zurück, ohne den Sieg zu komplettieren. Friedrich erfährt später, dass er zwar ein Nicht-Sieger, aber nur ein Beinahe-Verlierer ist.

Das Steinhöfeler Schloss ist auch mit seinen frühen Dichtversuchen verbunden.
Nicht nur seine Randbemerkungen auf schriftliche Anfragen und Gesuchen an ihn sind heute literarische Kostbarkeiten.
Fontanes professioneller Recherche verdanken wir die Wiedergabe des Entwurfes eines gereimten Briefes von Friedrichs Hand vom 8. August 1739.
Schloss-Bibliothek
Die ehemalige Schloss-Bibliothek, in der man heute
heiraten kann / Foto © -wn-
Unter den Kuriositäten in der neben dem Schloss gelegenen Bibliothek entdeckt Fontane einen "einfachen Bilderrahmen, der statt eines Bildes ein vergilbtes Quartblatt Papier umfasst". Das beidseitig beschriebene Blatt enthält die Disposition eines schmeichelnden Briefes an den späteren Potsdamer bzw. Berliner Langzeitgast und französischen Schriftsteller François Marie Arouet Voltaire (1694-1778), mit dem er bereits seit drei Jahren korrespondiert. Einen "reizenden Freund" nennt Friedrich den Franzosen, der über eine "unerschöpfliche Quelle" an dichterischen Ideen verfüge. Fast könnte man meinen, Friedrich habe diesen auf Französisch geschriebenen Brief nach den Regeln des Brainstormings abgefasst. Zunächst stellt er brauchbar erscheinende Begriffe zu Reimwortkolonnen zusammen und versucht, einigen daraus gebildeten Reimwortpaaren sinngebende Aussagen zuzuordnen, damit überhaupt eine Mitteilung zustande kommt. Für Fontane ergibt sich, "dass der Kronprinz in vielen Fällen nicht eine Hülle für den Gedanken, sondern einen Gedanken für die Hülle suchte". Wohin der Briefentwurf geriet, ist unbekannt. Fontane schließt seinen Steinhöfeler Bericht mit den Worten: "Wir haben diesem umrahmten Quartblatt Papier wieder seinen Ehrenplatz an der Längswand des Bibliothekszimmers gegeben und treten nun aus dem kühlen schattigen Raum in den sonnbeschienenen Park hinaus… / Ein seltsam Klingen und Tönen zieht durch die Luft, Jetzt ist die Zeit, wo tief im Schilf ein Wimmern / Den Fischer weckt … / aber eh noch das Klingen ein bestimmter Klang geworden, fällt die Kirchglocke mit ihren zwölf Mittagsschlägen ein, der Mittagsspuk verfliegt und nur der Zauber der Schönheit und der Stille bleibt."

Verkehrshinweis:
Von Berlin aus benutzt man die Bundesstraße B1/B5 und biegt bei Müncheberg auf die fortgeführte B5 ein.
Ab der Gemeinde Heinersdorf benutzt man die Landstraße L36 nach Steinhöfel, wo man nach rund sieben Kilometern eintrifft. Das Schloss hat die Internetadresse www.schloss-steinhoefel.de, unter der man weitere Informationen erhält.
Text: –wn-

Adresse:
Schloss Steinhöfel Hotel GmbH
Schloßweg 4
15518 Steinhöfel
Tel: 033 636/ 27 70




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