Wrangelkiez in Kreuzberg

Text: AK / Letzte Aktualisierung: 11.09.2020

Der alte Görlitzer Bahnhof im Wrangelkiez
Der alte Görlitzer Bahnhof im Wrangelkiez ist ein beliebter Treffpunkt - Symbolbild: © Silvia Hohaus - stock.adobe.com

Wrangelkiez: Krawallzone und Nachtschwärmerparadies

Der Wrangelkiez, ein dicht bebautes, rund 46 ha großes gründerzeitliches Altbauquartier im Südosten Kreuzbergs zwischen Oberbaumbrücke, Schlesischem Tor und Görlitzer Park gelegen, ist als Problemkiez bekannt. Etwa 12.500 Menschen verschiedenster Nationalitäten leben hier. Streetworker haben alle Hände voll zu tun. Deutsch-türkische, rivalisierende Jugendgangs sind das Resultat hoher Jugendarbeitslosigkeit. Immer wieder steht der Kiez wegen Gewaltdelikten in der Negativpresse. Trotz alle dem haben viele Berliner und Neuzuzüglinge, in erster Linie Studenten, den Kiez für sich entdeckt. Entstanden ist ein lebendiges Stück Kreuzberg mit vielen kleinen Galerien, Buchläden, Clubs, Cafés und Restaurants mit internationaler Küche.

Historisch betrachtet war dieser Teil von Kreuzberg immer eine einkommensschwache Gegend. Der Görlitzerbahnhof als wichtiger Umschlagplatz machte das Gebiet zu einem bevorzugten Gewerbestandort und Arbeiterwohngebiet. Mitte des 19. Jahrhunderts zog es viele tausend arbeitsloser Landarbeiter hierher. Zunächst prägten Barackensiedlungen das Stadtbild, danach setzte der Bauboom ein. Mit der Teilung Berlins rückte Kreuzberg an den Stadtrand und verslumte zusehends. Wer es sich leisten konnte, zog weg. Nach dem Fall der Mauer war der Wrangelkiez wieder Berlin-Mitte - und hat damit Magnetwirkung für alle, die den quirligen Multikultimix zu schätzen wissen. Mehr über den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg

Wrangelkiez für Nachtschwärmer

Ausgeh-Adressen bietet der Kiez inzwischen jede Menge und zieht damit am Wochenende Nachtschwärmer aus ganz Berlin an. Zu den bekanntesten Nightlife-Destinationen zählt beispielsweise das Lido. Der ist Kreuzbergs Rock-, Indie-, Elektro-, und Pop-Wohnzimmercouch. Er steht mitten im Wranglerkiez, Ecke Cuvry-Schlesische Straße. Im Mai 2006 fiel der Startschuss für das Lido als Konzertbühne und Club. Seitdem gehört das Lido zu den wichtigen und angesagten Clubs der Stadt. Beliebt ist auch das Kato. Der Club im U-Bahnhof Schlesisches Tor existiert bereits seit 1993 und gilt als historischer Vorreiter der neuen Club- und Barlandschaft ums Schlesische Tor. Er lockt in erster Linie Fans aus den Bereichen Alternative, Punk, Ska, Hardcore, Metal & Rock. Wer's eher chic und trendy mag und auf Drum´n´Bass, Jazz, Funk, Electro und House steht, der geht ein paar Schritte weiter ins Watergate. Bei einem kühlen Drink kann man es sich hier in minimalistischem Design auf flachen Ledercouches bequem machen und im "Waterfloor", der unteren Etage des Clubs, einen tollen Ausblick auf die Spree und die "Skyline" des benachbarten Friedrichshain genießen.

Wrangelkiez - Multikulti:

Auch wenn die vielen neuen Szene-Lokale den ursprünglichen Charakter des Kiezes verändern, ist die Gegend nach wie vor eine der authentischsten, zentral gelegenen Berliner Kieze geblieben. An vielen Stellen findet man sie noch, die alte "Kreuzberger Mischung" mit kleinen Produktionsstätten, Handwerks- und Kulturbetrieben. In den zahlreichen Kiezläden kann man alles für den Alltag kaufen. Dazu gesellen sich bekannte Kulturbetriebe wie der Mitmach-Zirkus Cabuwazi, die Impro-Bühne Ratibortheater oder das Jugend- und Kulturzentrum "Schlesische 27".

Unübersehbar ist auch der kulturelle Einfluss der vielen türkischstämmigen Bewohner des Kiezes. Man sieht dies nicht nur an den vielen kopftuchtragenden Frauen, den vielen Gemüse- und Dönerläden, sondern z.B. auch an der "Umar Ibn Al-Khattab-Moschee", einer der wenigen großen Moscheen in Berlin. Der Prachtbau, benannt nach dem zweiten Kalifen der Sunniten, wurde mit einer großen Glaskuppel und vier Minaretten auf dem Brachland des ehemaligen von Autonomen niedergebrannten Supermarktes "Bolle" an der Wiener Straße errichtet und 2008 vollendet. Neben Gebets- und Veranstaltungsräumen gibt es dort auch Läden, Cafés und einen Frisör.
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