Zisterzienserkloster Zinna

Kloster Zinna
Blick auf das ehemalige Siechenhaus (links) und das Abthaus des Klosters Zinna (hinten), in dem sich heute das Klostermuseum befindet.
Foto: © -wn-

Das Zisterzienserkloster Zinna ist eine beliebte Sehenswürdigkeit in Jüterbog. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen wie die Adresse und Öffnungszeiten sowie einige interessante Fakten:

Die wichtigsten Informationen über das Kloster Zinna in Jüterbog

Das Kloster Zinna: Bete und arbeite - Bete und verdiene

Was haben Johann Sebastian Bachs beseelte Violinsonaten, Leonardo da Vincis florentinische Dame Mona Lisa mit dem zarten Augenlächeln und Joseph von Eichendorffs klagendes Liebeslied "In einem kühlen Grunde" gemeinsam? Alle drei sind zeitlos schön. Unvorstellbar, dass sie einmal dem Desinteresse der Menschheit anheimfallen könnten. Zu diesen drei Wundern mit Bestandsgarantie zählen - neben vielen anderen in Europas Kulturgeschichte - die gotischen Klosterbauten aus dem 12. Jahrhundert und aus späterer Zeit. Im Brandenburgischen nahe Jüterbog steht das zisterziensische Kloster Zinna, in dessen Mauern sich - zumindest eine Zeit lang - der Leitspruch Ora et labora (bete und arbeite) sinnfällig entfaltete. Die vom Magdeburger Erzbischoff Wichmann von Seeburg-Querfurt (1116-1192) zum Besiedeln einer wüsten Gegend gestiftete Zisterze existierte 383 Jahre (1170-1553). Sie entwickelte sich auf einer laut Chronik "nach allen Himmelsgegenden abgegränzten Flur" zu einem straff geführten Wirtschaftsbetrieb mit mehreren weltlichen Verantwortungsbereichen und gestaffelten Entgelten. Obwohl es erwiesen ist, dass Glaube keine Berge versetzt, ist es offenkundig, dass das Kloster Zinna eine landwirtschaftliche Produktion in bisher unbekanntem Ausmaß, eine Zinswirtschaft sowie Handel und Wandel ins Leben rief, die die Wirtschaft der Umgegend in Bewegung brachte. Das war auch dem Privatgelehrten Karl Marx (1818-1883) aufgefallen, weshalb er im "Kapital" die kreative Rührigkeit der Zisterzienser abseits von Kruzifix und Kanzel hervorhebt: "Im Mittelalter finden wir die Buchführung für Agrikultur nur in den Klöstern." Mit dem Buchhalter verhielte es sich im Grundsatz wie mit dem Buchhalter des Kapitalisten.

Und es zeigte sich, dass hinter heiligen Mauern nicht nur religiöse Ekstase, Selbstkasteiung und Aberglaube herrschten, sondern auch eine Bereitschaft zutage trat, harte, zielorientierte Arbeit zu leisten - so wie es die jüdisch-christliche Bibel den Knechten Gottes aufgibt, nämlich "immer um sein praktisches Werk besorgt (zu) sein und sein bestimmtes Maß an Arbeit (zu) tun". (Jesus Sirach 38,29) Die Zinnaer Äbte, Mönche und ihr Laienpersonal versuchten deshalb nach der Devise Demut, Armut und Einfachheit zu leben. Als sittlich verwerflich galt Zeitverlust infolge "faulen Geredes" schon gar Anflüge von Luxus; und auch der Nachtschlaf war limitiert und durfte höchstens sechs Stunden betragen. Die in Klöstern nicht unübliche, untätige Kontemplation war dann verwerflich, wenn man sie in die Arbeitszeit ausdehnte. Denn das tägliche Tätigsein wurde als Vollstreckung eines Gotteswillens betrachtet. Auch der Soziologe Norbert Elias (1897-1990) weist in seinem Buch "Über der Prozess der Zivilisation" auf die (anfänglich) drakonischen Gebräuche des Mönchslebens hin: Es habe z.T. sogar ein "asketischer Verzicht auf Fleischnahrung (vorgeherrscht), also Verzicht mehr oder weniger aus Selbstzwang, nicht aus Mangel, und oft (eine) radikale Geringschätzung oder Einschränkung des Essens."

Der Kellner war kein Servierer, sondern Kellermeister

Die Struktur der Klosterökonomie und die Aufgabenverteilung neben den religiösen Verrichtungen waren genau festgelegt. Es gab z.B. einen mönchischen Kellner. Er war, anders der heutige Servierer, tatsächlich für den Keller und dort vor allem für das gelagerte Bier und den Wein verantwortlich. Dass im Klosterkeller sein Bett stand, lässt auf eine zusätzliche Wachmann-Funktion schließen. Neben dem Müller und dem Chef des betrieblichen Bauwesens gab es den Backmeister, der jede Woche 30 Scheffel (ca. 16 Zentner) Roggen vermahlen ließ und zu Brot und Gebäck verbuk. Zuständig war er auch für das Bierbrauen. Alle 14 Tage braute er den Gerstensaft in unterschiedlicher Qualität, den würzigeren und stärkeren für Abt und Mönche, das weniger starke Bier fürs Gesinde. Der Schuster verarbeitete die Häute des Schlachtviehs zu Schuhen. Der Vogt übte die Gerichtsbarkeit im Kloster aus und trieb Schulden ein. Einer der Berichte erwähnt die Pflicht der neuen Ansiedler in den Dörfern, im Kloster Pfeffer abzugeben. Es heißt, es handele sich bei den Abgaben um ein Mittel, "welches den Mönchen zur angenehmen Magenerwärmung höchst nöthig erschien".

Einer der Jüterboger Bürgermeister und Chronist Carl Christian Heffter (1781 bis 1853), gibt eine Vorstellung davon, wie sich das wirtschaftliche Handeln der Zisterzienser im Namen Gottes entwickelte. Der wachsende Reichtum rührte zu einem großen Teil aus dem Verpachten großer - geschenkter oder erworbener - landwirtschaftlicher Anbauflächen und aus Steuern her, die die Bauern in den ringsum aufgekauften Dörfern entrichten mussten. Er berichtet, dass die - hört, hört !- "gewinnsüchtigen Mönche" des Klosters Zinna ihre "Polipenarme" auch nach entfernteren Gütern und Dörfern ausgestreckt hätten, um diese zu erwerben. Dabei machten sie sich nicht nur Dörfer untertan, sondern sie gründeten z.B. 1241 selbst das Dorf Grunow (Gemeinde im Landkreis Märkisch-Oderland), das damals "Closterdorp" hieß. Heffter schreibt, die Mönche hätten es "selbst mit eigenen Kosten und Händen" gebaut und "thaten dann die Aecker an Bauern auf Pacht aus". Das Geldverdienen ohne einen Finger krumm zu machen, nahm unter den Klosterbrüdern seinen Lauf.

Der Mühlstein kam zu neuen Ehren. In alten Büchern wird er als Instrument geschildert, das beim Vollstrecken von Todesurteilen zum Einsatz kam, indem man den Stein dem Delinquenten über den Kopf stülpte, um ihn so beschwert zu ersäufen. Zu anderen Zeiten wird dem Stein die übliche segensreiche Bedeutung zugesprochen, und er war deshalb von abweichender Verwendung ausgenommen. So gibt es in der Bibel die Warnung, bei einer Pfändung oder Enteignung "dürfen es nicht Mühlsteine sein, mit denen ja das Korn zum Brotbacken gemahlen wird. Denn dann würdet ihr das Lebensnotwendige, ja das Leben selbst zum Pfande nehmen" (5. Buch Mose, 24,6). So erkannten die Zinnaer Mönche bald, dass man auch mit Wasserkraft und Mühlenwerk Profit machen kann. Heffter schreibt: "Wo Wasserkräfte vorhanden waren, legten diese rührigen Mönche Mühlenwerke an, ließen sie von den Halbmönchen (Laien ohne Gelübde) betreiben und gewannen so immer neue Reichthümer ..., ungleich mehr, als die Mühlenherren zu Jüterbock." In der Stadt Brizen (heute Treuenbrietzen) bildeten die Klosterleute geradezu einen Mühlen-Trust. Nach ihrem Versprechen, im Ort für Ruhe und Sicherheit zu sorgen, erwarben die Mönche das alleinige Recht (Mühlengerechtigkeit), in und um Brizen Mühlen zu errichten und zu betreiben.

Das Kloster besaß ein eigenes Hochgericht

Selbst aus der Justizpraxis wusste man wirtschaftliche Vorteile zu schlagen. Auf dem Galgenberg an der Grenze zu Jüterbog betrieb das Kloster ein eigenes Hochgericht, einen Galgen. Um 1400 beklagte sich z.B. ein Graf von Ruppin, dass die Mönche einen Ruppiner Bürger totschlugen und anschließend aus Einnahmegründen die Leiche noch hängten. Der märkische Chronist Peter Haftiz (1525-1600) vermerkt, "dass im Zinnaer Klosterland bei jeder Hinrichtung nach altem Herkommen jeder Hüfner (landlose Bauern, der Pachtland bearbeitete) dem Klostervogt ein Ei, jeder Kossäth (vom Grundherren abhängiger Bauer) sechs Pfennige habe entrichten müssen". Diese Abgaben hatten sich aus der früher gewährten Beköstigung der Scharfrichter entwickelt. Haftiz gibt an, dass man, um diese "Henkersteuer" aus den 28 vom Kloster abhängigen Dörfern beziehen zu können, "möglichst oft hingerichtet" habe.

Eine exzellente Einnahmequelle sprudelte auf dem Golmberg zwischen Jüterbog und Baruth, der höchsten Erhebung des Niederen Fläming. 1433 erbauten die Zinnaer Gottesknechte dort eine päpstlich autorisierte Marienkapelle, in der - wie es heißt - "der Ablasskram" verhökert wurde. Abgestellte Mönche wohnten auf dem Berg, um den Ablass vor Ort populär zu machen und die Gläubigen an einer Sündenvergebung gegen ein als Spende verschleiertes Entgelt zu interessieren. Nach dem Ablass begann ein Markttreiben, das, wie der Jüterboger praktische Arzt und Hobbyhistoriker Johann Carl Brandt schreibt, "mit allerhand Lustbarkeiten und Vergnügen begleitet wurde". Doch an einem Tag sei die Lust durch ein Mirakel gewaltig gestört worden. "Als man nach der Spende des Ablasses und der Messe fröhlich und guter Dinge gewesen, aus läppischer Andacht um das Kalb Moses weidlich getanzt, erhob sie sich solches Unwetter, dass der Blitz dicht neben den Füßen eines Tänzers in die Erde einschlug." Keine Wetterunbilden scheint es an den Palmsonntagen in der Karwoche gegeben zu haben. Vor diesem Tag stiftete das Kloster für die außerhalb seiner Mauer lebenden Armen acht bis zehn Wispel (mehrere Kubikmeter) Roggen, die gemahlen und verbacken wurden. Außerdem wurden zwei Tonnen mit Heringen gestiftet.

Und so begann das 15. Jahrhundert, in dem in der Abtei zunächst unmerklich, dann doch sichtbar eine kollektive Verantwortungslosigkeit um sich griff. Der Wille zum innovativen Geldverdienen ließ nach. "Seit etwa 1400 hörten die bisher so regsamen Mönche im neuen Wohlstand auf, noch fleißig zu sein; sie wurden, gleich den anderen älteren Mönchsorten, faule Bäuche und schlossen sich den weltlichen höheren Ständen an, um nun vereint mit diesen die niederen Stände, aus welchen sie doch hervorgegangen waren, möglichst auszubeuten" schreibt Carl Christian Heffter. Die gesellschaftliche Abwärtsbewegung beschreibt er mit den Worten: "Man erkennt, ... dass das frühere brüderliche Zusammenleben und Zusammenwirken sich schon sehr in ungleiche Theilung der Geschäfte und Einkünfte zersetzt hatte, wonach jeder nur noch möglichst für sich selbst sorgte. ... Neue, oft unredlich erworbene Einkünfte kamen fast nur noch den Oberen zu Gut, den gewöhnlichen Mönchen wurden davon bloss kleine Abschnitzel zugeworfen." Ein anderer Autor spricht von der traditionellen Betriebsamkeit der Mönche im Licht von Ora et labora, "die zuletzt in Hab- und Herrschsucht überging: aber eben dadurch den Grund zur Kultur (gemeint ist Unkultur) für spätere Zeiten legte".

Die Reformation bewirkte die Schließung der Abtei

Hauptgrund des Niederganges war aber die von Martin Luther (1483-1546) in Gang gesetzte Reformation. Der Magdeburger Erzbischof Albrecht Kardinal von Brandenburg (1490-1545) versuchte vergeblich, aus der ehemals größten und mächtigsten ostelbischen Abtei Zinna eine Bastion des katholischen Glaubens zu machen. Zu spät, es gab dort bereits eine reformationsfreundliche Mehrheit unter den Kuttenträgern, die 1537 den Lutheraner Heinrich Greve zum Abt wählten. Er wurde zwei Jahre später verhaftet und verschwand. Der Erzbischof entzog dem Kloster nun die Chroniken, Urkunden und Kleinodien. 1553 verließ der letzte Abt das Kloster. Zwölf Mönche befanden sich noch in der Abtei. Sie waren außerstande, den bereits schwer gestörten Wirtschaftsbetrieb aufrecht zu erhalten.

Was blieb, sind große Teile der Anlage mit eigenwilliger Architektur. Allein die Außenwände unterscheiden sich mit ihren großen Fenstern von den vorausgegangenen romanischen Monumentalbauwerken. Die tragenden Elemente wurden weitgehend in den Außenbau verlagert. Viele geometrische Formen und filigran gearbeitetes Maßwerk in den Spitzbögen der Fenster fallen ins Auge. Der Kunsthistoriker Karl Schnaase (1798-1875) würdigt die Bauhütten genannten mobilen Maurer-Kolonnen, die einen hohen Anteil an der Ausbildung der klösterlichen Architektur haben. Er sei die Zeit gewesen, "als man baulich die Masse (monumentale Bauten) überwand, in hohem Bogen die Gewölberippen, kunstgemäß ausgekehlt (negative Ausrundung von Kanten) verwendete, auch als Fiale (Türmchen) und Maßwerk, als Kapitell und Portal und Ziergiebel". In seinem Aufsatz "Die Zisterzienser in der Mark" bemerkt Theodor Fontane (1819-1898), die Klostergründer seien "mit der ganzen Unbefangenheit des Mittelalters (vorgegangen), das bekanntlich immer baute, wie ihm gerade ums Herz war, und keine Rücksichtnahme auf den Baustil zurückliegender Epochen kannte". Wer heute in Zinna vor der Abtei und dem Siechenhaus steht, erkennt die schlichte Formenvielfalt der zisterziensischen Architektur. Die Zisterzienser lehnten, wenn schon nicht Architektur insgesamt, so doch Kunst an ihr ab. In der Reihe der auf sie folgenden Stilrichtungen Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus und Romantik hat einzig die Gotik einen Stil ohne Pracht entwickelt. Trotz Einfachheit ist sie wirkmächtig und macht staunen seit Jahrhunderten.
Text: -wn- / Stand: 10.05.2018

Adresse vom Kloster Zinna
Kloster Zinna
Am Kloster 6
14913 Jüterbog OT Kloster Zinna
Telefon: 033 72/ 43 95 05

Öffnungszeiten vom Kloster Zinna

Öffnungszeiten vom Museum
Dienstag bis Sonntag, Feiertags von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Öffnungszeiten der Klosterkirche
Im Sommer täglich 11:00 Uhr - 16:00 Uhr

Öffnungszeiten vom Webhaus
Dienstag bis Sonntag 10:00 Uhr - 19:00 Uhr

Eintrittspreise des Klostermuseum

Erwachsene 8,25 Euro
Ermäßigt 5,75 Euro (Azubis, Studenten, Arbeitslose, Schwerbehinderte)
Schüler 2,00 Euro
Führung 25,00 Euro (max. 50 Personen)
Gruppenermäßigung ab 10 Personen, 6,75 Euro pro Person

Die Eintrittskarte ist gültig für das Klostermuseum, die Kräuteressenzherstellung inkl. einer Kostprobe vom "Zinnaer Klosterbruder", ein Likör, der nach Herstellerangaben aus 26 Kräutern hergestellt wird, sowie für die Weberei im Zollhaus.

Touristische Informationen

Das Kloster und das Museum liegen direkt an der Bundestraße B101 etwa 10 Kilometer südlich der Stadt Luckenwalde.

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