Der Werbellinsee in Brandenburg - kleinerer Bruder des Großen Stechlin

Eine Erfindung der westdeutschen "Drecksender!" Mit dieser abwehrenden Replik
Werbellinsee in Brandenburg
Ein Bild vom Werbellinsee von -wn-
machte einst Günter Schabowski von sich Reden. Die Stationen hatten berichtet, der deutsche Jagd-Promoter Erich Honecker (1912-1994) suchte mit der Flinte alle naselang die Wälder der Schorfheide nahe dem Werbellinsee auf, dem schlanken Bruder des an Buchten und bewaldeten Landzungen überreichen Stechlin. Es hieß, dass er, nach eigener Aussage Spross einer gewaltfreien saarländischen Bergarbeiterfamilie, an Luderplätzen und in Gattern von Vasallen zusammengetriebenes Rotwild mit unerwarteten Nahschüssen lustvoll exekutierte. Bezeugt ist auch, dass der Extrem-Weidmann mit dem unstillbaren Erlegungsdrang im schwindenden Büchsenlicht des 8. November 1989 ein letztes Jagderlebnis hatte - kurz bevor ihm in Berlin selbst das Halali geblasen worden war. Mit einem Rückenschuß machte er einen durch Brunft und polygame Paarung geschwächten
Platzhirsch grämlich nieder; es geschah unweit des Jagdschlosses Hubertusstock am unteren Nordwestufer des Sees. Der alternde Nimrod liebte diese im Moment des ausgelösten Schusses selbstbewusste, volltönende und jeden Widerspruch abweisende Sprache der Waffe. Ließ ihn der Schuß doch für Sekunden seine lebenslange Last vergessen: das Gefühl minderwertig zu sein - die Ursache für sein logopädisches Problem, das Silben schluckende Nuscheln. Nie mehr würde er diese wunderbare, innerlich so frei machende Kleindetonation hören. Die Staatsjagd war beendet.

Am zehn Kilometer langen, 1500 Meter breiten und 55 Meter tiefen Eiszeitsee kommt man gar nicht vorbei, nimmt man die Schießfreude deutscher Potentaten ins Visier. Zur Zeit der 48er Revolution hatte Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. plötzlich seine Liebe zur Schorfheide und zum Werbellin entdeckt. Seit 1713 war hier ein großer Baumgarten aus Eichen herangewachsen. Friedrich Wilhelm fügt das Jagdschloss Hubertusstock hinzu. Das Haus im bayerischen Landhausstil liegt unweit des Sees, der einen schiffbaren Abfluss zum Oder-Havel-Kanal und somit eine Verbindung zur offenen See besitzt. Auch Friedrich Wilhelm und zwei der folgenden deutschen Kaiser ließen im Umfeld von Hubertusstock die Waffen ausgiebig sprechen. Trotz seines halb gelähmten linken Armes brachte es Wilhelm II. auf 47443 Stück Wild. Während sich aber die durchlauchtigsten Schützen aus dem Hause Hohenzollern auf Hirsch, Reh und Schwein konzentrierten, war Weidgenosse Honecker im Umfeld des Werbellin auch in ganz anderer bewaffneter Mission unterwegs. Im April 1973 fuhr er in Begleitung eines vierköpfigen, mit automatischen Maschinenpistolen ausgerüsteten Kommandos zum Döllnsee gleich vis-a-vis, wo Walter Ulbricht (1893-1973) in seinem Ferienhaus saß und sein Rücktritts-"Gesuch" bestätigen musste - ein Tatort-reifer Machtwechsel. Ulbricht teilte das Schicksal Wilhelm II. Dessen überfällige Abdankung - im Interesse eines Kriegsendes - hatte am 9. November 1918 Reichskanzler Prinz Max von Baden bekannt gegeben. Der starrsinnige Kaiser erfuhr von seinem "Rücktritt" später. Auch Honecker ahnte nicht, dass er selbst einmal zum Rücktritt getragen werden würde. Sein gewichtigster Gesprächspartner am Werbellin, Helmut Schmidt, fand später zu einem fairen wie klaren Urteil über den jagenden Generalsekretär: "Ich habe ihm innerlich seine langen Zuchthausjahre unter den Nazis und die Standhaftigkeit zugute gehalten, mit der er an den kommunistischen Idealen seiner Jugend festgehalten hat. Aber im Gespräch benutzte er oft vorgeprägte Redensarten. Er ist mir als ein Mann von beschränkter Urteilskraft erschienen." Man versteht auch, warum ein anderer alter und ähnlich weiser Mann wie Schmidt, Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910) eine Diktatur des Proletariats ablehnte. In Jasnaja Poljana schrieb er 1898 ins Tagebuch: "Bislang haben die Kapitalisten geherrscht, dann würden Arbeiterfunktionäre herrschen."

Wandern am Werbellinsee


Zu den Wilden Jägern am Werbellin kommen schreibwütige Eiferer, die von der landschaftlichen Schönheit des Sees hingerissen waren. Wer als Sommerfrischler, Wassersportler und Wanderer hierher kommt, wird von Ferdinand (Friedrich) Brunold (1811-1894) hören, einen ehemaligen Lehrer aus Joachimsthal, dessen Denkmal in der Rosengasse steht. Er gilt als der "Sänger der Heide". In seinem Werbellin-Lied heißt es: "Wie ein Gottesauge glänzet, / Drüber dunkle Brauen glühn, / Liegt, von Berg und Wald umkränzet, / märchenhaft der Werbellin." Die zeitgenössischen Feuilletons verrissen seine seegestützte Romanzenliteratur nach Strich und Faden. Gefühlsschwelgereien, schwärmerischen Ton und Dämmerungsgefühle attestierten ihm die "Blätter für literarische Unterhaltung" aus dem Leipziger Verlag F. A. Brockhaus. Doch zu Brunolds Nachlass gehört die verwirklichte Idee, bei Eichhorst am Südwestzipfel des Sees, auf dem die alte askanische Burg Werbellin gestanden haben soll, einen Turm zu errichten, der an das den Hohenzollern vorausgegangene brandenburgische Herrschergeschlecht erinnert. Von hier aus überblickt der Besucher den in die einzigartige Moränenlandschaft hingebreiteten See, der - anderes als der eher reserviert gebliebene Stechlin - in der preußisch-deutschen Geschichte seine Rolle zu spielen hatte. Sein Name taucht deshalb häufiger in Kommuniques und jagdlichen Abschusslisten als in den Sagen auf.

Wie man von Berlin zum Werbellinsee kommt:


Der See ist von der Autobahn A11, Abfahrt Werbellin, gut zu erreichen. Nach 2,5 Kilometern kommt man am Ostufer in die Gemeinde Altenhof sowie zur Europäischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte (ehemals Pionierrepublik "Wilhelm Pieck"). Von Joachimsthal im Norden fährt man auf der Westseite zum Jagdschloss Hubertusstock.
Mit der Bahn ist der See von Berlin aus in einer Stunde zu erreichen. Man steigt in Eberswalde um und fährt weiter in Richtung Joachimsthal.
Auch die Route des Radfernweges Berlin-Usedom führt am Werbellinsee vorbei.
Text: -wn- / Stand: 15.07.2014

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