Das Leben in Berlin hat Vorteile und Nachteile

Leben in Berlin
Vorteile und Nachteile des Leben in Berlin - Foto: © shaman11

Erfahren Sie in diesem Artikel welche Vorteile und Nachteile das Leben in Berlin hat.

Nach Berlin ziehen oder nicht?

Berlin ist eine Stadt der Superlative, jedenfalls für deutsche Verhältnisse: Hauptstadt, größtes deutsches urbanes Zentrum und Metropole mit internationalem Flair. Deswegen fallen die Provinzpossen, die sich die Berliner Verwaltung und der Senat regelmäßig leisten, auch so besonders unangenehm auf. Man könnte aber auch sagen: Für den normalen deutschen Durchschnittsverstand ist Berlin einfach zu komplex. Die Berliner sind als Hauptstädter ohnehin jede Art von Großmannssucht gewohnt und kommentieren diese mit ihrer berühmten "Berliner Schnauze", die freilich auch selbst etwas anmaßend ist. Aber sie hat so herrliche Begriffe geschaffen wie "Fiesematenten" (abgeleitet aus der Einladung napoleonischer Soldaten an Berlinerinnen, ihr Zelt zu besuchen), "tschitscheringrün" (nach dem Besuch des russischen Außenministers in den 20er Jahren), "Gröfaz" (größter Feldherr aller Zeiten) oder "schwangere Auster" für die ehemalige hochmoderne Kongresshalle. Die Berliner Lebensart ist pragmatisch mit einer umwerfenden Offenheit für Blödsinn.

Wohnen in Berlin - die Vorteile - Leben nach der "eigenen Facon"

Das Leben in Berlin am Abend
Das Leben in Berlin hat viele Vorteile aber auch einige
Nachteile - Foto © davis

Keine Stadt Deutschlands realisiert den berühmten Toleranz-Spruch des Preußenkönigs Friedrich des Großen so umfassend wie Berlin. Hier steht der Punk neben dem Geschäftsmann auf dem U-Bahnsteig, relaxt der einzelne Alternative neben der türkischen Großfamilie im Park, und kommunizieren Autofahrer mit Straßenartisten. Das Leben nach den eigenen Vorstellungen und die vielfältigen Möglichkeiten, Gleichgesinnte zu finden, sind wohl das größte Plus von Berlin. Da alle Minderheiten zahlreich vertreten sind, kooperieren sie auch miteinander. Entsprechend riesig ist auch das kulturelle Angebot. Abgesehen davon, dass Berlin alle großen staatlichen Kultureinrichtungen sowieso gleich doppelt und mehr Museen als Paris hat, tun sich in jeder erdenklichen Sparte der Freizeitgestaltung immer gleich eine Reihe von Möglichkeiten auf. Selbst wer in Berlin einen äußerst speziellen Clubbesuch am Abend plant, hat ständig die Qual der Wahl.

Wohin in Berlin ziehen? - Kieze und Rückzugsgebiete

Entsprechend hat auch fast jeder Berliner Stadtbezirk seine Eigenart. "Mittendrin" in der Szene ist man im Prenzlauer Berg, im Friedrichshain und in Kreuzberg. Gehobener geht es in Charlottenburg und Wilmersdorf zu. In der so eingekreisten "Mitte" dagegen wohnt man nicht, sondern kommt zu Besuch. Wer mit der ganzen Berliner Hektik nichts zu tun haben will, wohnt an der Peripherie mit ländlichem bis kleinstädtischen Charakter. Darauf pochen sogar die Plattenbaubewohner in Marzahn und Hellersdorf. Köpenick und Spandau gelten fast schon als autonome Gebiete; ihre Bewohner fahren heute noch "nach Berlin", wenn sie in eine S-Bahn Richtung Zentrum steigen. Denn das wahre Leben spielt sich auch in Berlin nicht auf der Ebene eines abstrakten Metropol-Begriffs ab, sondern in den Kiezen. Das sind die unmittelbaren Lebensumfelder mit Eckkneipe, Kaufhalle, Bäcker, Apotheke und Dönerladen. Allerdings haben die meisten Kiezbewohner ein herzlicheres Verhältnis zu dem Currywurst-Budenbesitzer ihres Vertrauens als zu ihrem Wohnungsnachbar. Die Anonymität des Wohnens ist in Berlin sprichwörtlich und wird nur durch alternative Innenhöfe aufgebrochen. Man sollte sich also genau überlegen wohin man in Berlin zieht!

Soll ich nach Berlin ziehen?

Berlin ist außerordentlich gut durch den öffentlichen Nahverkehr erschlossen. Man gelangt nicht nur in jeden Winkel der Großstadt, sondern auch ganz bequem ins Umland. Die Lust auf Grün kann aber auch innerhalb der Stadtgrenzen gestillt werden. Große Parks und ganze Wälder, Havel-, Spree- und Dahmeufer oder Müggel- und Wannsee sind nur die Spitzen einer Erholungslandschaft, die sich auch bis in die am dichtesten besiedelten Wohngebiete zieht. Der Individualverkehr ist trotzdem stark ausgeprägt. Die großen Magistralen und der Autobahnstadtring sind nicht nur zur Rush-Hour gut frequentiert. Darüber hinaus gibt es in keiner deutschen Stadt mehr Mietwagenfirmen als in Berlin. Hier wird auch am meisten umgezogen und eingerichtet. Das betrifft nicht nur Wohnungen, sondern auch Gaststätten, Locations und Unternehmen. Ständig wird etwas neu eröffnet oder geschlossen. Die Baustellen auf den Straßen jedoch sind längst nicht mehr so verbreitet wie noch zu Beginn der 90er Jahre. Die Stadt durchgehend geöffnet. Supermärkte, Kaufhäuser und viele Geschäfte sind bis 22 Uhr offen, und wem mitten in der Nacht einfällt, dass er etwas essen möchte, ruft einen Pizza-Service an oder begibt sich zum "Späti" um die Ecke. Viele Kneipen und Clubs machen sowieso "durch".

Fazit: "Wohnen in Berlin" hat auch Nachteile

Wer seinen eigenen Lebensstil umsetzen und viele Impulse aufnehmen will, ist in Berlin richtig. Das Maß dafür lässt sich auch bis zu einem gewissen Grad steuern. Aber wer kein ausgeprägtes Wahlvermögen hat, gerät leicht in Trends, die nicht unbedingt zur eigenen Persönlichkeit passen. Die Idylle einer Dorfgemeinschaft findet sich in Berlin kaum, nicht einmal in den ländlichen Randbezirken. Hier werden eher Besitztümer abgegrenzt als Gemeinschaften geschlossen. Viele Berliner ziehen deshalb lieber in den "Speckgürtel" als in die etablierten Villengegenden. Das Angebot von Berlin punktuell wahrzunehmen, erscheint ihnen attraktiver als die ständige Verfügbarkeit. Im "Auge des Hurrikans" muss man schon recht stress-resistent sein. Verkehrslärm, viele Nachbarn, Hundehaufen, und die ständige Frage "Haste ma `n Euro" bzw. ungebetene Gegenleistungen gehören hier einfach dazu.
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Wohnen in Berlin

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