Hans-Fallada-Haus in Carwitz

Text: -wn- (Journalist aus Berlin) / Letzte Aktualisierung: 30.04.2022

Eingang zum Hans-Fallada-Haus in Carwitz
Das Fallada-Haus in Carwitz - Foto: © -wn-

Hans Fallada (1893 - 1947) war ein deutscher Schriftsteller, der von 1933 bis 1944 in Carwitz lebte und arbeitete. Dort schrieb er u.a. die Romane "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt", "Wolf unter Wölfen" und "Der eiserne Gustav". Das Haus in dem Fallada damals lebte wurde zu einem Museum, das über sein Leben und seine Werke informiert.

Das Fallada-Haus in Carwitz - "Ruhe, jetzt wird gearbeitet!"

Schriftsteller neigen dem Einsamen zu. Mit diesem Anspruch zog sich der italienische Dichter Francesco Petrarca (1304-1374) auf einen Hof ins provenzalische Vaucluse zurück. Inspiriert von der Ruhe und klimatischen Sanftheit des entlegenen Tales schrieb er das berühmte Canzoniere, 366 Sonette auf die Dame Laura de Sade aus Avignon. Puritanisch und vom Weiblichen unangefochten lebte der amerikanische Autor Henry David Thoreau (1817-1862) in einer selbst gezimmerten Kleinstblockhütte am heute nach ihm benannten See bei Concord (Massachusetts). In seinem Buch "Walden" warb er für ein Leben im Einklang mit der Natur. Beide beendeten jedoch die Eremitage nach gewisser Zeit.

Die wichtigsten Infos für Ihren Besuch

Adresse:
Hans-Fallada-Gesellschaft e.V.
Hans-Fallada-Museum
OT Carwitz
Zum Bohnenwerder 2
17258 Feldberger Seenlandschaft
Tel: 039 831/ 20 359

Anfahrt:
Mit dem Auto:
A11 bis Gramzow, weiter auf der B198 bis Prenzlau,
weiter in Richtung Feldberg

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln:
RB 12 ab Oranienburg bis Templin,
weiter mit dem Bus

Öffnungszeiten des Fallada-Haus in Carwitz:

April bis Oktober
Dienstags bis Sonntags, Feiertags:
10:00 Uhr - 17:00 Uhr

November bis März
Dienstags bis Sonntags, Feiertags:
13:00 Uhr - 16:00 Uhr

Während der Wintersaison sind zusätzliche Öffnungszeiten für Gruppen nach Vereinbarung möglich.
Vom 24.12. bis zum 31.12. bleibt das Museum geschlossen.

Eintrittspreise im Fallada-Haus:

  • Erwachsene: 5€
  • Ermäßigt: 4€
  • Schüler: 3€
  • Kinder bis zum schulpflichtigen Alter: freier Eintritt
  • Familienrabatt: Zwei Erwachsene in Begleitung mindestens zweier ermäßigungsberechtigter Kinder zahlen ebenfalls den ermäßigten Eintritt. Außerdem gibt es ein Kinderrätselheft für den Museumsrundgang gratis!

Das Leben des Hans Fallada

Auch der Erzähler Hans Fallada (1893-1947) blieb nicht auf Dauer am Ort seiner inneren Emigration. Nach wechselvollem, von Sucht und körperlichen Zusammenbrüchen beschwertem Vorleben hatte er 1933 geglaubt, in Carwitz nahe Feldberg "einen der schönsten, stillsten Erdenflecke" gefunden zu haben. Als Schriftsteller einer "Neuen Sachlichkeit" zugerechnet und von den Nazis beargwöhnt, später diskriminiert, suchte er in Carwitz Ruhe. Möglich geworden war der Rückzug ins Ländliche erst nach dem finanziell einträglichen Welterfolg "Kleiner Mann - was nun?". Es ist die Geschichte des unpolitischen Buchhalters Pinneberg in der Depressionszeit um 1930.

Das Fallada-Haus in Carwitz

Das mit den endlich reichlich fließenden Honoraren bezahlte und aufwendig umgebaute Haus findet man auf einem Werder, der in den Carwitzer See hineinragt. Wer das als Museum gestaltete Wohnhaus besucht und sich zuvor draußen umsieht, versteht die Aufbruchsstimmung Falladas. Das Dorf liegt inmitten dunkelgrüner Wälder und zwischen vier malerischen Seen. Eine Steigerung des Entlegenseins ist kaum möglich. In diesem Milieu aus Schreibtisch, Kuhstall, Bienenhaus, Kartoffelfeld und Frühbeet sollten der Muse kräftige Flügel wachsen. Und in der Tat waren die elf Werder-Jahre zusammen mit seiner Frau Anna (Suse), den Kindern Uli, Lore (Mücke) und Achim produktiv und zunächst glücklich, soweit Letzteres mit dem Sanguiniker Fallada möglich war. Unter anderem entstanden "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst", "Wolf unter Wölfen" und die "Geschichten aus der Murkelei", die heute noch Kinderherzen erreichen, sowie Werke geringeren Anspruchs.

In seinem Text "Bei uns zu Haus" beschreibt er ein wachsendes disharmonisches Verhältnis zwischen Dichter und Bauer. Beim Einfangen des ausgeschwärmten Bienenvolkes sinniert er: "Sitzen sollte ich und Roman schreiben, der mir viel schönes Geld bringen wird, und hier steige ich für einen Bienenschwarm im Werte von zehn Mark in die Luft und gefährde dabei Glieder und Leben!" Jegliche Tätigkeit und Bewegung im Haus waren nach der Maßgabe "Ruhe, jetzt wird gearbeitet!" dem Manuskriptabfassen unterworfen. Falladas Anordnungen atmen den strikten Geist des Sabbatgebots im 5. Buch Mose: Geschirrspülen ohne Gesang, auf der Treppe nur in Strümpfen, Spielverbot für die Kinder im Vorderhof, Schaukeln, aber ohne Geschrei, alle Türen im Haus geölt. Selbst für den Hofhund ("Bettina kläffte unerträglich giftig!") gab es klare Ansagen. Er habe jeden Fremden "kurz und sachlich" zu melden, "und dann hat er seine Schnauze zu halten."

Das Ende der Carwitzer Zeit hätte nicht tragischer sein können. Ein längeres Liebesverhältnis Hans Falladas zur Hausangestellten Anneliese führte 1943 dazu, dass die langmütig gewesene Ehefrau Anna ihn und das Mädchen vor die Tür setzte. Als er im Jahr darauf restliche Sachen abholen wollte, deutete er ein Lächeln Annas als Geste des Spotts, geriet in Rage - und schoss mit einem Gewehr in ihre Richtung, ohne sie zu verletzen. Im Strelitzer Gefängnis saß er eine über dreimonatige Haftstrafe ab. Es ist der letzte bestürzende Tiefpunkt im Leben des Erzählers, der Anteil nehmend Milieu und Alltag der kleinen Leute beschrieben hatte und deshalb zu Recht heute nicht vergessen ist. In der Haft brachte er den fünfzig Jahre später kongenial verfilmten Roman "Der Trinker" zu Papier.

Nach einer 2001 beendeten Sanierung des Falladahauses steht nun ein neu gestaltetes Museum und authentischer Literaturort für Interessierte offen. Sechs Räume sind zu besichtigen, darunter das erhaltene Arbeitszimmer Hans Falladas, das Esszimmer sowie original nachgestaltete Räume einschließlich Veranda und Küche.

Veranstaltungen im Fallada-Haus

Jedes Jahr im Juli finden die Hans-Fallada-Tage statt mit Lesungen, Buchvorstellung und Gesprächsrunden statt.
Von Mitte Mai bis Mitte September gibt es freitags um 20:00 Uhr die Veranstaltung "Freitags bei Fallada". Jeden Freitag gibt es eine Lesung, musikalische Lesung oder auch Konzerte. Der Eintritt kostet ca. 6€ - 17€. Nähere Informationen dazu erhalten Sie direkt im Fallada-Haus Carwitz.

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