Berliner Kammergericht

Das Berliner Kammergericht ist das älteste noch existierende Gericht in Deutschland. 1468 wurde es zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Das Kammergericht in Berlin Schöneberg

Versteckt liegt das mächtig wirkende Kammergericht hinter zwei antiken Säulenreihen. Das Kammergericht hat bewegende Zeiten hinter sich. Historische Ereignisse spielten sich hier ab; 1945 fand hier das dunkelste Kapitel Berliner Gerichtsgeschichte statt. Doch wie fing alles an und was ist das Kammergericht genau?

Das Kammergericht in Berlin

Das Kammergericht ist das höchste Berliner Gericht und steht über den Amtsgerichten und dem Landgericht, jedoch unterhalb des Bundesgerichtshofs. 1734/35 wurde das ehemalige Kammergericht (damals das höchste Gericht in Preußen) nach Plänen von Philipp Gerlach errichtet, doch irgendwann war das Gebäude zu klein. Ein neuer Sitz für das Kammergericht musste her. Der ideale Standort war der Heinrich-von-Kleist-Park. Hier hatte für mehrere Jahrhunderte der Botanische Garten sein Zuhause, bis er an seinem jetzigen größeren Standort nach Dahlem wechselte. Nach dem Bau der Mauer war im alten Gebäude des Kammergerichts das Berlin-Museum untergebracht, jetzt befindet sich hier ein Teil des jüdischen Museums. Gebaut wurde das neue Kammergericht 1909-13 in neobarocker Form - es hat ungefähr 500 Räume. Die Einweihung war am 18.September 1913. Doch dann kamen die Nationalsozialisten an die Macht. Sie gründeten den Volksgerichtshof und das dunkelste Kapitel in der Geschichte des Kammergerichts begann. Vom 7.-8. August 1944 fanden im Gebäude des Kammergericht der Schauprozess gegen die Beteiligten und Unterstützer des Attentats vom 20. Juli 1944 statt. Die Beteiligten wurden zum Tode verurteilt und in Plötzensee hingerichtet. Vorsitzender dieses Schauprozesses, der auch gefilmt wurde, war der berüchtigte jähzornige Richter Roland Freisler. Ihm machte es besonders Freude die Angeklagten zu demütigen. Ironie des Schicksals - Robert Freisler starb bei einem Bombenangriff am 3. Februar 1945. Als er in den Keller des Volksgerichtshofs flüchten wollte, wurde er von einem herabstürzenden Balken erschlagen!

Das Berliner Kammergericht früher:

Das Kammergericht in Berlin
Das Kammergericht in Schöneberg
Foto: © Tom Klimmeck

Das Kammergericht hat bewegende Zeiten hinter sich - 1945 fand hier das dunkelste Kapitel in der Berliner Gerichtsgeschichte statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmten die vier Siegermächte das Gebäude zum Sitz des Alliierten Kontrollrats. Doch nach heftigen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Alliierten und der Sowjetunion verließ am 20. März 1948 der sowjetische Vertreter die Sitzung des Kontrollrats . Auch die Luftsicherheitszentrale hatte ihren Sitz im Gebäude. Das Kontrollratsgebäude war Zeuge eines wichtigen Meilensteins in der Geschichte der deutsch-deutschen Beziehungen. Das Schluss Protokoll des Viermächte-Abkommens über Berlin wurde am 3. Juni 1972 im Kontrollratsgebäude unterzeichnet. Die Sowjets garantierten in dem Viermächte- Abkommen den unbehinderten Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin. Seit der Wiedervereinigung hat das Kammergericht seine alte Heimat wieder. Und was für eine Bedeutung haben die zwei antiken Säulenreihen? Die Königskolonnaden oder Kleistkolonnaden entwarf der Berliner Architekt Carl von Gontard zwischen 1777 und 1780. Sie standen ursprünglich in der Nähe vom Alexanderplatz. 1910 mussten sie dem zunehmenden Verkehr weichen und wurden im gleichen Jahr am Heinrich-von-Kleist-Park wiederaufgebaut. Weitere Gerichte in Berlin
Text: R. H. / Stand: 20.04.2019 / Alle Angaben ohne Gewähr!

Adresse:
Kammergericht Berlin
Elßholzstr. 30
10781 Berlin Schöneberg
Tel: 030/ 9015-0

Anfahrt zum Kammergericht Berlin

U-Bahn: U 7 bis Kleistpark
Bus: 106, 187, 204, M48, M85 bis Bhf. Kleistpark

Öffnungszeiten des Kammergericht Berlin

Das Haus ist wie folgt geöffnet:
Mo - Mi: 07:25 Uhr - 16:20 Uhr
Do: 07:25 Uhr - 18:00 Uhr
Fr: 07:25 Uhr - 14:35 Uhr

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