Schiffshebewerk Niederfinow

Text: -wn- Journalist aus Berlin / Letzte Aktualisierung: 26.09.2020

das alte und neue Schiffshebewerk Niederfinow
Blick auf das alte und das neue Schiffshebewerk Niederfinow - Foto: © spuno - stock.adobe. com

Das Schiffshebewerk Niederfinow bei Eberswalde wurde am 21. März 1934 in Betrieb genommenen und ist das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands. Eine echte touristische Attraktion im Landkreis Barnim. Sie können das technische Denkmal zum Beispiel bei einer Führung besichtigen.

Schiffshebewerk Niederfinow am Oder-Havel-Kanal in der Schorfheide

Adresse vom Schiffshebewerk Niederfinow
Hebewerkstraße 52
16248 Niederfinow
Telefonnummer: 0333 62/ 713 77

Eintrittspreise im Schiffshebewerk Niederfinow:

Eintritt: 3,00 EUR pro Person
Ermäßigte: 2,00 EUR
(Kinder ab 6 Jahre, Schüler, Studenten, Schwerbehinderte)
Kinder unter 6 Jahre frei
Bitte beachten Sie, dass der Aufgang zum Schiffshebewerk nicht durchgängig barrierefrei ist!

Öffnungszeiten vom Schiffshebewerk Niederfinow 2020:

  • vom 22.02. bis 24.03.2020: Mo - So: 10:00 Uhr - 16:00 Uhr
  • vom 25.03. bis 13.10.2020: Mo - So: 09:30 Uhr - 17:30 Uhr
  • vom 14.10. bis 27.10.2020: Mo - So: 09:30 Uhr - 17:30 Uhr
  • vom 28.10. bis 30.12.2020: Mo - So: 10:00 Uhr - 16:00 Uhr
    (außer 24.- 26.12., 31.12.2020 und am 1.1.2021)
    Letzter Einlass ist 15 min vor der Schließung.

Ja! Nach unseren Informationen ist Besichtigung des Hebewerkes wieder möglich! Es gibt Einschränkungen! Bitte beachten Sie die aktuellen Sicherheits- und Gesundheitsschutzregelungen wegen dem Coronavirus.
Das Schiffshebewerk ist täglich 16 Stunden in Betrieb (06:00 Uhr bis 22:00 Uhr). Die Trogfahrten für die Schifffahrt werden nach Erfordernis durchgeführt. Alle Angaben ohne Gewähr! Besonders für die Infos zu den Öffnungszeiten vom Schiffshebewerk Niederfinow können wir keine Garantie übernehmen! Diese können sich auch auf Grund der Corona Krise kurzfristig ändern!

Infos zum Neubau:

  • Grundsteinlegung am 23.03.2009
  • Investitionsvolumen: ca. 285. Mio
  • Länge: 115 m
  • Breite: 11,45 m
  • Durchfahrtshöhe: 5,25 m
  • Höhe: 55m
  • Geplanter Start des Probebetriebes: August 2020
  • Mehr als 250 000 Menschen schauen sich jedes Jahr diese ungewöhnliche Konstruktion an.

Anfahrt zum Schiffshebewerk Niederfinow:

Aus Berlin kommend benutzt man die Bundesstraße 2, die über Bernau und durch Eberswalde führt. Ab Eberswalde bietet sich die Straße L291 Richtung Liepe an. Kurz vor dem Erreichen des Schiffshebewerk Finowfurt ist eine scharfe Spitzkehre zu passieren.

Das Schiffshebewerk in Niederfinow: Wo Schiffe zu Berge und zu Tale fahren

In den Mittsommernächten ging das Gespenst der Weißen Frau dort um und zerriss den Fischern die ausgeworfenen Netze. Jungfrauen, märkische Schwestern der Loreley, saßen im Mondlicht am Ufer des heute über 400 Jahre alten Finow-Kanals und suchten einsame Wanderer zu bezirzen. Solche Johanni-Legenden schrieb man dem Straßendorf Niederfinow und seiner Umgebung zu. Versteckt liegt der Flecken am Nordrand des Eberswalder Urstromtales zwischen Barnimhochfläche und Schorfheide. Eines Tages aber war Schluss mit dem mythischen Treiben. Denn als ab 1906 der neue, der Oder-Havel-Kanal zwischen Oranienburg und Hohensaaten ausgehoben und 1914 in Betrieb genommen worden war, stellte sich in Niederfinow etwas ganz anderes als Quelle allgemeiner Aufmerksamkeit heraus: eine Schleusentreppe aus vier Kammern, mit deren Hilfe die Lastkähne den beträchtlichen Höhenunterschied zwischen Odertal und Barnimhochfläche schrittweise überwinden konnten. Doch auch diese - aus damaliger Sicht - hochmoderne Anlage wurde schon 20 Jahre später verfahrenstechnisch noch einmal getoppt. Neben der Kammerschleuse ging 1934 das noch heute arbeitende und von nur vier Mitarbeitern bediente Gegengewichtshebewerk Niederfinow in Betrieb. Diese mit einem 84 Meter langen wassergefüllten Trog bestückte Großmaschine ermöglicht bis zu 1250 Tonnen schweren Schiffen das Überwinden einer 37 Meter hohen geologischen Vertikalverschiebung, eines Hanges also - und das in weniger als einer halben Stunde. Der einzigartige Elevator, ein Bindeglied der Wasserstraßen Oder, Havel und Elbe, ist heute das älteste noch funktionierende deutsche Hebewerk für Schiffe.

Das Schiffshebewerk als touristische Attraktion

Es fragt sich dennoch, was täglich nahezu 1400 Menschen aus allen Teilen Deutschlands und aus dem Ausland dazu bringt, nach Niederfinow zu pilgern, um gegen geringes Entgelt dem Hinein und Hinaus, dem Hinauf und Hinunter der Kähne und Schiffe zuzusehen. "Schön, interessant und beeindruckend" sind häufige Kommentare, nicht zuletzt auch weil man kaum einen Menschen sieht, der die Anlage in Bewegung setzt. ( Ca. 500 000 Besucher und besichtigen jedes Jahr das Schiffshebewerk Niederfinow. ) Die Besucher aktivieren - sofern noch möglich - Gelerntes aus dem Physikunterricht. Echte "Wer-wird-Millionär"-Fragen stehen im Raum, darunter die: Warum behält der Trog auch mit einem eingelaufenen Lastkahn sein Gewicht von 4290 Tonnen? Antwort: Weil das verdrängte Wasser dem Schiffsgewicht entspricht. Oder: Warum werden bei der Abwärtsfahrt die 192 Betongegengewichte und ihre Aufhängungen nicht leichter, weil die auf den oberen Seilscheiben bereits hinweg gelaufenen 192 Drahtseile mit ihrer enormen Eigenlast nun das Troggewicht doch vergrößern müssten? Antwort: Die Erbauer, eine deutsche Firmengemeinschaft, haben an den Gegengewichten wiederum Seilausgleichketten angebracht, die alles im Gleichgewicht halten, so dass auch für die Trogbewegung relativ wenig Energie benötigt wird. Das ingenieurtechnische Kunststück und der augenfällige Sinnreichtum des Hebewerkes, dessen Schöpfer alles bedacht haben, was bei einem Schiffslift wichtig ist, fasziniert und fesselt die Besucher noch heute.

Schiffshebewerk Niederfinow - Europas größter Schiff-Fahrstuhl und älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands

Schiffshebewerk Niederfinow
Das Schiffshebewerk in Niederfinow - Foto: © -wn-
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Wasser und Stahl scheinen hier ihr gegensätzliches Wesen zu verlieren, und auch die waldreiche Landschaft hat den 60 Meter hohen und 94 Meter langen, meisterhaft verstrebten Koloss in sich aufgenommen, ohne dass das Auge einen sonderlichen Bruch wahrnähme. Von der umlaufenden Galerie blickt man ostwärts zunächst auf die Lieper Schleuse, über die der alte Finow-Kanal in die Oder-Havel-Wasserstraße mündet, und weiter hinten öffnet sich das ausgedehnte Oderbruch. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hebewerkes, auf der Höhe der sogenannten Scheitelhaltung, dem am höchsten gelegenen Teilstück des Oder-Havel-Kanals, kam dem Lyriker Uwe Berger (geb. 1928) vor Jahren die Idee zu seinem von Fernweh durchhauchten Gedicht "Schiffe bei Niederfinow". Er beobachtete ein oderwärts einfahrendes Schiff. In einem Vers des Gedichtes heißt es: "Hinter dem Deckhaus mit weißer Gardine / schließt sich das Trogtor; all das muss sinken. / Durch die Kraft der bewährten Maschine / schwindet die Frau und ihr junges Winken." Doch bei aller Attraktivität ist das vielbesuchte, geschichtsträchtige Hebewerk hoffnungslos veraltet. Fahrzeugen mit bis zu 110 Metern Länge, wie sie heute üblich werden, ist die Passage wegen der zu kurzen Troglänge verwehrt. Deshalb entsteht zurzeit gleich nebenan, am selben Hang der neue Aufzug, 130 Meter lang und 60 Meter hoch. Der Trog wird 115 Meter messen. Auch das neue Hebewerk wird besucherfreundlich sein. Die Interessierten werden allerdings nicht mehr außen auf einer Galerie um das Bauwerk, sondern innen, durch die Neukonstruktion geführt, damit sie die Technik aus nächster Nähe sehen. Der publikumswirksame Mythos von Niederfinow bleibt: Jedes der ankommenden Flussschiffe wird für wenige Minuten ein "nassgefördertes" Luftschiff sein.

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