Berlin in der Kaiserzeit

Erfahren Sie hier mehr über Berlin in der Kaiserzeit. Wie haben die Berliner im 18., 19. und 20. Jahrundert gelebt?

Berlin im 18. / 19. Jahrhundert

Nach dem siegreichen Krieg gegen Frankreich 1870/71 erlangt der Hohenzollern-König Wilhelm I. die Kaiserwürde. Er wird fernab von Berlin im französischen Versailles gekrönt. In Berlin, dem Zentrum des Kaiserreiches, brechen damit die Gründerjahre an, was einen starken wirtschaftlichen Aufschwung bedeutet. In erster Linie wird dieser durch die französischen Reparationsgelder finanziert.

Berlin im 19. Jahrhundert

Mit dem Aufschwung und der immer weiter zunehmenden Industrialisierung erlebt Berlin eine gerade explosionsartige Bevölkerungszunahme. Waren es 1877 noch eine Million Einwohner, beträgt die Zahl 1905 bereits über zwei Millionen. Um diesem Strom an Zuwanderern städtebaulich gerecht zu werden, wird in Berlin 1879 die erste elektrische Straßenbahn der Welt in Betrieb genommen und nur drei Jahre später die Ringbahn eröffnet. Eine Kanalisation wird geschaffen, Markthallen entstehen und der Kurfürstendamm wird nach Paris Vorbild ausgebaut. Wissenschaft und Kultur florieren: prominente Vertreter sind etwa der Schriftsteller Theodor Fontane, der Maler Adolf von Menzel und der Bakteriologe Robert Koch. 1898 begründet Max Liebermann den Berliner Jugendstil. Um die Jahrhundertwende entstehen die ersten Großkaufhäuser wie das KaDeWe und Prunkhotels wie das Adlon.

Neben all diesem Glanz grassiert jedoch nach wie vor das Elend in Berlin. Während das wohlhabende Bürgertum in den vielen Theatern und den Boulevards im Müßiggängertum schwelgt, herrscht in den beengten Mietskasernen und Obdachlosenasylen im Norden und Osten der Stadt die Not. Die meisten Familien leben zusammen in kleinen 1- oder 2-Zimmer-Wohnungen. Besonders schlimm sind die Verhältnisse in den Kellerwohnungen, die teilweise nicht einmal einen Meter Deckenhöhe haben und ständig Nässe ziehen. Die Ärmsten hausen auf den Straßen und öffentlichen Plätzen, bis sie von der Polizei in Gewahrsam genommen werden. Wer sich heute einen Eindruck von den sozialen Verhältnissen in den Arbeiterbezirken des kaiserzeitlichen Berlins verschaffen will, geht ins Zille-Museum und schaut sich die Karikaturen des berühmten "Miljöh"-Malers an.

Berlin im 20.Jahrhundert

1914 tritt Preußen unter Kaiser Wilhelm II. euphorisch in den 1.Weltkrieg ein. In den Straßen Berlins herrscht eine ähnlich begeisterte Stimmung wie 1870, doch die Hoffnung auf einen erneuten Blitzsieg erweist sich als trügerisch. Stattdessen folgt eine Zeit großer Entbehrungen. Bald hungert ganz Berlin. Der Einführung der Groß-Berliner Brotkarte im Februar 1915 folgen weitere Rationierungen wie beispielsweise Karten für Zucker, Butter, Eier, Milch oder auch Seife. Im Frühjahr 1916 werden in allen Stadtteilen Berlins Suppenküchen organisiert. Insbesondere im darauf folgenden, schlimmen "Kohlrübenwinter" ist ein Großteil der Stadtbevölkerung auf diese Volksspeisung vollkommen angewiesen. An der Grenze der Erträglichkeit ihrer Lebensbedingungen angekommen, treten schließlich rund 300.000 Arbeiter in den Ausstand. Friedensdemonstrationen sind an der Tagesordnung. Sozialdemokratisch und kommunistisch gesinnte Widerstandsbewegungen rufen zur Revolution auf.

Nach der Niederlage Deutschlands im 1. Weltkrieg muss der Kaiser abtreten. Ab sofort ist Deutschland kein Kaiserreich mehr. Im November 1918 ruft stattdessen der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann vom Reichstag aus die Deutsche Republik aus.
Text: A. K. / Stand: 15.07.2019

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