Heinz Berggruen: Ein Leben für die Kunst

Das letzte Geschenk Heinz Berggruens an seine Heimatstadt Berlin trug den Titel "Große stehende Frau III", eine Skulptur von Alberto Giacometti. Ein wertvolles Abschiedsgeschenk, bevor er sich ein Jahr vor seinem Tod 2007 ins Private nach Paris zurückzog - jedoch nichts im Vergleich zu den Massen an Kunstschätzen, die er im Laufe seiner Karriere als einer der weltweit bedeutendsten Kunstmäzenen der Stadt Berlin vermachte.

Aus dem Lebenslauf von Heinz Berggruen

Ein reines Geschenk war es freilich nicht, als Heinz Berggruen, einer der bedeutendesten Kunstsammler des 20. Jahrhunderts, seine auf 750 Millionen Euro geschätzte Sammlung der Stiftung Preußischen Kulturbesitzes vererbte. Doch der Preis, den die Stiftung für die hochkarätige Sammlung aus Werken von Picasso, Klee, Giacometti, Cézanne und Matisse weit unter Wert zahlte, war nur symbolisch. Symbolisch auch der Dank Berlins an den edlen Stifter: seit 2004 ist Berggruen Ehrenbürger der Stadt Berlin. Die Sammlung, auf die sich eigentlich schon die National Gallery in London gefreut hatte, gilt als eine
der schönsten Privatsammlungen und ist in der Stiftung "Berggruen" gegenüber dem Schloss Charlottenburg zu sehen. Übrigens war es auch Berggruen, der seinen Freund, den Starfotografen Helmut Newton dazu überreden konnte, seine Fotosammlung der Stadt Berlin anzuvertrauen.

1914 in Berlin als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren startete der junge Berggruen eine Karriere als Fernsehjournalist und emigrierte früh in die USA. 1994 kehrte er als GI nach Deutschland zurück. Zwischen den Trümmern seiner zerstörten Geburtsstadt hielt es ihn allerdings nicht allzu lange; kurze Zeit später ließ er sich in seiner Wahlheimat Frankreich nieder. Dort gründete er seine erste Galerie und lernte alle seine großen europäischen Künstlerzeitgenossen kennen: Max Ernst, Hans Arp, Henri Matisse und Joan Miró. Er verkaufte ihre Kunst und behielt so manches Bild, wenn er es sich leisten konnte, für sich. Außerdem gelang es ihm, enge Kontakte mit Pablo Picasso zu knüpfen und sogar das Vertrauen der schwierigen Künstlerpersönlichkeit zu gewinnen. Als Händler und Berater stand er dem großen Franzosen schließlich bis an dessen Lebensende zur Seite.
( Mehr Informationen über das jüdischen Leben in Berlin - Centrum Judaicum )

Berggruen, der übrigens selbst Zeit seines Lebens niemals zum Pinsel gegriffen hatte, kehrte 1980 dem Galerie-Geschäft den Rücken und beschloss, sich ausschließlich seiner Sammlung zu widmen. Im Alter von 82 Jahren kehrte er nach Berlin zurück, schenkte der Stadt seine sammlung, ohne sich jedoch ganz von ihr zu trennen. Um ganz nah an seinen Bildern zu bleiben, bezog Berggruen mit seiner Frau Domizil im Dachgeschoss des Ausstellungshauses, dem Stülerbau gegenüber Schloss Charlottenburg. Mit 113 Meisterwerken im Gepäck versetze er seine Freunde in Staunen. Dass ein Jude heiter, ohne Groll, Vorwürfe und mit einem so großen Geschenk beladen freiwillig in das Land des Holocaust zurückkehrte, blieb für viele unverständlich. Für Berggruen war es laut eigenen Aussagen eine "Geste der Versöhnung". Vielleicht versteht man den großen Mäzen auch, wenn man seine gewaltige Sammlung als seine persönliche Zuflucht begreift, die jedem, der sich ihr öffnet, Trost anbietet und vielerorts auch Erinnerungen an die Kulturkämpfe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und damit die Wahnsinnigkeiten der politischen Zensur weckt.

Als Mäzen wollte sich Berggruen selbst übrigens nie verstanden wissen. In seinen Erinnerungsbüchern, die in den letzten Jahren zwischen Berlin und Paris entstanden sind, schrieb er, ein Mäzen kaufe Repräsentatives, ein Sammler aber sammle Kunstwerke um ihrer selbst willen. Und genau letzteres hat Berggruen ein Leben lang getan: hat sich in Bilder verliebt, hat sie gekauft und verkauft oder aber sie behalten und in Raten abgezahlt. Ein Leben für die Kunst. Ein Satz wie maßgeschneidert für Berggruen.
(Text: ak)


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