Die Schorfheide: Bäume und Potentaten

"Als die Römer frech geworden / simserim simsim simsim / Zogen sie nach
Die Schorfheide
Wald in der Schorfheide - Foto © -wn-
Deutschlands Norden", singt man heute noch in burschenschaftlichen Kreisen. Das Heitere dieses satirisch-derben Studentenliedes von 1846 entfaltet sich aus dem Wissen der Nachgeborenen, dass den Römischen Feldzügen gegen die Germanen zumindest bei der Varus-Schlacht kurz nach der Zeitenwende kein Erfolg beschieden war. Germanische Gegenwehr und schwerliches Vorwärtskommen im nahezu undurchdringlichen Unterholz des ausgedehnten zentraleuropäischen Hercynischen Urwaldes stoppten die sieggewohnten Römer. Und so erreichten die Truppen des Kaisers Augustus auf dem Weg nach Osten auch nicht die seereichen Waldungen mit alten Kiefern, Eichen und Buchen, Binnendünen und Mooren, die heute Schorfheide heißen und eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands sind (Foto). Es liegt
gleichwohl die Vermutung nahe, dass das während der Weichselvereisung vor 15000 Jahren unterschiedlich ausgeformte Gebiet zwischen Templin, Zehdenick, Groß Schönebeck und Joachimsthal eine Randlage jenes mächtigen Urwaldes war. Bereits Gajus Julius Cäsar (100-44 v. Chr) berichtet in seinem "Kommentar zum Gallischen Krieg", seine Kundschafter hätten in diesem Wald hirschähnliche Rinder beobachtet, deren Hörner in Schaufeln ausliefen, Elche mit gelenklosen Beinen gesehen, so dass sie an Bäumen gelehnt schlafen mussten, und Auerochsen stark wir Elefanten. Die teils kapitalen Heide-Hirsche der Jetztzeit erinnern nur fern an diese legendären Wesen. Die Fauna der zum brandenburgischen "Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin" gehörenden Waldregion reichern mehr als 140 Vogelarten an, darunter bedrohte Arten wie See- und Schreiadler, Fischadler, Schwarzstorch und Kranich. Auch Biber und Fischotter lassen sich reichlich sehen.

Waldgebiet Schorfheide in Brandenburg


Und obwohl der Mensch in dieser 65000 Hektar großen Gemarkung immer in der Minderheit war - die Statistik weist derzeit 28 Einwohner pro Quadratkilometer aus -, sind es doch Menschen gewesen, die sich hier zu verschiedenen Zeiten hervortaten. Zu den arglosen unter ihnen zählt der Joachimsthaler Heimatdichter Ferdinand Brunold (1811-1894), der das Märkische in Romanzen und Balladen etwas rührselig und reichlich trotzig propagierte. "Vor Prenzlau's hohen Mauern steht eine Kriegerschaar; / Markgraf Friedrich der Kühne es mit den Märkern war " heißt es im Gedicht über die Verteidigung der uckermärkischen Stadt gegen pommersche Landnahmen im 13. Jahrhundert. Während Brunold noch mit der Waffe des Dichters stritt, traten in der Schorfheide Nimrode auf den Plan, deren jagdliche Aktivitäten im Spektrum zwischen intensiver Hatz und vollendetem Jagdfrevel liegt. Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. - jener Monarch der 1848 auf dem Berliner Schlossbalkon vor den toten Märzkämpfern seinen Hut ziehen musste - schoss in der Schorfheide mit Leidenschaft. Obwohl er das Jagdhaus Hubertusstock bauen ließ, fand er es später schöner, wenn das Wild zu ihm nach Hause kam. Davon zeugt der Potsdamer Wildpark, in dem Tiere standen, die man zuvor in der Schorfheide gefangen hatte. So hatte - wie ein Wanderführer schreibt - "der König gleich hinterm Haus etwas zu schießen".

Zu den Hohenzollernherrschern mit Jagdfieber zählt Kaiser Wilhelm II., der gern sowohl in den Dubrower Bergen bei Fürstenwalde als auch in der Schorfheide jagte. Trotz seines gelähmten linken Armes brachte er es mit Hilfe zweier Lakaien mit Büchsenspanner-Ausbildung auf 78300 Abschüsse; darunter 2133 Rothirsch-Tötungen. Offenkundig legte der letzte deutsche Kaiser aber Wert darauf, nicht als Tierschlächter zu erscheinen, dem die Jagdvasallen das Wild nur zutreiben. Absichtsvoll ließ er sich von dem polnischen Jagd-Maler Juljan Falat auf dem Gemälde mit dem Titel "Kaiser Wilhelm II. auf der Birschjagd in der Schorfheide" verewigen. Ein anderer Potentat, Hermann Göring, wollte nicht zur Jagd fahren, sondern gleich im Jagdgebiet residieren: Auf einer Landzunge, die vom schlanken Nordostende des Großen Döllnsees und dem nahen Wuckersee-Ufer gebildet wird, ließ er sich die Carinhall genannte schwedische Landhausadaption bauen, mit Grundmauern aus Findlingen, Wänden aus Kieferrundstämmen und einem Schilfrohrdach. Das Haus mit einer pompösen, mit geraubten Gemälden bestückten Nordischen Halle sollte Zentrum des 1934 gegründeten Natur- und Urwildparkes Schorfheide sein, in dem der jagdbesessene Göring immerhin Wisente, Wildpferde und Muffelwild ansiedeln ließ. Er selbst übernahm den Part des eitlen Gockels und stolzierte durch das Refugium in einer XXXL-Hirschlederhose mit farblich abgestimmter Weste, hohen Stiefeln und einem überlangen Jagdmesser am Gürtel. (Mehr über den Wildpark Schorfheide)

Ein Jagdfrevler besonderer Güte war der Mann, der in landesväterlicher Attitüde vorgab, immer aufs Neue von jenem artigen Kinderlied beglückt zu sein, in dem es heißt, "unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer", sondern auch "die Vögel in der Luft und die Tiere der Erde". Bekanntlich endet das Lied mit einem kindlich-vaterländischen Schutzversprechen gegenüber dieser Heimat, "weil sie dem Volke gehört". Erich Honecker scherte sich in der Heide weder um Schutz noch um Pirsch und Hege. Entgegen allen weidmännischen Geboten schoss er an den Futterstellen von Halogenscheinwerfern geblendetes Wild nieder und schreckte auch vor versuchten Fangschüssen in den (hinterseitigen) Spiegel des Rotwildes nicht zurück. Dabei stellte selbst das DDR-Jagdgesetz das Erlegen von Schalenwild in einem Umkreis von 200 Metern an Fütterungen und unweidmännische Schüsse unter Strafe. Theodor Fontane, der schon das Hohenzollersche Weidwerk kritisch beschreibt, erinnerte an die altenglische Ballade "Die Jagd im Chevy-Forst", die in den Cheviot Hills, einer Bergkette an der Grenze von England und Schottland, spielt. Lapidar heißt es dort: "Und eh' der Mittag kam, da lag / Haufweis das Wild erschlagen; / Doch rastlos, nach gethanem Schmaus, / Begann ein neues Jagen."

Wie man zur Schorfheide kommt:
Mit dem Auto bietet sich ab Berlin die im Prenzlauer Berg beginnende B 109 an. Sie führt ab Groß Schönebeck weiter durch die gesamte Heide. Zu empfehlen ist auch die Autobahn A11, die man an der Abfahrt Finowfurt westwärts verlassen muss.
Text: -wn- / Stand: 15.07.2014

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