Der Tegeler Forst - Von der Wildnis zum baufreien Erholungswald :

Einen eindrucksvollen Blick habe der preußische "Soldaten-König" Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) gehabt, weiß sein Biograf Christoph Friedrich Förster 1834 zu berichten.
Bäume im Tegeler Forst
Alte Bäume und schöne Wanderwege im Tegeler Forst.
Foto © -wn-
Allerdings habe sich dieser sonst so "offene zutrauliche Blick seiner blauen Augen bei aufgeregtem Gemüth" zu "schreckhafter Gluth" gewandelt. Zu einem solchen gefürchteten cholerischen Rappel war es offenbar im Herbst 1724 wieder einmal gekommen. Majestät geruhte zu toben. Man muss wissen: Der König, der in Berlin sechs Infanterieregimenter befehligte, der sich eine Elitetruppe aus 600 "Langen Kerls" ab einer Mindestgröße von 1,88 Meter leistete - ausgerechnet diesem dem Militärischen fetischistisch verfallenen Monarchen war jedweder Zugriff auf ein "Regiment an unsichtbarer Front" verwehrt - auf die nicht geringe Wilddieb-Schar. Wie die Plänkler, die auf dem Schlachtfeld den Feind mit Schüssen aus der Hecke irritierten, pirschten sie gedeckt durch Busch und Tann. In den noch Wildnissen ähnlichen, später mit Kiefern durchmischten Eichen-Buchen-Waldungen im Tegeler Forst, dessen südlicher Teil am Zusammenlauf von Tegeler See und Havel seine Grenze hat, schossen die Wilderer auf alles, was kreuchte und fleuchte und deckten sich so mit Wildbret ein. Systematische Kontrollgänge der Wildhüter sowie angedrohte und bereits verhängte Strafen wie Festungshaft oder selbst der Strang halfen kaum. Jedermann sah sich vor, nicht des Wildfrevels verdächtigt zu werden. Selbst Dichter bevorzugten es, anonym zu bleiben, wenn sie romantische Gedichte über Weidmänner schrieben. Das im 16. Jahrhundert nahe Innsbruck entdeckte "Ambraser Liederbuch" enthält das Jäger-Gedicht eines Lyrikers, der namenlos bleibt, auch wenn die Ballade auf kein jagdliches, sondern eher auf erotisches Vergnügen hinaus lief: "Es wolt gut jäger jagen, / wolt jagen die wilden schwein, / was begegnet ihm auff der heyde, / ein frewlein im weissen kleide, / ein zartes jungfrewelein."

Der Tegeler Forst in Berlin


In den Tiefen des heute 2169 Hektar großen Tegeler Forstes und in den Wäldern um Königs Wusterhausen knallte es weiter unentwegt. Deshalb erließ der enervierte König am 19. Oktober 1724 das "Edict, daß kein Wildprät ohne Producierung eines Attestats in den Thoren (nach Berlin) eingelassen werden soll".
Einer der Gründe für Friedrich Wilhelms Ärger: Er selbst war Jäger und betrieb rauschhaft - und gleichwohl gewinnbringend - die Parforce-Jagd, bei der das Wild mit Hundemeuten in Gehegen gehetzt und zusammengeschossen wurde. In einer Waldung nahe dem Templiner See südlich Potsdams hat sich der Name Saugarten erhalten. Wenige Monate vor seinem Tod im Sommer 1740 bietet der König dem Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau leiseweinend "seine besten Jagdhunde zum Geschenk" an, da "mein ältester Sohn kein Liebhaber der Jagd ist". Stimmt, aber mit Ausnahme von Friedrich Zwo werden alle weiteren Hohenzollern-Potentaten in den Wäldern um Berlin regelmäßig die Waffen sprechen lassen. Leider erfuhr Friedrich Wilhelm I. nicht, dass seine Wildsäue, die er sonst im Saugarten niedermachte, inzwischen selbst nach Berlin hinein streunen - mit der instinktiven Ahnung, dass sie dort wegen Menschennähe kaum erlegt werden können. Trotz der herangereiften Probleme, die die "Berliner Stadtschweine" den Gartenbesitzern, seltener Spaziergängern, bereiten, ist der damalige Fortgang der Ereignisse im und um den Berliner Wald eine Erfolgsgeschichte durch und durch. Alles spricht dafür, dass der Aufschwung in Richtung einer systematischen Waldbewirtschaftung und der Einrichtung eines Erholungswaldes maßgeblich im Tegeler Forst mit ausgelöst wurde. Der Forstwirt Friedrich August Ludwig von Burgsdorf (1747-1802) hatte auf Veranlassung von Friedrich Wilhelm II. das Revier als Sachwalter zugesprochen bekommen. Mit forstbotanischen Versuchen, darunter mit der Anlage ausgedehnter Pflanzwälder, wurde der Forstmann so populär, dass er bald zum Oberforstmeister der Kurmark Brandenburg avancierte. Er ist Autor des seinerzeit vielzitierten Standardwerkes "Forsthandbuch oder allgemeiner theoretisch-praktischer Lehrbegriff sämmtlicher Försterwissenschaften".

Wandern im Tegeler Forst


Nachdem die Berliner Kanalisationsverwaltung am Beginn der vergangenen Jahrhunderts - eher nebenbei - Besitzer mehrerer kleinerer Waldungen geworden war, wurde 1909 eine erste Berliner Forstverwaltung installiert, die heute in der waldreichsten europäischen Metropole Berlin für fast 29000 Hektar Waldbesitz verantwortlich ist. An ihrer Spitze stand der 1871 geborene Forstwirt Walter Grasso, der 1946 bei einem Verkehrsunfall mit einem Alliierten-Fahrzeug ums Leben kam. Dann im März 1915 das entscheidende Ereignis: Die Königlich-Preußische Forstverwaltung und der kommunale Verband Groß-Berlin schließen den weit reichenden "Dauerwaldkaufvertrag" ab, für den selbst der Begriff Jahrhundertvertrag zu kurz gegriffen scheint.
Sehr gern verpflichtete sich die Stadt, die zu 50 Pfennigen pro Hektar gekauften 10000 Hektar Waldfläche nur zu forstwirtschaftlichen oder zu Zwecken der Erholung der Berliner zu benutzen. Es heißt im Vertrag, der Käufer verpflichtet sich, "die gekauften Grundstücke weder ganz oder teilweise zu veräußern noch mit dinglichen Rechten zu belasten". Kein Bauland, heißt hier die Devise. Und so ist auch der Tegeler Forst als prominenter Teil des städtischen Dauerwaldes seither vielfältiger Erholungsraum, Refugium für Tiere und Pflanzen und Holzlieferant. Sofern man dort nicht einfach Waldesstille genießen will, kann man besonders interessante Orte aufsuchen wie den Standort des höchsten Berliner Baumes, einer alten Europäischen Lärche mit der beachtlichen Höhe von 43 Metern. Von Belang ist der umfänglichste Baum, die Dicke Marie, eine ca. 900 Jahre alte Eiche. Sie hat in 1,30 Metern Höhe einen Durchmesser von 2,10 Metern und einen Umfang von 6,65 Metern. In ihrer Nähe befindet sich das von Karl Friedrich Schinkel hergerichtete Schloss Tegel, das noch im Besitz der Erben der Familie Humboldt ist. Man sieht, der Tegeler Forst, der bereits 1550 von Kurfürst Joachim II. (1535-1571) als "Königliche Heyde" mit Waldanteil gegründet wurde, ist heute ein Areal, in dem Natur, Geschichte und Kunst "janz weit draußen" im schönsten Sinn zusammengehen.

Wie kommt man zu den Wanderwegen im Tegeler Forst?
Für Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel ist die U-Bahn U6 und die Station Alt-Tegel als Aussteigebahnhof anzuraten. Es gibt eine gute Beschilderung und Hinweise auf Wanderrouten. Mit dem Auto befährt man aus dem Stadtzentrum die Bundesstraße B2/B5 und biegt an der Anschlussstelle Kaiserdamm auf die Autobahn A111. Dann sollte die Abfahrt Waidmannsluster Damm benutzt werden. Parkraum gibt es wenig.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Wandern im Tegeler Forst!
( Text: -wn- )

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