Gedenktafel für Dietrich Bonhoeffer von Johannes Grützke
(geb. 1937)
an der St.-Matthäus-Kirche in Berlin-Tiergarten.
Auf der Tafel steht: "Dietrich Bonhoeffer / geboren 4.2.1906,
hingerichtet im KZ Flossenbürg am 9.4.1945 /
Dietrich Bonhoeffer wurde am 15.11.1931
in dieser Kirche zum Pfarrer ordiniert /
Foto © -wn-
Das blieb ihm versagt. Von 1940 bis zu seiner Verhaftung nimmt er am politisch-militärischen Widerstand gegen das Hitler-Regime teil. Er gehört der konspirativen Widerstandsgruppe um den (ab 1938) Leiter des Amtes Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht, Admiral Wilhelm Canaris (1887-1945) an. Am 13. und 21. März 1943 verüben Angehörige dieser Gruppe erfolglose Attentate auf Adolf Hitler (1889-1945). Obwohl Dietrich Bonhoeffer an den Anschlägen nicht beteiligt ist, hat er sich - als Pazifist - intensiv mit dem Problem des Tyrannenmordes befasst. Schließlich beantwortet er die Frage "Darf ein Christ gegen das Gebot ‚Du sollst nicht morden' verstoßen?" mit einem Ja. In seinem unvollendeten Hauptwerk "Ethik" nimmt er dazu Stellung. Sein Credo: "Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen. Den Christen rufen nicht erst die Erfahrungen am eigenen Leibe, sondern (ebenso) die Erfahrungen am Leibe der Brüder … zur Tat und zum Mitleiden." Am 5. April 1943 wird er wegen "Wehrkraftzersetzung" verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis der Wehrmacht in Tegel gebracht. Zu Weihnachten 1943 spricht er ein später vielfach publiziertes "Morgengebet", in das er auch die Mitgefangenen, ja die Gefängniswärter einbezieht: "Vor Dir (Gott) denke ich an all die Meinen, / an die Mitgefangenen und alle, die / in diesem Hause ihren schweren Dienst tun. / Herr, erbarme Dich! / Schenke mir die Freiheit wieder, / und lass mich derzeit so leben, / wie ich es vor Dir und vor den Menschen / verantworten kann. / Herr, was dieser Tag auch bringt, - / Dein Name sei gelobt! / Amen" An seine Frau Maria schreibt er am 13. Dezember in kaum zu bewältigender Kümmernis "… wir werden (an den Feiertagen) von der Frage bedrängt werden, warum zu aller Dunkelheit, die sowieso schon auf den Menschen liegt, uns noch die bittere Qual dieser Trennung, die wir nicht zu verstehen vermögen, auferlegt ist. Wie schwer ist es, das innerlich zu bejahen, was sich dem Begreifen entzieht …" Der Briefwechsel zwischen ihm und seiner Frau gehört zu den berührendsten Brieftexten, die im vorigen Jahrhundert in deutscher Sprache aufgeschrieben wurden.