Georg von Rauch: Anarchist und Stadtguerillo in Berlin

"und wir schreien's laut:
Ihr kriegt uns nicht raus!
Das ist unser Haus, scheißt doch endlich
Schmidt und Press und Mosch aus Kreuzberg raus!"

In der Hausbesetzer-Szene ist der Rauch-Haus-Song der Berliner Band Ton Steine Scherben zum Evergreen geworden. Hausbesetzer-Zeiten sind zwar längst passé, doch das Georg-Rauch-Haus gibt es heute noch. Es ist einem Mann gewidmet, der bis zu seinem jungen Tod als der radikalste Anarchist Berlins galt.

Es war am 4.Dezember 1971, nachmittags kurz vor halb sechs, als Georg von Rauch durch einen Polizisten erschossen wurde. Der Schuss traf ihn mitten ins Auge, Rauch war auf der Stelle tot. Das sind die Fakten. Doch ob Rauch und seine beiden Freunde, die bei ihm waren, ebenfalls bewaffnet waren, wie viele Uniformierte und wie viele Zivilpolizisten vor Ort waren und wer die insgesamt 25 Schüsse abgegeben hat - all das wurde nie ernsthaft aufgeklärt. Rauchs Anhänger
jedenfalls sehen in ihrem Helden gern einen Märtyrer. Die Tatsache, dass von Rauch bei seinem Tod gerade einmal zarte 24 Jahre alt war, trug sicherlich zu dieser Stilisierung bei.

Georg von Rauch ein Anarchist?


Bis dahin war Rauch Mitglied des "Zentralrats der umherschweifenden Haschrebellen", eine politische Gegengruppe zu den dogmatischen kommunistischen Gruppen. Außerdem engagierte er sich in mehreren linken Initiativen, vor allem auf dem Gebiet der Bildungspolitik und in den Protestbewegungen gegen den Vietnamkrieg. Als Student lebte er in einer Kommune in der Wielandstraße in Berlin-Charlottenburg, eine WG von ca. zehn bis 20 Mitbewohnern, dessen Hauptmieter übrigens der spätere SPD-Politiker Otto Schily war. Die berühmt-berüchtigte "Wielandkommune" praktizierte einen bewusst anti-bürgerlichen Lebensstil, wobei - wie in vielen Kommunen - sexuelle Experimente und exzessiver Drogenkonsum an der Tagesordnung waren. Die Gruppe wollte das Recht auf freien Rausch durchsetzen und veranstaltete Gegenaktionen wie ein öffentliches "Smoke-in" im Berliner Tiergarten, bei dem 400 Personen unter den Augen der tatenlos zusehenden Polizei "Dope" rauchen. Ihren Lebensunterhalt "verdienten" sich die WG-Genossen u.a. durch routinemäßigen Ladendiebstahl, den so genannten "proletarischen Einkauf". Inspiriert von der Stadtguerilla-Idee der Tupamaros in Uruguay und den anti-imperialistischen und sozialrevolutionären Schriften linker Vordenker wie Che Guevara und Mao Zedong keimte im Umkreis der Wielandkommune der Gedanke, dass nur eine "Avantgarde" revolutionärer Kämpfer in den Großstädten des Westens, wie eben Berlin, zu "wahren Verbündeten der Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt" werden könne.

Ob Rauch Verbindungen zu der Baader-Meinhof-Clique hatte, wurde ebenfalls nie geklärt. Die einzige Straftat, die ihm tatsächlich nachgewiesen werden konnte, bestand darin, dass Rauch einen Journalisten der "Quick" verprügelte, die über den Bombenanschlag auf's KaDeWe berichtet hatte.

Heute erinnert in Berlin fast nur noch das Georg-Rauch-Haus als ältestes noch existierendes Hausprojekt an den linken Draufgänger. Es wurde vier Tage nach seinem spektakulären Tod besetzt und war mehrere Jahre vom Berliner Senat anerkannt als Anlaufstelle für obdachlose Jugendliche. Das Rauchhaus versteht sich noch immer als Selbsthilfeprojekt insbesondere von Jugendlichen aus sozial schwachen Schichten.
(Text: ak)

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