Neue Wache in Berlin

Blick auf die Neue Wache in Berlin
Die Neue Wache am östlichen Ende der Straße Unter den Linden - Foto: © -wn-

Die Neue Wache in Mitte

Die Neue Wache ist eine beliebte Sehenswürdigkeit in Berlin Mitte. Erfahren Sie hier mehr über Öffnungszeiten und Anfahrt.

Die Neue Wache in Mitte

Die wichtigsten Informationen über die Neue Wache Berlin auf einen Blick:

Neue Wache
Unter den Linden
10117 Berlin

Inhalt:
In der Neuen Wache Berlin kann man eine Kopie der Skulptur "Mutter mit totem Sohn" von Käthe Kollwitz sowie eine Gedenkplatte besichtigen.
[ Mehr Infos ]

Öffnungszeiten der Neuen Wache

Mo - So 10:00 Uhr - 18:00 Uhr
Mehr Infos zu den Öffnungszeiten

Eintrittspreise Neue Wache

  • Eintritt frei

Weitere Gedenkstätten in Berlin

Die Neue Wache am Berliner Zeughaus - Denkort für Nachgeborene

Kasernen, Bunkern und Wachen ist gewöhnlich Gefälliges fremd. Niemand erwartet, dass sich Baumeister solcher funktionalen Bauten in der Kunstgeschichte etablieren.

Anders im 19. Jahrhundert. "Wachten im Innern der Städte werden gewöhnlich ... zum Schmuck bedeutender Plätze gebraucht und erhalten demnach eine zierlichere Form als die übrigen, nur Kriegszwecken gewidmeten, Militairgebäude", schreibt 1841 das "Archiv für die Officiere der Königlich-Preußischen Artillerie- und Ingenieur-Korps" und verweist auf ein Berliner "Wachthaus in edlem Styl". Gemeint ist die im Jahr 1818 vor dem Kastanienwäldchen erbaute Königswache, die - da sie Nachfolgerin einer abgerissenen Artillerie-Wache war - seitdem Neue Wache heißt und inzwischen die Zentrale Deutsche Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ist. Und der "Archiv"-Autor schlussfolgert sogar, dass mit der Neuen Wache die "schroffe Scheidewand, welche hier früher Militair und Civil schied" durchbrochen sei. Ahnte er, dass wir heute das vom Neuruppiner Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) entworfene Wach-Gebäude als eines der Hauptwerke des auf antike Vorbilder ausgerichteten deutschen Klassizismus betrachten?
Schinkel hatte sich beim Entwurf für diese an beiden Seiten mit Backsteinen gebauten Königs- oder Hauptwache von einem Kastell, einem römischen Heerlager, inspirieren lassen. Krug von Nidda, Korrespondent der Berliner "Zeitung für die elegante Welt", gibt im Oktober 1821 die neu entstandene Szenerie an der Linden-Allee mit den Worten wieder: "Die neue Hauptwache am königlichen Palais wird von gereiften dorischen Säulen getragen und von zwei schweren Kanonen gedeckt. ... Der Paradeplatz ist groß und mit Sand bedeckt, die Stärke der täglich aufziehenden Wache aber klein, und wird kein Bataillon überschreiten; eine für Berlin sehr mäßige Anzahl." Schinkels Genie zeigt sich vor allem darin, dass er dem relativ kleinen quadratischen Bauwerk mit seinen wuchtigen, nach außen drängenden Eckrisaliten (Vorsprüngen) sowie dem ostentativ heraus gebauten Portikus mit der schlachtlenkenden Siegesgöttin im Giebelfeld eine derartige visuelle Größe geben konnte, so dass die Universität links und das Zeughaus rechts nicht erdrückend wirken. Dieser ästhetische Eindruck unterstützt nun auch die damalige zweite Funktion des Wachhauses, eine würdige Gedenkstätte für die Gefallenen der napoleonischen Kriege zu sein.

Skulptur Mutter mit totem Sohn von Käthe Kollwitz

Plastik Mutter mit totem Sohn von Harald Haacke
Die vom Bildhauer Harald Haacke angefertigte und im Innenraum der Wache aufgestellte Kopie der Plastik "Mutter mit totem Sohn" von Käthe Kollwitz - Foto © -wn-

Zwei schneeweiße Statuen aus dem Atelier des Bildhauers Christian Daniel Rauch (1777-1857), der auch das bekannte Reiterstandbild Friedrichs II. schuf, flankierten die Neue Wache: das Standbild des preußischen Generals Friedrich Wilhelm Freiherr von Bülow (1755-1816), den man wegen seiner Erfolge in den Befreiungskriegen, in der Leipziger Völkerschlacht sowie bei Waterloo auch den "allzeit glücklichen Bülow" nannte. Die andere Statue stellt den preußischen Heeresreformer Gerhard Johann David von Scharnhorst (1755-1813) dar. Dessen historische Leistung, die allgemeine Wehrpflicht und der Aufbau eines Volksheeres, wurden unlängst in Deutschland getilgt. Er und Bülow mussten 1951 ihre Standplätze verlassen, weil sie dem damaligen geschichtsverblendeten SED-Generalsekretär Walter Ulbricht (1893-1973) als ins DDR-Leben nicht passende Kriegstreiber erschienen. Heute sehen wir sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Der Bauherr des Ganzen wohnt seit 1793 schräg gegenüber im damals Königliches Palais genannten Kronprinzenpalais; es ist der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) und seine 1810 im Alter von 34 Jahren gestorbene Frau Luise. Wir haben es mit jenem gehemmten, wortkargen Monarchen zu tun, der nach der siegreichen Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 dem an ihr maßgeblich beteiligten Marschall "Vorwärts" Blücher seinen Dank in der Form einer stilistischen Kostbarkeit aussprach: "Schon wissen, lieber Blücher, immer große Stücke auf Sie gehalten. Ihre Sache ganz brav gemacht: Werde nicht vergessen." An der Einweihung der Neuen Wache mit feierlichem Wachaufzug am Morgen des 18. September 1818 nahm der angereiste russische Zar Alexander I. (1777-1825) teil.

Käthe-Kollwitz-Plastik in Berlin Prenzlauer Berg
Die Käthe-Kollwitz-Plastik des Bildhauers Gustav Seitz (1906-1969) auf dem Kollwitz-Platz in Prenzlauer Berg - Foto © -wn-
Der enge Freund des preußischen Königs war auf dem Weg zum Aachener Kongress, an dem sich die Monarchen aus den Sieger-Staaten der Befreiungskriege trafen, um Maßnahmen zur Eindämmung aufkeimender revolutionär-demokratischer Bewegungen in Europa zu beraten. Vorerst aber hatte der Zar an diesem Herbsttag mit Blutergüssen zu tun, die er sich am Vorabend in der Friedrichstraße Ecke Taubenstraße zugezogen hatte. Als er dort dem angetretenen, nach ihm benannten Regiment zu Pferde die Honneurs machen wollte, glitt der Schimmel mit den Hinterhufen auf dem glatten Straßenbelag aus, ging zu Boden, und der Zar knallte mit dem Hintern heftig auf die Avenue. Wilhelm tröstete den leicht aus der Fassung zu bringenden und depressiven Russen-Kaiser, indem er diesen von einem eigenen Unfall berichtete. In einer Augustnacht hatten die Pferde seiner Kutsche im Fichtelgebirge zwischen Thiersheim und Weissenstadt wegen eines plötzlich auftauchenden Signalfeuers gescheut und in Panik das Gefährt einen Abhang schräg hinaufgezogen.
Die Kutsche kippte; es entstand Totalschaden, und der König erhielt Quetschungen an Kopf und Brust. Mit blutunterlaufenen Augen hatte er am späten Vormittag Bamberg erreicht und Honoratioren wie Ehrenjungfrauen der Stadt in Schrecken versetzt.

Geschichte der Neuen Wache

Zu einem andersgearteten Unfall kam es 30 Jahre später vor der Neuen Wache. Es ist der 21. März 1848 - es ist Revolution in Berlin. Der von diesem Aufbegehren aufgeschreckte König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) machte am Morgen mit einer Armbinde in den Farben der Revolution (Schwarz-Rot-Gold) einen hastigen Goodwill-Umritt durch die Innenstadt, um sich den Revolutionären anzudienen. Der Bürgerwehr in der Neuen Wache soll er zugerufen haben: "Ich sehe euch hier auf der Wache, ich kann nicht genugsam in Worte kleiden, was ich euch danke; glaubt's mir." Doch plötzlich testete einer aus der Menge die schon für angebrochen gehaltene Demokratie. "Glaubt ihm nicht, er lügt! Er hat immer gelogen und lügt auch jetzt wieder!" habe der Mann gerufen.

Vor der Neuen Wache zu DDR Zeiten
Soldaten des DDR-Wachregimentes "Friedrich Engels" auf dem Weg zur Wachablösung vor dem Ehrenmal für einen Teil der Opfer des Faschismus und Militarismus (80er Jahre) - Foto © -wn-
Und tatsächlich: Nächsten Tages schreibt der Monarch seinem Bruder: "Die Reichsfarben musste ich gestern freiwillig aufstecken, um Alles zu retten. Ist der Wurf gelungen ..., so lege ich sie wieder ab!" Der mutige Rufer vor der Wache wird zwar abgeführt, bald aber wieder entlassen. Ein Zeit-Sprung: 1931 kommen wieder Bauleute. Auf Wunsch des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847-1934) gestaltet der Rostocker Architekt Heinrich Tessenow (1876-1950) das Kastell innen zu einem Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Auf einem mittigen Granitsockel liegt ein silberner Eichenkranz, gefertigt vom Münchener Bildhauer Ludwig Gies (1887-1966). Es vergehen wieder 30 Jahre, darunter die 1000 Jahre des Hitlerfaschismus, und das kriegszerstörte Kastell wird nun mehrere Jahre lang in ein Ehrenmal für einen Teil der Opfer des Faschismus und Militarismus umgearbeitet, zwei Urnen mit Überresten eines unbekannten Soldaten und eines KZ-Häftlings werden symbolisch bestattet. Ab 1960 brennt in einem Glasprisma ein Ewiges Gasfeuer. Im Vorfeld des deutschen Volkstrauertages 1993 verschwindet der "Glas- aschenbecher" (Friedrich Dieckmann) wieder, unberührt bleiben die Urnen.
Auf eine maßgebliche Initiative des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (geb. 1930), die das übliche demokratische Prozedere künstlerischer Wettbewerbe umgeht, wird die Halle in ihre heutige Form gebracht. Der Raum erhält an Decke, Wand und Boden das von Heinrich Tessenow geschaffene Aussehen zurück; auf den Granitsockel wird verzichtet. Helmut Kohl setzt stattdessen in den Gremien die Aufstellung der ihm seit langem vertrauten, auch Pieta genannten Plastik "Mutter mit totem Sohn" von Käthe Kollwitz (1867-1945) durch. Die von Harald Haacke (1930-2004) zu diesem Zweck angefertigte größere Kopie des Originals ist 1,52 Meter hoch. Schon die geäußerte Absicht Kohls, die Mutter-Figur, die die weltbekannte Künstlerin "allen Opfern von Krieg und Gewalt" widmete, in die Raummitte zu stellen, lässt das deutsche Feuilleton erbeben. Der Historiker Reinhart Koselleck (1923-2006) versteigt sich ausgerechnet in der ZEIT zu der Behauptung, bei der - an Gestalten Barlachs erinnernden - bronzenen Mutter, handele es sich eher um eine "aufgeplusterte Pieta". Manche Autoren machen geltend, dass die trauernde Mutter zumindest in keinem direkten Zusammenhang zu den vielen Opfergruppen steht, um die das heutige Deutschland trauert. Bei der Einweihung 1993 wurde deshalb eine Tafel angebracht, auf der klarstellend zu lesen ist:
"Die Neue Wache ist der Ort der Erinnerung
und des Gedenkens an die Opfer
von Krieg und Gewaltherrschaft.
Wir gedenken
der Völker, die durch Krieg gelitten haben.
Wir gedenken ihrer Bürger, die verfolgt wurden
und ihr Leben verloren.
Wir gedenken der Gefallenen der Weltkriege.
Wir gedenken der Unschuldigen,
die durch Krieg und Folgen des Krieges
in der Heimat, die in Gefangenschaft und
bei der Vertreibung ums Leben gekommen sind.
Wir gedenken der Millionen ermordeter Juden.
Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma.
Wir gedenken aller, die umgebracht wurden
wegen ihrer Abstammung, ihrer Homosexualität
oder wegen Krankheit und Schwäche.
Wir gedenken aller Ermordeten, deren Rechte auf
Leben geleugnet wurde.
Wir gedenken der Menschen,
die sterben mussten um ihrer religiösen oder
politischen Überzeugungen willen.
Wir gedenken aller,
die Opfer der Gewaltherrschaft wurden
und unschuldig den Tod fanden.
Wir gedenken der Frauen und Männer,
die im Widerstand gegen die Gewaltherrschaft
ihr Leben opferten.
Wir ehren alle, die eher den Tod hinnahmen,
als ihr Gewissen zu beugen.
Wir gedenken der Frauen und Männer,
die verfolgt und ermordet wurden,
weil sie sich totalitärer Diktatur nach 1945
widersetzt haben."

Der Museologe und CDU-Politker Christoph Stölzl (geb. 1944), der damals half, Kohls weltanschauliche Grenzen sprengende Intention umzusetzen, schrieb in einem Beitrag: "Der erhabene Raum Tessenow und die suggestive Wirkung der Trauerfigur von Käthe Kollwitz bewirken, dass fast alle Besucher stumm bleiben oder die Stimme senken." Wie das Holocaust-Denkmal Peter Eisenmans und die "Topografie des Terrors" in Kreuzberg, kann auch die Gedenkstätte in der Neuen Wache inzwischen als von einem Publikum ausdrücklich angenommen gelten, das meist und zu seinem Glück die vielzitierte "Gnade einer späten Geburt" für sich in Anspruch nehmen kann.
Text: -wn- / Stand: 01.06.2017

Alle Infos zur Neuen Wache auf einen Klick:

[ Zum Seitenanfang ]

Wichtige Informationen für Besucher der Neuen Wache:

Adresse:
Neue Wache
Unter den Linden 10117 Berlin Mitte

Ausführliche Öffnungszeiten der Neuen Wache:

Montag - Sonntag 10:00 Uhr - 18:00 Uhr

An besonderen Feier- und Gedenktagen, insbesondere am Tag der Deutschen Einheit, am Volkstrauertag und am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist nur ein eingeschränkter Besucherverkehr möglich.

Öffentlicher Nahverkehr:
Bus: Linie 100, 200, N2, TXL bis Berliner Staatsoper
Bus: Linie 147 bis Werderscher Markt
Straßenbahn: Linie 12, M1 bis Am Kupfergraben

[ Zum Seitenanfang ]

Gedenkstätten in Berlin: