Hauptmann von Köpenick: Eulenspiegel des wilhelminischen Militärstaates

Fast jeder kennt den Hauptmann von Köpenick
Hauptmann von Köpenick
Der Hauptmann von Köpenick
Foto © Christoph Hellwig
als "edlen Räuber" aus Carl Zuckmayers gleichnamigem Theaterstück bzw. der Verfilmung mit Heinz Rühmann in der Titelrolle.
In dem "deutschen Märchen", so der Untertitel, nimmt Zuckmayer das Zucht und Ordnungsprinzip im militärisch geprägten Preußen aufs Korn und entlarvt die deutsche Obrigkeitgläubigkeit.

Das Stück basiert auf einer authentischen Geschichte. Wilhelm Voigt war allerdings ein weniger rühmlicher Geselle als er von Zuckmayer dargestellt wird.
"Ein als Hauptmann verkleideter Mensch führte gestern eine von Tegel kommende Abteilung Soldaten nach dem Köpenicker Rathaus, ließ den Bürgermeister verhaften, beraubte die Gemeindekasse und fuhr in einer Droschke davon".
So war es am 17.Oktober 1906 in den Berliner Zeitungen zu lesen.

Das Leben vom Hauptmann von Köpenick - eine Zusammenfassung


Bereits im Alter von 14 Jahren wurde der 1849 in Tilsit geborene Voigt erstmals straffällig: das Kreisgericht Tilsit verurteilt ihn wegen Diebstahls zu 14 Tagen Haftstrafe. Zu dem zeitpunkt, als er jene Tat in Köpenick begang, war er rund 50 Jahre alt und hatte ganze 30 Jahre seines Lebens hinter Zuchthausgittern verbracht, u.a. wegen schwerem Diebstahl und Urkundenfälschung. In Zuckmayers Stück will der frisch aus der Haft entlassene Voigt nun ein anständiges Leben beginnen, gelangt jedoch in eine bürokratische Zwickmühle. Denn ohne Papiere will ihm niemand in Berlin Arbeit geben, doch ohne Nachweis einer Arbeitsstelle stellen ihm die Behörden auch keinen Pass aus. Statt des erhofften Passes fällt ihm bei seinem Überfall auf das Köpenicker Rathaus jedoch lediglich die Stadtkasse in die Hand, die er allerdings kaum anrührte. Auch wenn der authentische Voigt beim Gerichtsprozess vorgab, ihm sei es nur um den Pass gegangen, so hatte er tatsächlich aller Wahrscheinlichkeit nach die zwei Millionen Mark im Visier, von denen er gehört hatte, dass sie im Panzerschrank des Köpenicker Rathauses lägen.
Nachdem ihn ein ehemaliger Zellengenosse, der von Voigts Plänen wusste, verpfiff, wurde Voigt zehn Tage später verhaftet und zu vier Jahren Gefängnisstrafe verurteilt.

Zu diesem Zeitpunkt war Voigt bereits in aller Munde. Zu seinem Prozess erschienen Journalisten aus aller Welt. Voigts Köpenickiade machte den deutschen Kadavergehorsam in ganz Europa lächerlich. Kaiser Wilhelm II., der über Voigts Geniestreich ebenso herzlich lachen musste wie die Bevölkerung, die die Behörden während Voigts Haftzeit mit Nachfragen, Grußbotschaften, Autogrammwünschen, Sendungen mit Schokolade oder Tabak und Ersuchen um Begnadigung überschüttete, zeigt sich milde und erließ Voigt die letzten beiden Knastjahre. Auch nach Voigts Freilassung riß die Welle der Sympathie und Fürsorge für Voigt nicht ab, so dass er bis an sein Lebensende mehr oder weniger sorgenfrei leben konnte. Dazu trug sicherlich auch die Tatsache bei, dass er sich quasi als "Eulenspiegel des wilhelminischen Militärstaats" auch über die Landesgrenzen hinweg bestens vermarkten konnte.

Jedenfalls wetzten sich an Voigts Schelmentat noch lange Zeit die Spottfedern der Presse. Manche Zeitungen publizierten sogar Sonderausgaben, die ausschließlich dem "Hauptmann von Köpenick" und seinem Gaunerstück gewidmet waren. Der Münchener "Simplizissimus" beispielsweise druckte ein Bild, das die Vernehmung der zehn Grenadiere zeigt, wobei diese vom Richter gefragt werden: "Ist Ihnen denn an dem falschen Hauptmann nichts aufgefallen?" "Doch", kam es prompt als Antwort zurück, "er war so anständig. Nicht ein einziges Mal hat er mit uns geschimpft."

Tipp: Im Heimatmuseum Köpenick gibt es zum Thema "Der Hauptmann von Köpenick" eine kleine, aber sehr anschauliche Ausstellung, u.a. mit Originalaccessoires. Mehr Infos unter: www.heimatmuseum-koepenick.de.
(Text: ak )

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