Werneuchener Pastor suchte Frau - Spott aus Weimar

Das 750 Jahre alte Werneuchen auf dem Hohen Barnim besteht aus einer Kurve und tausend Metern geradeaus.
Werneuchen in Brandenburg
Der Ortsteil Hirschfelde - Foto © wn
Nach dem Durchfahren dieser Distanz in rund zwei Minuten fragen sich die wenigsten: Hätte man das Landstädtchen vielleicht nicht doch näher in Augenschein nehmen sollen, bei so viel ansehnlicher Gegend ringsum, den Seen und Wäldern, und so einem weiten Blick auf den flachen, fernen Horizont. Es war schon immer schwierig, Werneuchen gerecht zu werden. Auch Theodor Fontane wollte kein böses Blut und schrieb: „Ich sage Städtchen, um dem Lokalpatriotismus einzelner seiner Bewohner nicht zu nahe zu treten, die das Beiwort ‚Stadt’ für ironische Übertreibung und die Bezeichnung ‚Flecken’ als Mangel an Respekt ansehen möchten.“
 
Sehenswürdigkeiten in Werneuchen:
  • Stadtkirche St. Michael
  • Schloss Werneuchen
  • Rittergut Hirschfelde
  • Mittelalterliche Dorfkirchen
  • Locations & Firmen in Werneuchen:
  • Ärzte
  • Rechtsanwälte
  • Hotels
  • Restaurants
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    Geschichte der Stadt Werneuchen

    Also anhalten! Es lassen die auffallend kurvenarmen Fahrwege im Ort und außerhalb heute nicht mehr erkennen, dass sie im 19. Jahrhundert nach strenger Vorschrift
    angelegte Post-Kunststraßen waren. Es herrschte schon damals schnelles Kommen und Gehen vor. Auf dem Friedhof ruht in einem klassizistischen Mausoleum die hugenottische Familie Petitjean, deren Unternehmungsgeist es zu verdanken war, dass Werneuchen im 19. Jahrhundert eine der größten preußisch-brandenburgischen Poststationen wurde. Täglich mussten bis zu 200 Umspannpferde für die Postwagen und die berittene Extrapost bereitstehen. Die 565 Kilometer lange Reise nach Königsberg dauerte 12 Tage, nach Moskau brauchte man 40 Tage. Doch das ist Vergangenheit.

    Sehenswürdigkeiten in Werneuchen


    Zu einer Werneuchen verbliebenen Attraktion, dem Gamengrund, gelangt man über den Ortsteil Hirschfelde, wo auf dem Anger zunächst die bronzene Kolossalplastik eines Zwölfenders aus der Werkstatt des Bildhauers Louis Tuaillon (1862-1919) ins Auge fällt. Das Tier blickt etwas leidmütig in Richtung des Schorfheider Reviers Kienhorst, in dem der Serienjäger Erich Honecker am 8. November 1989 seinen letzten Hirsch meuchelte. Das Hirschfelder Denkmal steht auch für die vielen extra in die DDR importierten ungarischen Donau-Hirsche mit ihren bis zu 14 kg schweren Geweihen. Im Kugelhagel enthemmter Funktionäre ließen sie ihr Leben.

    Im nahen Landschaftsschutzgebiet Gamengrund zieht sich ein romantischer, von Wildschweinen streckenweise etwas aufgelockerter Wanderweg vom Strausberg-Eggersdorfer Seengebiet bis kurz vor Bad Freienwalde. Der Grund ist eine 300 bis 400 Meter breite, fast durchweg bewaldete Rinne in der Barnimhochfläche. Die lang gestreckten Seen, der charakteristische Heckenbestand und die Besenginsterflächen machen das Kleinod unverwechselbar. Mit Ausrufen wie „Du, unsers Vaterland‘s Natur, / Ein Dummbart nur / Kann deinen Reitz bezweifeln…“ hat der Werneuchener Dichterpfarrer Friedrich Wilhelm August Schmidt (1764-1838) diese Gemarkung wie überhaupt sein betont stadtfernes Leben in warme Worte gefaßt. Seine emphatischen Dichtungen wären wohl in der örtlichen Heimatstube gelandet, wäre damals nicht eine kritisch-satirische Reaktion aus dem klassischen Weimar gekommen. Schmidts launige Gedichte über Leben und Treiben im Pfarrhaus und in der Brandenburgischen Streusandbüchse erschienen in seinem „Calender der Musen und Grazien in der Mark“. Zeilen wie „O du Theure! mit der Engelmiene, / Mit der schönen, himmlischen Gestalt, / Mit dem frommen Herzen, ach! erschiene / Doch die Stunde der Vermählung bald!“ widmete er der Braut Henriette, denn er suchte dringend eine Frau. Goethe (1749-1832) machte sich seinerseits in einem Gedicht über Schmidts märkische Idyllen-Performance lustig. „O, wie freut es mich, mein Liebchen, / Daß du so natürlich bist; / Unsre Mädchen, unsre Bübchen, / Spielen künftig auf dem Mist!“ parodierte er die pastorale Poesie. Schmidt konnte nichts Besseres passieren als dieser Verriss. So wurde er mit unfreiwilliger Hilfe Goethes als „Schmidt von Werneuchen“ in die Literatur eingeführt.

    Pastor Schmidt hat in naturalistischer Manier wohl alle Haustiere, Gemüse- und Obstsorten, den häuslichen Seelenfrieden und durchaus energisch aufwallende Liebesgefühle für Henriette im abendlich schummrigen Hausgärtlein bedichtet und war dabei offen und unverstellt. Doch auch im Haus am Weimarer Frauenplan ging es wohl nicht immer so distinguiert und klassisch zu wie man uns Glauben machen will. Durch eine Indiskretion gerieten 1814 Goethes Zeilen über das männliche Geschlechtsteil an die Öffentlichkeit: „Doch Meister Iste hat nun seine Grillen / Und läßt sich nicht befehlen noch erachten, / Auf einmal ist er da, und ganz im Stillen / Erhebt er sich zu allen seinen Prachten." Das ist wohl richtig beobachtet. Pastor Schmidt hätte das mit Bezug auf Henriette sicher seelenvoller formuliert. Sein Grab findet man an der Werneuchener Stadtkirche.

    Verkehrshinweis:
    Werneuchen liegt an der B 158, rund 30 km von Berlin-Mitte entfernt.
    Text: -wn- / Stand: 15.07.2014

    Adresse der Stadtverwaltung:
    Am Markt 5
    16356 Werneuchen




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