Palais am Festungsgraben

Palais am Festungsgraben in Berlin
Das Palais am Festungsgraben hinter dem Kastanienwäldchen - Foto: © -wn-

Das Palais am Festungsgraben in Berlin Mitte befindet sich in unmittelbarer Nähe der Neuen Wache und des Maxim-Gorki-Theater. Im Gebäude gibt es eine tadschikische Teestube und das Theater im Palais.

Das Palais am Festungsgraben: Diener Donners Domizil

Spot aus, Licht an, Pause - Essenfassen! Ein ordentlicher Schlag seimiger Kartoffelsuppe wird verabreicht - die kulinarische Beigabe zum Friedrich-Zwei-Abend im Theater im Palais am Festungsgraben - überschrieben mit "Prügelstock und Flöte - ein Mensch wird preußischer König". Die kräftig gewürzte "Soupe de pommes de terre", als die sie seinerzeit auf Friedrichs selbstredend französisch abgefaßten Speisezetteln erschien, steht hier im Theater für die eher frugale Tafel des Monarchen, die nach Meinung seines Biografen Johann David Erdmann Preuß "nichts weniger als üppig und prachtvoll, (sondern) mehr lecker", also gebremst hedonistisch war. Der Potsdamer Langzeitgast und französische Schriftsteller François Marie Arouet Voltaire (1694-1778) berichtet, Friedrichs "Tafel und die Tafel seiner Officiere und seiner Bedienten, war auf drey und dreyßig Thaler, ohne Wein, eingeschränkt". Mit dem betont demonstrativen Einverleiben von Kartoffelsuppe wollte der König den preußischen Erdäpfel-Gegnern vormachen, dass man die unterirdisch gewachsenen Knollen des von ihm zwangsweise eingeführten Nachtschattengewächses nicht ablehnen darf, nur weil, wie man ihm entgegen hielt, mit ihnen auch die Schweine gemästet werden. Das Eintreten für die Kartoffel hielt Friedrich nicht davon ab, sich öfters an der geliebten fetten, schwer verdaulichen Polenta, einem gebratenen käsehaltigen Maisgrießbrei, zu vergehen und damit erhebliche, chronische Züge annehmende Verdauungsstörungen auszulösen.

Das Palais am Festungsgraben

So knallhart kalkuliert und sparsam er seine Kostgänger mitverpflegte, umso gebefreudiger war er beim Vergelten diverser Leistungen und Fügsamkeiten, die Kammerdiener und Kämmerer aus der eigenen sowie aus der Haushaltung der von ihm getrennt lebenden und mit dem Pankower Schloss Schönhausen endversorgten Ehefrau Elisabeth Christine (1715-1797) erbracht hatten. Von deren Kammerherren Heinrich Graf von Lehndorff (1727-1811) wissen wir, dass namentlich der bevorzugte Kammerdiener Johann Gottfried Donner für die sich langweilende Königin aufheiternde Events veranstaltete. Am 21. November 1753 schreibt Lehndorff ins Tagebuch: "Nach dem Souper bei (dem französischen Gesandten) La Touche gehe ich auf einen Ball, den der Kammerdiener der Königin, Donner, gibt, wo ich bis 4 Uhr früh bleibe. Es gibt doch nette Bürgersleute, amüsiere mich vorzüglich." Wenige Wochen später lesen wir Ernüchterndes aus seiner Feder: "Die ewigen Gefälligkeiten, die man (der Königin) erweisen muss, sind unerträglich, und der Gewinn, den man davon hat, ist gleich null." Es liegt nahe anzunehmen, dass sich Neid regt angesichts eines Geschenkes, das Friedrich dem Diener Donner um diese Zeit macht: den Baugrund für das Palais am später zugeschütteten Festungsgraben, der die Städte Berlin und Cöln umgeben hatte. Die kurze Straße, seit Mitte des 17. Jahrhunderts Am Festungsgraben genannt, verlief schon damals an dem "angenehmen Platz mit Castanienbäumen besetzt". Eines der fünf Häuser dieser Straße ist ein dreigeschossiger spätklassizistischer Putzbau mit fünfzehn Fensterachsen, das sich der Kammerdiener mit einem Kredit des Berliner Kunsthändlers Johann Ernst Gotzkowsky (1710-1775) auf dem kostenfreien Grund bauen ließ. Donner zog mit der Familie seiner Tochter in das Haus ein und wird unwissentlich zu einem Vorläufer der Mischnutzung von Gebäuden.

Im Hof des Hauses eröffnet er zusammen mit dem Schwiegersohn einen florierenden Holzhandel. In den ersten und zweiten Stock zieht Generalmünzmeister Johann Philipp Graumann (1706-1762) als Mieter ein, den Friedrich II. 1750 nach Berlin gerufen hatte. Graumann wird als Veränderer des preußischen Münzfußes bekannt; er erhöht den Silbergehalt des Talers, um einen Geldabfluß ins Ausland zu verhindern. Er tut auf Friedrichs Befehl genau das Gegenteil von dem, wozu der König in den 1760er Jahren den Münzpächter Nathan Veitel Heine (Chaim) Ephraim (1703-1775) angestiftet hatte. Dieser musste Münzen mit stark verringertem Silbergehalt bei gleichbleibendem Nominalwert prägen lassen, damit Geld für die Schlesischen Kriege da war. Nach Graumanns Tod wird im Donnerschen Palais eine neugegründete Direktion für Steuern und Zoll eingerichtet. Auf dem Dachboden über ihr befindet sich sogar ein Getreideschüttlager. 1759 wechselt die damals sehr bekannte Schuch'sche Theatertruppe vom Gendarmenmarkt ins Donnersche Palais über. Die Truppe führt auf ihren Gastspielreisen Stücke von Shakespeare, Lessing, Goethe und Schiller auf.

1787 verkaufte Johann Gottfried Donner das Haus an die königliche Finanzbehörde. Vier Jahre zuvor hatte er die Fassade im Stil der "hellenischen Renaissance" herrichten lassen; der heutige Säulenportikus wurde hinzu gefügt, das barocke Steildach durch ein flachgeneigtes ersetzt. 1808 wird das Gebäude Sitz des Finanzministeriums. 48 Finanzminister werden von nun an nacheinander in dem Haus amtieren. Der bedeutendste von ihnen ist wohl Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757-1831). 1804 zieht er als königlicher Finanz- und Wirtschaftsminister ins Palais ein. Er ist die Verkörperung eines heute seltenen Politikertyps: unverstellter Patriotismus, Sinn für die Zeichen der Zeit - und ansonsten um kein offenes Wort verlegen. Er scheut sich nicht, den Günstling und Worteingeber des handlungsschwachen Königs Friedrich Wilhelm III., Karl Leopold von Köckritz (1744-1821) öffentlich einen "eingeschränkten und ungebildeten Kopf ... von gemeinem Charakter und Denkart" zu nennen. Der Reformer von Stein geht als Initiator heutiger Selbstverständlichkeiten wie Schulpflicht und Gewerbefreiheit in die Geschichte ein. An den letzten Minister, Johannes Popitz (1884-1945), erinnert eine Gedenktafel links vom Eingang. Er wird wegen seiner Beteiligung am 20. Juli 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in Plötzensee ermordet.

Nach Umbau und Beseitigung der Weltkriegs-Schäden öffnete der Bau 1947 als Haus der Kultur der Sowjetunion, ab 1950 als Zentrales Haus der als Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (DSF), in dem sich Erich Honecker (1912-1994) gern mal ein rotes Pionierhalstuch umbinden ließ. Die von den SED-Funktionären liebedienerisch als ewig, immerwährend und unzerstörbar apostrophierte Freundschaft zum "Lande Lenins" entpuppt sich spätestens nach dem Verbot der sowjetischen außenpolitischen Zeitung "Nowoje wremja" (Neue Zeit) und des beliebten touristischen SPUTNIK-Journals als arrogante und besserwisserische Attitüde. Hinterm Kastanienwäldchen geht die Sonne der Freundschaft unter. Nach der Wende wird die Donnersche Tradition der Mischnutzung wieder aufgenommen. Besitzer ist nun das Land Berlin. Unter dem Namen Palais am Festungsgraben wird es regsam kulturell und gastronomisch genutzt. Eine Catering GmbH als Pächterin vermietet die restaurierten historischen Räume wie den 1863 eingebauten Marmorsaal, den Roten Salon mit seinen edel stoffierten Wänden und Vorhängen oder den Gelben Salon mit Zugang zur Terrasse mit Blick auf Neue Wache, Zeughaus und Universität. Im September 2004 richtete die Vertretung des Saarlandes beim Bund die Saarländische Galerie im Palais ein. So unbestritten aufwärts ging es mit Diener Donners Domizil.

Wie man zum Palais am Festungsgraben kommt:

Verbindung: U 6 und S 1, S 2, S 25 Bahnhof Friedrichstraße;
Bus 100, 157, 200, 348;
Tram 1, 50 (Haltestelle hinter dem Haus)

Im Palais befindet sich das Theaterrestaurant "Tadshikische Teestube" mit originalem Interieur.
Öffnungszeiten der Teestube:
Mo - Fr 16:00 Uhr - 23:00 Uhr
Sa und So 12:00 Uhr - 23:00 Uhr
Text: -wn- / Stand: 03.12.2018 / Alle Angaben ohne Gewähr!

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