Schloss Britz

Schloss Britz in Berlin
Schloss Britz im Vorfrühling - Foto: © -wn-

Das Schloss Britz auf dem Britzer Gut

Das Schloss Britz ist ein ehemaliges Herrenhaus auf dem historischen Rittergut Britz. Wir informieren hier über seine Geschichte, die Öffnungszeiten und Termine für Veranstaltungen.

Schloss Britz in Berlin

Die wichtigsten Informationen über das Schloss Britz auf einen Blick:

Kulturstiftung Schloss Britz
Alt - Britz 73
12359 Berlin
Tel: 030/ 609 79 23-0

Inhalt:
Im Schloss Britz wird die Wohnkultur in der Gründerzeit veranschaulicht. Desweiteren gibt es wechselnde Ausstellungen.

Weitere Schlösser in Berlin

Das Britzer Gut: Stall für Kühe und Kultur - Adel verpflichtet, Adel verzichtet

Britzer Gut Kulturstall
Der ehemalige Kuhstall des Britzer Gutes ist seit Herbst 2011 ein Kulturstall, in dem Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden (Aufnahme im März) - Foto: © -wn-

Wie man weiß, hat manch einer Probleme mit dem Promovieren. Wird doch gerade hier verlangt, wissenschaftliches Denken und Urteilen nachzuweisen und die Beharrlichkeit zu zeigen, die man braucht, um sich nach Werten und Wägen anderer Texte eigene Einsichten abzuquälen. Die Plackerei will nicht jeder auf sich nehmen. Man staunt über Versuche nichtadliger und adliger Doktoranden, die sich auf eine Light-Variante des Promovierens verlegen. Die Pappenheimer geben unter Verminderung eigener Mühen Erkenntnisse anderer für ihre aus. Augenscheinlich gering schätzen sie die Devise des englischen Philosophen Francis Bacon (1561-1626), wonach erst selbst erworbenes "Wissen Macht" ist. Nur hatten sie nicht mit der Unbarmherzigkeit inzwischen entwickelter Suchmaschinen gerechnet, die auch den kleinsten geklauten Schriftsatz im World Wide Web aufspüren können.

Schloss Britz in Berlin Neukölln

Einen ganz anderen Fortgang nimmt in den 1740er Jahren das Promotions-Prozedere, dem der Doktorand Ewald Friedrich von Hertzberg (1725-1795) unterworfen ist. Der Titel-Bewerber, ein hinterpommerischer Adliger, wird später als der gebildetste preußische Minister nach Wilhelm von Humboldt (1767-1835) eingestuft. Außerdem verfolgt er in dem damaligen Dorf Britz hochgesteckte bäuerliche Interessen. Als Doktorand gerät er zunächst unverschuldet in eine Affäre besonderer Art. In höchsten Tönen hatte das Preußische Staatsministerium, die zuständige Zensurbehörde, seine Doktorarbeit mit dem Titel "Ius Publicum Brandenburgicum" (Öffentliches Recht in Brandenburg) gelobt; eine allumfassende Darstellung wird ihm attestiert. Letztlich aber verweigert die Behörde eine Druckerlaubnis aus politischen Gründen und damit auch den Dr. jur.; vermutlich weil Preußen gerade den unsicheren Übergang aus der strengen Ägide eines Soldatenkönigs in die Welt eines durchaus unberechenbaren, wenn auch Flöte spielenden "ersten Dieners des Staates" durchgemacht hat. Hertzberg fühlt sich in dieser misslichen Lage verpflichtet, umgehend eine neue Dissertation anzufertigen - nun eine Abhandlung über die Kurfürstentage, die offiziellen Treffen der Potentaten des Heiligen Römischen Reiches. Mit der wiederum hochgelobten Schrift empfiehlt sich der Autor - ausgerüstet mit einem ehrlich erworbenen Dr. jur. - für eine Verwendung in der preußischen Administration. Ohne Verzug wird er als Gehilfe im Geheimen Kabinettsarchiv eingestellt. Doch was geschieht nun? Obwohl man ihm einen Mangel an Karriere-Willen nicht nachsagen kann, verzichtet er von Anfang an auf das Führen des so hart erarbeiteten akademischen Grades, weil, wie er erklärt, "ein altes deutsches Vorurtheil dafürhält, dass so viel Gelehrsamkeit sich nicht mit dem Adel" verträgt.

Über Schloss Britz

Zwar ist er nun preußischer VIP, der bald das besondere Vertrauen des Königs gewinnt, bleibt aber Bauer mit Leib und Seele. Er sitzt später als Außenminister im Kabinett und ist gleichzeitig erfolgreicher Betreiber des Britzer Gutes. Es heißt, Hertzberg habe aus dem Hof ein Mustergut gemacht. Denn keineswegs besuchte er das Anwesen nur zum Zwecke der Erholung, etwa um sich daran zu erfreuen wie sein Stolz, die graugescheckten Pommerngänse gravitätisch über den Gutshof watscheln - unter Führung des schwergewichtigen Ganters, der nach allen Seiten mit drohenden "Lat mi in Ruh"-Blicken für geordnete Verhältnisse zu sorgen trachtete. Nach Angaben eines Berlin-Lexikons von 1804 liegt das Dorf Britz eine Dreiviertel Meile von Berlin entfernt und "hat 35 Feuerstellen und 267 Menschen". Weiter heißt es: "Dieß Dorf gehörte dem ... Staatsminister Graf Hertzberg, welcher hier eine große Seidenbau-Anstalt unterhielt. Jetzt besitzt es der Hr. Rittmeister Hertzberg"; es ist mittlerweile der Bruder Ernst Rudolph. Zum Britzer Musterbetrieb gehören eine Brennerei und eine Brauerei. Die 70 bis 80 Friesen-Rinder werden im Stall mit der nahrhaften Schlempe, einem Brennerei-Rückstand, gefüttert; den Rest ihres Futterbedarfes holen sich die edlen Wiederkäuer während der ihnen planvoll zugeteilten Stunden auf der Weide. Die Hertzbergs verhelfen der Koppelwirtschaft und der Stallfütterung mit zum Durchbruch. Auch der evangelische Theologe und Geograf Anton Friedrich Büsching (1724-1793) - übrigens als Namensgeber für einen Einschlagskrater im Süden der Mondvorderseite geehrt - ist stark beeindruckt. In seiner Darstellung einer "Reise von Berlin nach Rehahn" (bei Brandenburg) von 1775 geht er derart ins Detail, dass ein Rezensent ironisch schreibt, Büsching habe in Britz keinen Gänsestall unerwähnt gelassen. Das im Jahre 1753 gekaufte Anwesen sei bis dahin "ein unbeträchtliches, wenigstens nur mittelmäßiges Gut (gewesen), allein von der Zeit an besitzt es ... Herr Minister Hertzberg, der es durch seinen klugen Fleiß, und insonderheit durch die kluge Nutzung seiner Lage nahe bey der Hauptstadt, zu einem der wichtigsten Güter in der Mark gemacht hat", heißt es in Büschings Britzer Bericht.

Offensichtlich störte es Friedrich II. (1712-1786) nicht, dass sein enger Vertrauter viel Kontakt mit Rind, Raupen und Geflügel hat. Natürlich lässt dieser im Umgang mit dem Monarchen den Dr. jur. nicht durchscheinen, denn der ehrgeizige Friedrich ist nicht promoviert, hätte jedoch auf wissenschaftlichem Gebiet gern den Dilettantenstatus abgelegt. Ja, wäre er nicht so oft auf dem Kriegspfad gewesen ... Hertzberg übernimmt 1780 redaktionelle und freilich auch Laufburschen-Dienste für den Monarchen, der dabei ist, sein Werk "De la Littérature Allemande" (Über die deutsche Literatur) in Berlin drucken zu lassen. Das Opus verrät zwar Werkkenntnis, hat aber eine abschätzige Diktion. Der redaktionelle Briefwechsel beider Männer lässt Friedrichs Wertschätzung für den Britzer Landwirt erkennen; "Ich bin mit Achtung Friedrich" endet eines der kurzen Schreiben. Hertzberg, von Amtes wegen um diese Zeit schon "Seine Exzellenz der Staats- und Kabinettsminister", übt sich in verzichtender Bescheidenheit und unterzeichnet seine vom hartköpfigen Friedrich meist nicht akzeptierten sprachlichen Hinweise einfach mit "Hertzberg". Er muss sich manches Widerwort verkniffen haben. Denn im Gegensatz zu Friedrich, der an seiner "Französelei" Zeitlebends festhält, ist Hertzberg von starkem Nationalgefühl erfüllt und besitzt ein sensibles Verhältnis zu deutscher Sprache, Geschichte und Literatur. Zahlreiche andere, dem König wichtige Aufgaben muss der Britzer Gutsherr erledigen. Nach dem Ende des Zweiten Schlesischen Krieges gegen Österreich (1744-1745) hat er Aktenauszüge für den König beizubringen, damit dieser sie in seinen Essay "Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg" einarbeiten kann. Auch mit dem dritten dieser Kriege, dem Siebenjährigen (1756-1763), hatte er zu tun.
Zunächst war es sein Auftrag, das "Mémoire raisonné" zu verfassen, mit dem Friedrich seinen Einmarsch 1756 in Sachsen völkerrechtlich zu begründen sucht. Und schließlich führt er 1763 in Hubertusburg nahe Oschatz die Friedensverhandlungen für Preußen, die erfolgreich genannt werden, weil am Ende der "Status quo ante bellum" festgeschrieben ist - "so dass alle Eroberungen (wieder an Preußen) herausgegeben wurden" wie Friedrich-Biograf Franz Kugler (1808-1858) festhält. Die neue Situation unterscheidet sich indessen erheblich vom Vorkriegsstand: Vor den drei Schlesischen Kriegen lebten noch die 180000 preußischen Männer, die in den insgesamt 20 Schlachten umkamen.

Kirchsee in Britz
Blick auf den Britzer Kirchsee, an dessen Ostufer das Schloss steht - Foto: © -wn-
Am frühen Morgen des 17. August 1786 ist in Sanssouci die Reihe an Friedrich II. Mitternacht ist vorbei. Hertzberg befindet sich mit anderen Vertrauten des Königs in einer Seitenkammer des Sterbezimmers, hört den trockenen Husten des Sterbenden, der um Luft ringt. "Der Kammerlakai Strützki fasste ihn ... unter den Arm und hielt ihn aufrecht, um ihm Erleichterung zu gewähren. Allmählich veränderten sich die Gesichtszüge, das Auge ward matter und gebrochener; dann wurde der Körper ruhig, nach und nach schwand der Odem", berichtet Kugler. Friedrich stirbt sitzend, seine Leiche wird auf ein Bett gelegt. Wie der deutsche Historiker Leopold von Ranke (1795-1886) später schreibt, holt Hertzberg Friedrichs Nachfolger, den späteren König Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), zum aufgebahrten Toten. Der Herbeigerufene habe "am Fuß des Ruhebettes, auf das man den entseelten Körper gelegt hatte, denselben einige Minuten mit wehmütigster Teilnahme betrachtet und sich dann mit dem Minister entfernt, nachdem sie die Zimmer hatten versiegeln lassen." Der promovierte Britzer Bauer wird in diesem Moment gewusst haben, dass der wenige gebildete Nachfolger seinem Vorgänger und Onkel nicht im Entferntesten das Wasser würde reichen können.

Nicht wissen kann Hertzberg, dass er selbst keine zehn Jahre mehr zu leben hat. Mit seinem Tod stirbt jedoch die Kreativität im Britzer Mustergut nicht aus. Auch die Namen späterer Betreiber besitzen bis heute einen guten Klang. Und rund zehn Pommerngans-Generationen später herrschen Einfallsreichtum und Kreativität im Anwesen vor. Aus dem Schlösschen wird ein Hotel mit Restaurant; Werbeslogan: "Eine Oase mitten in Berlin". Aus dem gesamten denkmalgeschützten Gutshof entsteht 2009 ein Kulturzentrum. Dabei bleibt weiter eine Weide abgesteckt, auf der sich "buntscheckiges Viehzeug wie im 18. Jahrhundert (tummelt), als auf dem Gut eine mustergültige Bewirtschaftung begann", beschreibt das Periodikum "Concerti" die Britzer Verhältnisse. Fragt sich, warum eine Zeitschrift für das Berliner Musikleben über Viehzucht schreibt. Grund: Neben der Musikschule im ehemaligen Gutsverwalterhaus, neben dem Museum im früheren Pferdestall und nahe der in Bau befindlichen Freilichtbühne befindet sich der ehemalige Kuhstall, in dem heute bis zu 270 Menschen Musik hören können. Denn so wie aus der Berliner Schultheiss-Brauerei eine Kulturbrauerei wurde, wandelte sich der dem Britzer Schloss benachbarte ehemalige Kuhstall in einen Kulturstall, eine Räumlichkeit übrigens mit guter Akustik.

Und so erklingt zur Eröffnung dieses außergewöhnlichen Stalles im Herbst 2011 eine angemessene Musik, in der es zwar programmatisch nicht um "robuste Tierhaltung mit historischen Nutztierrassen" geht, in der aber doch - selbstredend nicht nachgeahmt, sondern musikalisch genial verarbeitet - Nachtigall und Wachtel schlagen und der Ruf des Kuckucks ertönt. Es ist eine von Sturm und Gewitter durchbrauste, dennoch frohgemute Sinfonie, deren Sätze Leitworte tragen wie "Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande" und "Lustiges Zusammensein der Landleute". Es ist die immer junge Pastorale, Ludwig van Beethovens 6. Sinfonie F-Dur op. 68 - keine Musik der Welt hätte den schönen Moment im Stall von Britz besser zum Klingen bringen können. So außergewöhnlich den Zuhörern das Ereignis erscheint - in einem Stall hat sich bekanntlich schon manches Bemerkenswerte zugetragen.
Text: -wn- / Stand: 10.08.2019 / Alle Angaben ohne Gewähr!

Wichtige Informationen für Besucher des Schloss Britz:

Adresse:
Kulturstiftung Schloss Britz
Alt - Britz 73
12359 Berlin
Telefon: 030/ 609 79 23-0

Öffnungszeiten vom Schloss Britz:

Montag geschlossen
Dienstag - Sonntag 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr

01.01., 24.12., 31.12. Geschlossen

Eintrittspreise Schloss Britz

Erwachsene 3€, ermäßigt 2€
Schüler 1€
Kinder bis 12 Jahre frei
Führungen Samstag + Sonntags 15:30 Uhr zzgl. 3€

Anfahrt zum Schloss Britz

Vom S- und U-Bahnhof Hermannstraße empfiehlt es sich, mit dem Bus M44 Richtung Buckow-Süd bis Fulhamer Allee zu fahren. Von dort sind es noch 250 Meter Fußweg zum Schloss Britz.
Mit dem Auto benutzt man die Autobahn A100 Richtung Dresden und fährt am Britzer Damm ab. Nach 1,5 Kilometer biegt man links in die Fulhamer Allee ein.

Bitte beachten Sie: Das Schloss ist nur bedingt rollstuhlgeeignet.

Veranstaltungen im Schloss Britz

Im Schloss und den Gebäuden auf dem Britzer Gut finden immer wieder interessante Veranstaltungen statt. Von Ausstellungen über Konzerte bis zum Weihnachtsmarkt ist für jeden etwas dabei. Nähere Informationen erfragen Sie bitte telefonisch.

Auswahl an Veranstaltungen 2018:

  • 03. + 04.11.2018 Carl Bechstein Wettbewerb
  • 17.11.2018 19:00 Uhr Zaubershow
  • 20.11.2018 - 17.02.2019 Ötzi - Der Mann aus dem Eis
  • 09.12.2018 19:00 Uhr Weihnachtliche Barockmusik
  • 14. - 23.12.2018 Nordische Märchenweihnacht

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