Grillen im Görlitzer Park: eine multikulturelle Party Bröckelnde Brunnen, zudringliche Dealer, angeblich verwahrloste Tiere auf dem Kinderbauernhof: Immer wieder sorgt der Görlitzer Park für negative Schlagzeilen. Trotzdem ist er ein wichtiges Stück SO36, aus Kreuzberg nicht mehr wegzudenken und vor allem der Anwohner liebster Grillplatz im Sommer.
Besonders die Anwohner grillen gerne im Görlitzer Park
Foto © Maciej Mamro


Erlaubt ist das Grillen offiziell auf zwei ausgewiesenen Flächen: die eine auf Höhe Curvy-, die andere nahe der Sorauer Straße. In der Praxis wird jedoch, vor allem an den Wochenenden, der ganze Park zu einer einzigen großen Räucherparty. Wer exzessives multikulturelles Fleischrösten liebt, ist hier genau richtig.

Auch sonst hat die Anlage einiges zu bieten: im "Edelweiss" kehren diejenigen ein, die sich lieber bekochen lassen, statt selbst den Grill anzuwerfen, zahlreiche Spielplätze und der Kinderbauernhof sorgen für die Belustigung der lieben Kleinen. Auch sportlich kann man sich betätigen: z.B. auf dem Fußballplatz oder beim Skaten. Am Spreewaldplatz, dem ehemaligen Bahnhofsvorplatz, lockt außerdem ein Hallenbad mit Sauna.

Interessant ist auch die Geschichte des Parks: Hier befand sich früher ein Bahnhof,
der heute noch im Namen der nahen U-Bahn-Station verewigt ist. 1866 wurde der Görlitzer Bahnhof vom Preußischen König eingeweiht und diente fortan dem Rohstofftransport aus den Kohleabbaugebieten in der Lausitz sowie dem Pendelverkehr in die Berliner Vorstädte. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Strecke für den Personentransport stillgelegt, nur der Güterverkehr lief weiter.

Der Plan, hier eine Grünanlage zu errichten, entstand bereits Ende der 50er Jahre, andere Stimmen forderten statt dessen eine Schnellstraße. Nachdem 1968 auch der Güterverkehr eingestellt worden war, verfiel die Anlage und verkam zu einem Müllplatz. Erst auf Initiative des Vereins SO 36 und weiterer Engagierter konnte der Stadtpark schließlich durchgesetzt werden. 1980 begann die Wiederherstellung der Fläche, die, wegen der großen Umweltverschmutzung, auch rekultiviert und mit bodenverbessernden Maßnahmen behandelt werden musste.

1985 wurde dann mit dem Bau des Parks begonnen, der erst 1996 abgeschlossen war. 1998 wurde der vielbeachtete Pamukkale-Brunnen, eine Nachbildung der berühmten türkischen Sinterterrassen, eingeweiht, jedoch im folgenden Jahr wegen Frostschäden gleich wieder abgestellt und für die Begehung gesperrt. Noch heute tobt der Streit um seine Wiederherstellung.

"Typisch Kreuzberg" ist der Görli nicht nur wegen dieser bewegten und umstrittenen Geschichte. Türkische Großfamilien, Kindergruppen, Bongo-Spieler, Dealer, Jongleure und einfach ganz normale Leute, die hier ihre Freizeit verbringen, bieten einen bunten Querschnitt durch das Leben in SO36.
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Adresse:
Görlitzer Straße 1-2
10997 Berlin
BVG:
U1, U15 Görlitzer Bahnhof
Text: JJ

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