Buddhistisches Haus in Berlin Frohnau

Text: -wn- (Journalist aus Berlin) / Letzte Aktualisierung: 17.02.2021

Das Buddhistische Haus in Berlin Frohnau
Blick vom Frohnauer Edelhofdamm auf den vorderen Gebäudeteil des Buddhistischen Hauses - Foto: © -wn-

Das buddhistische Haus in Frohnau ist eine buddhistische Tempelanlage. Sie gilt als älteste in Europa. Erbaut wurde das Gebäude im Jahre 1924. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über die Geschichte des buddhistischen Hauses in Berlin:

Das Buddhistische Haus auf dem Berlin-Frohnauer "Zauberberg"

Wo der Berlin-Frohnauer Edelhofdamm und die Enrichner Straße aufeinander treffen, kommt einem (mit etwas Phantasie) der Jahrhundert-Roman "Der Zauberberg" von Thomas Mann (1875-1955) in den Sinn. Auch wenn man es gar nicht will - mit einer keineswegs esoterischen, jedoch bemüßigten Kraft hebt sich der Blick. Denn auf der einen Seite des schmalen Dammes überrascht plötzlich ein Berg - zutreffender ein mit lockerem Bestand aus Buchen, Kiefern und Birken bewaldeter - aber doch ziemlich aufstrebender Hügel. Auf der Kuppenspitze - Gipfel will man dazu nicht sagen - steht ein einsames, schweigendes Haus. Geheimnisvoll das Ganze. Niemand ist zu sehen, nichts tut sich ringsum. Bekannt ist nur: Hier im nordwestlichen Stadtgebiet steht man schon auf einem Ausläufer der Barnim-Hochfläche, die sich mehr sanft als steil in Richtung Nordost aus dem Warschau-Berliner Urstromtal erhebt und weit ins Brandenburgische bis hinan ans Oderbruch hin reicht. Etwa 60 oder 70 Meter hoch steht das Haus auf des Hügels höchster Stelle. Im "Zauberberg" hat Hans Castorp, die Hauptfigur, bei der Anfahrt zum Sanatorium ein regelrechtes Höhenerlebnis. Kurz bevor er die Kuranstalt erreicht, "geht es auf wilder, drangvoller Felsenstraße allen Ernstes ins Hochgebirge" hinauf, heißt es im Roman. Das Ankommen fällt hier bescheidener aus. Das hoch gelegene, entrückt wirkende Gebäude macht allerdings einen noblen Eindruck und ist insofern mit Thomas Manns literarischem Sanatorium Berghof, das man sich größer vorstellen muss, durchaus zu vergleichen. Zwei Teilgebäude stoßen auf dem Hügel orthogonal zusammen, so dass die nach den beiden Straßen gerichteten Dächer eine Kehle bilden, die jedoch ein angesetzter massiver Rundbau und sein Kuppeldach verdecken. 1924 wurde das Haus vom Pankower Architekten Max Meyer als ein villenartiges Wohnhaus mit einem im japanischen Stil gehaltenen rückwärtigen Tempelbau errichtet.

Infos für Ihren Besuch

Adresse:
Das Buddhistische Haus
Edelhofdamm 54
13465 Berlin
Tel: 030/ 40 15 580

Anfahrt:
Mit dem Auto fährt man auf der Bundesstraße B96 Richtung Oranienburg. Vom Oranienburger Chaussee genannten Straßenabschnitt biegt man links in den Jostweg und kurz darauf ebenfalls links in die Ramstaler Straße ab. Sie stößt auf den Edelhofdamm.
Ansonsten kann man vom Stadtzentrum (Alexanderplatz) die U-Bahn U8 nach Wittenau benutzen, steigt dort in die S-Bahn S1 Richtung Hohen Neuendorf und fährt bis zur Station Frohnau. Von dort sind es rund 900 Meter zum Buddhistischen Haus.

Öffnungszeiten des Buddhistischen Haus:

Tempel / Meditationshalle:
Täglich 09:00 Uhr - 18:00 Uhr

Bibliothek und Büro:
Dienstags - Sonntags: 09:00 Uhr - 18:00 Uhr
Montags: Ruhetag

Veranstaltungen im Buddhistischen Haus:

  • Vortragsreihe Sonntags 15:00 Uhr in der Bibliothek
  • Vesakh-Fest im Mai
  • Poson-Fest im Juni
  • Kathina-Fest im Oktober

Das Buddhistische Haus ist eine eher unbekannte Sehenswürdigkeit in Berlin. Denn es gibt nur wenige Buddhistische Tempel in Berlin bzw. in Deutschland. Wer sich also für den Buddhismus interessiert, der sollte hier mal vorbei schauen.

Buddhistische Haus in Frohnau

An der Pforte unten am Edelhofdamm offenbart sich das Besondere des Hauses. Ein zweiflügeliges Tor unterbricht die Ummauerung des Anwesens, zwischen deren Betonpfeilern hölzerne Zaunelemente das Gelände einfrieden, in denen gelegentlich der traditionelle endlose Knoten angedeutet wird. Diese rätselhafte Verschlingung symbolisiert im Buddhismus den Kreislauf des immerwährenden Lebens, der Liebe und der Ewigkeit. Das Portal ist überdies mit zwei Elefantengruppen-Reliefs verziert. Die steinernen Tiere tragen einen geschwungenen Torbogen mit der Aufschrift Buddhistisches Haus. Das unter Denkmalsschutz stehende Gebäude ist eine Tempelanlage; sie gilt als der älteste buddhistische Tempel in Europa. Wer nun, was täglich zwischen 09:00 und 18:00 Uhr möglich ist, durch das Tor geht und die 73 Stufen zum Haus und dort zu einer Meditationshalle hoch steigt, muss nicht fürchten, sich in den Einflussbereich einer Psychosekte oder eines pseudoreligiösen Syndikats zu begeben, dessen Geistlichkeiten es auf Geld und sonstiges Vermögen angeworbener Besucher abgesehen hätten. Vielmehr erhält hier der Anfragende oder Interessierte freundliche und bedenkenswerte Auskünfte über die Gestaltung des eigenen Lebens und über das Erlangen einer inneren, von äußerer Beeinflussung wenig beeinträchtigten Freiheit - vor allem aber über den Weg dahin. Denn es ist nicht ausgemacht, dass sich diese erstrebenswerte individuelle Freiheit in einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung automatisch einstellt. Dem Besucher soll "im Kampf gegen die alles erdrückende Macht überkommener Gedanken und Meinungen" geholfen werden, wie es der Spiritus Rector des Hauses formulierte, der Arzt und Gründer einer "neubuddhistischen Bewegung" in Deutschland Paul Dahlke (1865-1928). Er veröffentlichte 1926 in Leipzig das Buch "Der Buddhismus - Seine Stellung innerhalb des geistigen Lebens der Menschheit", das heute noch als Standardwerk gilt. Es geht Paul Dahlke darin unter anderem um die Kraft, die ein Mensch ausbilden muss, um sinnarme mainstreamige Masken, Moden und Manieren möglichst meiden zu können.

Eingang zum Buddhistischen Haus
Der Eingang zum Buddhistischen Haus, dahinter der Treppenaufgang mit seinen 73 Stufen - Foto: © -wn-

Im Frohnauer Buddhistischen Haus, dessen derzeit einziger ständiger Bewohner der 1981 in Sri Lanka geborene Venerable (Ehrwürdige) Mönch Bhante Kongaspitiye Santharakkhitha ist, wird dieses Ziel allerdings nicht per Gehirnwäsche a la Scientology angestrebt. Der Besucher befindet sich im Haus einer über 2500 Jahre alten angesehenen Weltreligion. Von ihr meinten bei einer 2008 in Deutschland durchgeführten Umfrage rund 43 Prozent aller Befragten, sie sei die friedlichste aller Religionen, die wir kennen. Wer einer der drei monotheistischen Abrahamischen Religionen angehört - der jüdischen mit ihrer reichen Kultur und der traditionellen Einheit von Nationalität und Glaubensbekenntnis, wer sich zur christlichen Konfession bekennt mit der herausragenden Gestalt des Jesus Christus, dessen in der berühmten Bergpredigt erhobene sozialethische Forderungen noch heute nicht aus der Welt sind, oder wer sich dem muslimischen Glauben zugehörig fühlt, dessen Grundsatzdokument, der Heilige Koran, in seiner Sure 2:256 ausdrücklich verfügt: "In der Religion gibt es keinen Zwang" - all diese Menschen werden die Frohnauer Berg-Treppe vermutlich meiden. Sie haben den Fortgang ihres Lebens in die Hände eines Gottes gelegt und fühlen sich dabei wohl "wie in Abrahams Schoß", wie das Sprichwort sagt. Bei Abraham handelt es sich bekanntlich um jenen ersten der biblischen Patriarchen, den die Juden und die aus ihnen hervorgegangenen Christen und die Muslime jeweils als Stammvater, als "Urbild des wahrhaft Glaubenden" (Brockhaus) in Anspruch nehmen. Der Fürstensohn Siddhartha Gautama hingegen, später der Buddha, der Erleuchtete, genannt, ist der nachweisliche irdische Stifter der in dieser Aufzählung vierten Religion, der buddhistischen. Er lebte etwa zwischen 560 und 480 v. Chr. Geboren ist er der Überlieferung zufolge am Himalaya im nepalesischen Lumbini und starb im nordindischen Kushinagara. Der Tod habe ihn im Alter von 80 Jahren aus ganz banalen Gründen ereilt. Eine verdorbene Speise soll er zu sich genommen haben. Er machte die nach ihm benannte Glaubensrichtung zu einer weltweiten Religion, deren Angehörige kein zurückgezogenes Dasein führen, sondern in den wirtschaftlich und politisch dynamischsten Regionen der Erde leben. Die Besonderheit des Buddhismus, darunter dass er weder Gott noch Kirche kennt, verleiht ihm auch in Deutschland bemerkenswerte Anziehungskraft. Man spricht inzwischen von Tausenden Deutschen, die sich als "Buddhisten im weiteren Sinne" betrachten. Für sie wie für jeden anderen Interessierten steht in Frohnau der Mönch mit dem schwer auszusprechenden Namen zu persönlichen Gesprächen zur Verfügung wie auch andere Lehrer am Rande der zahlreichen Veranstaltungen des Hauses. Die Gründe, die den einzelnen Menschen nach Frohnau führen, liegen im individuellen Dasein begründet - in einer Unzufriedenheit mit dem bisherigen Leben, in Leiden oder im Gefühl, durch entstandene Abhängigkeiten nachhaltig beschwert zu sein.

Buddhismus in Berlin

Welche Lebenshilfe will der Buddhismus leisten? Einer seiner Vorzüge ist es, dass er keinen ungläubigen, keinen verachtenswerten Menschen kennt, niemanden als einen der Sünde Verfallenen betrachtet, sondern ihn ohne Bußverlangen in seinem Menschsein nimmt wie er ist. Buddhismus und dogmatische Brandmarkung Andersdenkender und Anderslebender schließen sich aus. Er verurteilt nicht; er hilft. Der Buddhismus bietet - neben der Aussicht auf eine "weltüberwindende Wunschlosigkeit" (der Essayist Heinz Stolte) - eine irdische Hilfe zur Selbsthilfe an, über den Weg eines Zuwachses an Wissen und Weisheit. Im meistgelesenen Werk des 20. Jahrhunderts, in der Meistererzählung Hermann Hesses (1877-1962) "Siddhartha", steht dieser Gedanke im Mittelpunkt. Beschrieben wird das Leben eines Brahmanen, des Jünglings Siddhartha aus einer oberen indischen Kaste, der schließlich zu jener Welterkenntnis kommt, um die man sich auch im Haus auf dem "Zauberberg" persönlich bemühen kann. Siddhartha erkennt die Einheit alles Weltlichen, und ihm geht auf, dass alle Menschen mit ihren verschiedenen Eigenschaften an dieser Einheit teilhaben. Menschen, die er bisher geringgeschätzt hatte, sah er später in anderem Licht; "...er verstand sie, er verstand und teilte ihr nicht von Gedanken und Einsichten, sondern einzig von Trieben und Wünschen geleitetes Leben, er fühlte sich wie sie ... (es) schien ihm doch, diese Kindermenschen seien seine Brüder, ihre Eitelkeiten, Begehrlichkeiten und Lächerlichkeiten verlören das Lächerliche für ihn, wurden liebenswert, wurden ihm sogar verehrungswürdig", heißt in der Erzählung, die die Friedlichkeit und Menschennähe des Buddhismus unterstreicht. "Die blinde Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, den dummen, blinden Stolz eines eingebildeten Vaters auf sein einziges Söhnlein, das blinde, wilde Streben nach Schmuck und nach bewundernden Männeraugen bei einem jungen, eitlen Weibe, alle diese Triebe, alle diese Kindereien, alle diese einfachen, törichten, aber ungeheuer starken, stark lebenden, stark sich durchsetzenden Triebe und Begehrlichkeiten waren für Siddhartha jetzt keine Kindereien mehr, er sah um ihretwillen die Menschen leben ..."

Gedenktafel für Paul Dahlke
Eine "Berliner Gedenktafel" neben der Pforte erinnert an den Arzt, Schriftsteller und Hausgründer Paul Dahlke
Foto: © -wn-

Die Göttinger Philologin und Indologin Dr. Siglinde Dietz (geb. 1937) betont, dass der Buddhismus beim Versuch, Menschen zu helfen, nichts Frenetisches an sich hat: "Der Buddha lehrte, dass weder die Hingabe an die Sinnesgenüsse noch die übertriebene Selbstpeinigung zum Heil führt, sondern der mittlere Weg." Angeraten werden dem Glücksuchenden es zu lernen, über die "Vier edlen Wahrheiten" ernsthaft zu meditieren. Sie lauten:

  • 1. Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll
  • 2. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung
  • 3. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden
  • 4. Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad, der wegen seines hohen Anspruches auf den ersten Blick kaum begehbar erscheint.
Dazu Frau Dietz: "Dieser Weg zur Aufhebung des Leidens lässt sich auf drei Grundelemente zurückführen: Sittlichkeit, Sammlung und Wissen. Die Sittlichkeit besteht vor allem aus dem Vermeiden der zehn heilswidrigen Handlungsweisen, welche das Töten, Diebstahl, falsches Verhalten in sexueller Hinsicht, Lüge, grobe, verleumderische, törichte und nutzlose Rede, Begehrlichkeit, Übelwollen und falsche Lehransichten umfassen." Das regelmäßige, systematische Meditieren darüber ist eine wesentliche Aufgabe im Leben eines jeden sich um größeres Lebensglück bemühenden Buddhisten.

Wer die Treppe zum Frohnauer Buddhistischen Haus hochgeht, hat vermutlich Fragen, auf die er bisher anderswo keine schlüssige Antwort erhielt. Es ist - in welcher Variante auch immer - die Frage: Was bin ich? Vielleicht auch: Woher komme ich - wohin gehe ich? Und: Wie muss ich mich in meinem Leben verhalten, damit ich glücklicher bin, auf was muss ich vielleicht verzichten, um schließlich spürbar mehr vom Leben zu haben und wie kann ich den - wie allgemein angenommen wird - einmaligen Aufenthalt auf dieser Erde so lebenswert wie möglich gestalten. Denn es spricht ja zumindest einiges dafür, dass - im Gegensatz zur Annahme des Buddhismus - der König in Preußen Friedrich II. (1712-1786) Recht hatte, indem er das Axiom des römischen Dichters Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr. - 65 n. Chr.) "Post mortem nihil est" auch zu seiner strikten Devise machte: Nach dem Tod ist nichts. Wahrscheinlich muss man trotzdem dem Buddhismus nicht sehr ferne stehen.

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