Boxhagener Kiez

Text: AK / Letzte Aktualisierung: 11.09.2020

Blick in den Boxhagener Kiez
Im Boxhagener Kiez gibt es viele schöne alte Häuser - Symbolbild: © ArTo - stock.adobe.com

Quirliges Kiezleben zwischen Boxi und Simon-Dach-Straße

Bevor der heute so schillernd bunte und mittlerweile auch schon fast komplett durchsanierte Kiez zwischen Simon-Dach-Straße und Boxhagener Platz, kurz "Boxi" genannt, zur neuen Trendwohnadresse avancierte, war es in dieser Gegend - historisch gesehen - immer ziemlich ruhig geblieben. So war die heutige Boxhagener Straße etwa im 17. Jahrhundert nichts als ein Feldweg über Ackerland zum Vorwerk "Boxhagen-Rummelsburg". Erst Mitte des 18. Jahrhunderts fingen böhmische Gärtner an, das Gebiet rund ums heutige Ostkreuz zu besiedeln. Durch die Industrialisierung entwickelte sich die Gegend schließlich zu einem dichter besiedelten Wohnbezirk, blieb jedoch bis zum Mauerfall ein reiner Industriearbeiterbezirk. Mehr über den Bezirk Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg

Der Boxhagener Kiez - Kreuzberg des Ostens

Mit der politischen Wende 1989 änderte sich alles: Hausbesetzer nahmen die vielen unbewohnten und fast durchwegs heruntergekommenen Häuserzeilen in Beschlag. Schwere Häuserkämpfe waren die Folge, als die Alteigentümer die Räumung der besetzten Häuser anordneten, um mit der Sanierung beginnen zu können. Neben den verbliebenen, alteingesessenen Friedrichshainern zogen die niedrigen Mieten der noch nicht sanierten Wohnhäuser scharenweise Studenten und junge Kreative aus dem benachbarten Kreuzberg über die Oberbaumbrücke, der Verbindungsbrücke zwischen Szene West und Szene Ost, hierher. Friedrichshain wurde damit zum "Kreuzberg des Ostens".

Die Simon-Dach-Straße heute

Seitdem ist vor allem in der Simon-Dach-Straße aber auch rund um den Boxhagener Platz ein Ballungsraum für Kneipen, Bars, Restaurants und Clubs geworden. Im Sommer stehen die Bürgersteige voller Stühle, Bänke und Tische - auch Touristen und Berliner aus anderen Bezirken zieht es dann zum Ausgehen in Scharen hierher. Von einem Geheimtipp - so zumindest wurde der Kiez noch Anfang des neuen Jahrtausends gehandelt - kann schon lange keine Rede mehr sein. Zahlreiche Gewerbetreibende, die mit ihren handverlesenen Produkten auf die alternative Kiezbewohnerschaft abzielen, haben sich inzwischen im Kiez niedergelassen. Darüber hinaus gibt es fast an jeder Ecke kleine Kultureinrichtungen wie Lesebühnen, Galerien, Kulturkantinen, Freilichtbühnen und -kinos. Bekannte Adressen sind beispielsweise das Zebrano-Theater oder das preisgünstige Kino "Intimes", welches, 1915 gegründet, zu den ältesten Kinos in ganz Berlin zählt. Für alle, die sich "in" fühlen und eines der angesagtesten Szeneviertel testen wollen, ist der Kiez genau das Richtige.

Der Boxi:

Der "Boxi" dient im Kiez als zentrale Erholungswiese, Treffpunkt, Kinderspielplatz und Marktplatz. Jeden Sonntag findet hier ein Wochenmarkt statt, auf dem neben frischem Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch und Backwaren auch Spezialitäten aus dem Ausland und der Region angeboten werden. Der beliebte Markt wurde jedoch 2004 von den Behörden zwangsverkleinert - Beschwerden von Anwohner waren der Anlass. Viele Kiezbewohner sind jedoch auch der Ansicht, der Markt habe seitdem an Flair eingebüßt.

Generell sorgen sich viele Bewohner um die Zukunft ihres Kiezes. Sie beobachten teilweise erzürnt, wie viele luxussanierte Wohnungen zum Domizil für eine ganz andere Zielgruppe werden: den trendbewussten aber betuchten (Neu-)Berliner, der die Mietpreise verdirbt und aus dem Friedrichshainer Kiez einen zweiten Prenzelberg macht. Entsprechend fängt es wieder an zu brodeln in Friedrichshain: brennende Autos und Anschläge auf wohlhabende Kiezbewohner oder hippe Szenecafés sind leider keine Seltenheit. Langweilig wird es jedenfalls nicht im Kiez, bleibt da nur ironisch-zynisch zu bemerken. Vielleicht empfiehlt es sich besser, überschüssige Energie in eines der unzähligen Kiezprojekte zu stecken - oder selbst eines zu gründen. Übrigens gibt es auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten in Friedrichshain-Kreuzberg.

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