Weißer See Berlin

Weißer See in Berlin
Uferweg um den Weißen See - Foto: © -wn-

Der Weiße See in Berlin

Der Weiße See ist ein beliebtes Ausflugsziel im Sommer wie im Winter. Erfahren Sie hier mehr über den See:

Weißer See in Weißensee: Er lächelt und ladet zum Bade

Es fehlt im Zentrum Weißensees zwar das hohe Felsenufer des Vierwaldstädtersees, dessen amöbenhafte Ausformungen von den Schweizerischen Kantonen Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern eindrucksvoll umgeben sind. Auch der von wetterharten Hirten gefühlvoll gesungene "Kuhreihen und das harmonische Geläut der Heerdenglocken" geht der Südbarnimer Szene gänzlich ab - die Gemarkung zeigt sich nicht so wie sie Friedrich Schiller (1759-1805) als Bühnenbild des ersten Aktes im "Wilhelm Tell" vor Augen hatte. Schillers Schauspiel wird bekanntlich eröffnet mit dem Satz eines Fischerknaben: "Es lächelt der See, er ladet zum Bade". Trotzdem am Weißen See in Weißensee die geschilderten geografischen Sachlagen fehlen, die nach Schiller ein Gewässer so recht zum Lächeln bringen, so kann man doch sagen: Der Weiße See - natürlich, er lächelt auch! Nur lächelt das siebtgrößte und ziemlich überschaubare Berliner Gewässer mit seinen immerhin zehneinhalb Metern Tiefe auf andere Weise - nämlich bei trübem und schlechtem Wetter. Regnet es, überzieht ein verführerisch schimmerndes, magisches Weiß seine Oberfläche, das Lust weckt, sich dieser Helle anzuvertrauen. Auf diesen Sinneseindruck machte der Heimatkundler und Petershagener Pfarrer Alexander Giertz (1860-1910) aufmerksam. Das Naturschauspiel fiel ihm auf, als er eine Antwort auf die Frage suchte, wie der See zu seinem Namen kam. Sicher ist, dass er 1751 noch "Großer See, hinter dem Dorfe" genannt wird. Das bestätigt die damals erschienene "Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg". Pfarrer Giertz nahm also an, dass der See wegen der silbrigen Oberfläche seinen heutigen Namen erhielt.

Weißer See im Winter
Winter am See; im Hintergrund das Milchhäuschen
Foto: © -wn-
Bis zum Herbst 1763 redet kaum einer von dem 1242 erstmals erwähnten Weiler Weißensee mit seinem Großen See. Dann aber plötzlich flog - bildlich gesprochen - der preußische Adler tief über den einsamen Flecken, um anzuzeigen, dass das Örtchen nun für Großes ausersehen ist. Von einem Tag auf den anderen trat es in die offizielle preußische Geschichte ein. Und das ging so: Im Oktober des erwähnten Jahres beauftragte Preußens König Friedrich II. (1712-1786) seinen vormaligen Hofnarren, den Schriftsteller, Abenteurer und zuletzt Zeremonienmeister Karl Ludwig von Pöllnitz (1692-1775), aus dem Weißenseer Gutshof eine zeitweilige diplomatische Residenz zu machen. In dem Haus sollte Wochen später der türkische Gesandte Resmi Ahmed Efendi (1694 oder 1695 -1783) absteigen. Er war von Sultan Mustafa III. (1717-1774) beauftragt, Preußen einen gemeinsamen Krieg gegen Russland schmackhaft zu machen. Die Koalition kam nicht zustande. Friedrich hatte gerade die drei Schlesischen Kriege (Gesamtdauer 11 Jahre) hinter sich gebracht und mit Russland, einem der Gegner, einen Friedensvertrag geschlossen. Der Besuch des Türken kam deshalb zur Unzeit, wiewohl Friedrich die Visite letztlich dulden mußte. Wollte er doch die Verbindung zur Hohen Pforte nicht aufs Spiel setzen. In einer Anweisung vom 17. Oktober 1763 an den Zeremonienmeister legte er fest, was für den anreisenden "osmanischen Internuntius" bereitgehalten werden müsse. Da ist von sieben Reitpferden die Rede, aber auch von der Notwendigkeit, es andererseits mit Überfluss und Prunk nicht zu übertreiben. Der König - berüchtigt dafür, sich oft um jede Kleinigkeit selbst zu kümmern - mahnt zum Beispiel, dass die Tischtücher im Gutshaus nicht golddurchwirkt sein müssen. "Es ist genug, scheint es mir, dass alles dies mit einer Seide abgedeckt ist", legt er fest. Am 2. November 1763 trifft der Abgesandte mit einem 76-köpfigen Gefolge in seiner zeitweiligen Weißenseer Kartause ein. Und er fühlt sich sofort wohl in Weißensee. "Hiernächst hat er Sich mit Spatzierengehen in den dasigen Gärten divertiret und ... unter widerholter Janitscharen-Music deren Anwesenden Coffee ... präsentieren lassen", schrieb die in Berlin erscheinende "Spenersche Zeitung". Er verweilte "daselbst so lange, bis die Vorbereitungen zu seinem solennen Einzug (in Berlin) getroffen waren".

Friedrich II.: Resmi Ahmed Efendi frisst mir die Haare vom Kopf.

Sieben Tage später kommt es nun dazu. Hofchronist Karl Heinrich Siegfried Rödenbeck (1774-1860) berichtet: "Einzug des Türkischen Gesandten ... mit seinem sehr zahlreichen Gefolge in Berlin, (da)bei auch Janitscharen mit ihrer Musik, geführt und begleitet von Preußischen hohen Staatsbeamten vom Militär und Civil und einem (kleinen) Detachement Kavallerie etc. ... Der Zug geht durchs Neue Königsthor in die Stadt (hinein), dann durch die Königsstraße, beim Schlosse vorbei, die Linden hinunter bis zum Palais in der Wilhelmsstraße, wo ihm (wiederum auf Staatskosten) eine Residenz eingerichtet worden war." Der König "ertheilt dem Türkischen Gesandten ... feierliche Audienz, zu welcher dieser mit großem Pomp ... in Königlicher Equipage abgeholt wird; (danach) überreicht er zahlreiche Geschenke", notiert der Chronist. Der Sultans-Bote hat es nicht eilig mit der Rückreise; er wird bis zum 2. Mai 1764 in Preußen bleiben.
(Siehe den Beitrag "Die Neuköllner Sehitlik-Moschee - die Minarette lautlos schön") Der Aufenthalt Resmi Ahmed Efendis kostete Preußen viel Geld. Friedrichs Fazit: "Er frisst mir die Haare vom Kopf." Der König berappte insgesamt eine Million Taler. Der Türke jedoch bekam von Friedrichs Klage nichts mit und lobte diesen und Preußen in hohen Tönen. Im später verfassten Buch "Gesandtschaftlichen Berichte (aus) Berlin 1763" kommt er als ein neuer Preußen-Fan zu der von Wunschdenken geprägten Feststellung: "Die Einwohner (Berlins), Lutheraner von Religion ... rühmen sich des Glaubens an einen einzigen Gott, und sind angesagte Feinde der Katholiken. Sie läugnen nicht das Prophetenthum Mahomed's (Mohammed), und schämen sich nicht zu sagen, dass sie noch Moslim werden wollen."

Der Muslim Resmi Ahmed Efendi ahnte nicht, dass in Berlin und Umgebung Jahrzehnte nach seiner Abreise eine Trink-Bewegung bisher unbekannten Ausmaßes Gestalt annehmen würde, die die Koran-Sure 5:219 aufs Anstößigste konterkariert. Das Heilige Buch der Muslime warnt an dieser Stelle (und in mehreren anderen Suren) eindringlich vor jedwedem Alkoholgenuss: "Der Satan will (ja) durch Wein und das Losspiel nur Feindschaft und Hass zwischen euch aufkommen lassen und euch vom Gedenken Allahs und vom Gebet abhalten." Denn nun trat der Weiße See ins Zentrum der Niederbarnimer und Berliner Lokalgeschichte ein. Der Kaufmann, Landwirt und Erfinder Johann Heinrich Leberecht Pistorius (1777-1858) kauft das Gut am Weißen See und macht aus ihm einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb. Er betreibt extensiven Kartoffelanbau. Zuvor hatte er bereits einen neuartigen "Brennapparat" erfunden, in dem Kartoffeln zu Maische verarbeitet, vergoren und destilliert werden. In einer sich rasant vergrößernden Anzahl Berliner Kneipen und Destillen tranken die Leute den so hergestellten preiswerten Weinbrand.
(Siehe den Beitrag "Leberecht Pistorius: Suffeule und Suffkopp wollen noch zwei Mollen mit Kompott") 1858 geht die Ära Pistorius in Weißensee zuende.

Nächster Besitzer des Gutes ist der Chemiker Dr. Friedrich Wilhelm Lüdersdorf (1801-1886). Es ist der Mann, der ein zweistöckiges Schloss am südlichen Seeufer bauen und den Park am See anlegen ließ. Die heute am Ufer wachsenden Bäume stammen aus dieser Zeit. Friedrich Wilhelm Lüdersdorf hat zu diesem Zeitpunkt mit seinem Buch "Detillirkunst nebst einem Repertorium der gebräuchlichsten Gewürze" die Aufmerksamkeit der Schnapsbrenner auf sich gezogen. Obwohl er weit in die Zukunft dachte, konnte er sich doch kaum vorstellen, wie gefährlich Alkohol für den Menschen sein kann. Arglos schreibt er: "Unter allen Erzeugnissen, die der Zufall ins Leben geführt, und die nachdem vom Gewerbefleiß erfasst, und durch allgemeine Verbreitung und Gewöhnung zu Bedürfnissen des Lebens geworden sind, ist wohl keines, welches dem Branntwein in dieser Hinsicht an die Seite gestellt werden könnte."

Neue Worte in der deutschen Literatur: Schnapsleiche und Natursäufer

Vor dem Schloss öffnete nun das bald vielbesuchte Ausflugsrestaurant "Zum Sternecker", in dem diese Bedürfnisse in großem Stil befriedigt werden konnten, wobei der Weinbrand anfangs noch als Arme-Leute-Schnaps betrachtet wurde. In ihrem 1906 erschienenen Buch "Erinnerungen einer Kellnerin" beschreibt die Autorin Mieze Biedenbach (Margarete Böhme, 1867-1939) die Atmosphäre in der Seegaststätte "Sternecker": "Da draußen im Sternecker ist das Berlin O zu stark vorherrschend. Osten im Sonntagsgewand. Durch Patschuli (intensiv riechendes Öl) und andere billige Wohlgerücher hindurch spürt man den Geruch des Schweißes, der dem Kontingent der Besucher Werktags anhaftet, womit ich nun nicht gesagt haben will, dass mich der "Duft der Arbeit" an sich abstößt; dazu bin ich doch eine zu gute Demokratin." Es verging auch eine nur kurze Zeit, bis der ausufernde Alkoholkonsum und seine Folgen mit einschlägigen Begriffen in die Literatur Eingang fanden. Im parodistischen Kolportageroman "Emma, das geheimnisvolle Hausmädchen" von 1905 führt der Autor Julius Ernst Wilhelm Stinde (1841-1905) wohl als Erster derbe Fügungen wie Schnapsleiche, Säufer und Natursäufer in die deutsche Schreibkunst ein.

Bald gab es im "Sternecker" Musik- und Verkaufspavillons, eine Schießhalle, ein Taucher-Bassin, ein Karussell und sogar ein Riesenrad. Am Ufer war ein Ponton vertäut, auf dem Theater gespielt wurde. Überliefert ist die Aufführung des 1839 veröffentlichten Dramas "Die letzten Tage von Pompeji und dessen Untergang" des österreichischen Poeten Adam Würth (gest. 1852). Der Autor nennt es ein "Historisch-romantisches Gemälde mit Gesang, Tanz und Chören in fünf Akten" Der reiche Athener Glaukus ist zu Beginn der Handlung dazu ausersehen, den ruhigen Weißen See in das aufgewühlte Tyrrhenische Meer an Italiens Westküste umzuwidmen. Und er singt zur Lyra:

"Wie sich der Nachen auf schimmernder See,
Wieget mein Herz sich in Wohl und in Weh;
Liebe, du gleichest der brandenden Flur,
Muthig hinaus mit verwegenem Muth! -
Toben die Wogen auch feindlich und wild,
Oben am Himmel da leuchtet es mild".


Aber von oben kommt Schlimmes; der Vesuv bricht aus, und Glaukus und seine Geliebte Ione fliehen. In letzter Minute gelangen sie auf das Schiff des Seefahrers Olinth. Dieser ist zwar kein Schlepper im heutigen Sinne, aber sein Statement klingt wie eine Botschaft an Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kommen. Denn er erklärt: "Wir sind geborgen, der Himmel verlässt die Seinen nicht. Sucht eure Heil nun im fernen Lande, stecht muthig in die See, das Glück, so hoffe ich, und der Himmel wird mit uns seyn."

Behagliches Baden am Weißen See

Solcher aufgesetzten Theatralik folgte in den Jahre darauf ein eher behagliches und bis heute andauerndes Badeleben am Weißen See. Mit Kind und Kegel lagert die Masse der Badegäste im Strandbad am Ostufer nahe der Berliner Allee (Strandbad Weißensee) und in den übrigen Uferidyllen unter den alten Traubeneichen, den Sommerlinden, Kastanien und Schwarznuss-Bäumen. Da verweilen Mütter und Väter, ersatzweise Omas und Opas, mit den Kleinen im Gras auf der Decke, einige der wohl erst Wochen alten Säuglinge hängen bei Mama gleichmütig an der Brust. Andere Quaden (brandenburgisch: kleine Kinder) sieht man bei kippeligen Gehversuchen, und die Gehfähigeren versuchen schon Ausflüge auf benachbarte Decken; so dass sie mütterliche Mahnungen treffen wie: "Ronnylein, du sollst doch nich weglaufen, immer schön bei die Mutti blei'm, ja!" Robuster geht es zu in einem Ulk-Gedicht des unverdient vergessenen Schriftstellers Sigmar Mehring (1856-1915). Im launigen Gedicht "Das Freibad" - hier ist der Wannsee gemeint - heißt es:

Milchhäuschen am Weißen See
Ein beliebtes Ausflugsziel ist das Café Milchhäuschen am Westufer des Weißen Sees - Foto: © -wn-
"Nach'm Strande wird marschiert,
Her mit die Futt-rage!
Ran, ihr Jöhren - nich jeziert,
wech mit die Kleedage!
Wie eich Jott geschaffen hat,
Splitterfasernackt ins Bad!
Trude, Fritze, Wally -
Fix! 'n bißken dalli!"


Man sieht auch ältere Herrn am Weißen See mit brauner faltiger Haut, die mit gerader Körperhaltung den Nachbar zu fragen scheinen: "Na, für wie alt schätzte mir? ... Da staunste, wa!" Mehr noch als die wenigen Damen oben ohne ziehen liegende Körper beiderlei Geschlechts mit rückenfüllenden Tattoos die Blicke auf sich: Gewaltige Drachen, Totenköpfe in Spinnennetzen, ornamentales Rankenwerk und teils rüpelige Sinnsprüche wurden auf der Haut verewigt. In den Abfallbehältern am Uferweg suchen Männer nach Flaschen.

Im Trubel und Treiben am See ist es möglich, plötzlich an die Nähe des Alexianer St.-Joseph-Krankenhaus mit seiner Klinik für Psychiatrie erinnert zu werden. Zwei junge Leute flanieren an einem Tag unter den Uferbäumen - offensichtlich im Streit. Beide halten beim Lauf Abstand voneinander. Einen vorwurfsvollen Satz des Mädchens kann man nicht überhören: "Jaja, du bist ja Gottseidank normal, aber du weißt doch, ich bin nicht normal - so, det isset nämlich." Der junge Mann schweigt und versucht, das Mädchen im Laufen zu sich heranzuziehen. Sie nähert sich ihm mit gespieltem Widerstreben, und schließlich kann er seinen Arm um sie legen. So laufen sie, und nach einer Weile sieht man noch, wie auch sie ihren Arm um ihn legt. Und nach diesem beiläufigen anrührenden Geschehen, das zeigt, dass Versöhnen fast immer möglich ist, verliert sich ihr Bild hinter der nächsten Biegung des baumgesäumten Uferweges am lächelnden See.

Verkehrsinformation:
Zum Weißen See kommt man mit der Straßenbahn M4 Richtung Falkenberg. An der Haltestelle Berliner Allee / Indira-Gandhi-Straße befindet sich das Ostufer des Sees.
Text: -wn- / Stand: 05.09.2017

Daten und Fakten über den Berliner Weißen See:

  • Fläche: 8,3 ha
  • Maximale Tiefe: 8,56 m (2017)
  • Volumen: 360.606 m³
  • ( Quelle: Wikipedia.de )

Das Milchhäuschen am Weißensee

Das Milchhäuschen ist ein Café und Restaurant, das sich auf der gegenüberliegenden Seeseite des Strandbades befindet. 1884 wurde hier ein Gartenhaus zur Erholung erbaut. 1913 wurde daraus eine Milchverkaufsstelle. So entstand der Name Milchhäuschen. In den Folgejahren wurde daraus dann ein Restaurant. Allerdings musste das Milchhäuschen 1965 abgerissen und neugebaut werden. Das noch heute stehende Milchhäuschen am Weißen See wurde 1976 eröffnet. Im Sommer kann man auf der Terrasse entspannen und den Blick in den Park genießen und im Winter kann man das Ganze von innen tun. Die Speisekarte ist abwechslungsreich und bietet Gerichte für jeden Geschmack. Egal, ob Fleisch- oder Fischliebhaber, Kuchenmäulchen oder Veganer.

Öffnungszeiten vom Milchhäuschen:
Februar - Dezember
10:00 Uhr - 22:00 Uhr (Küche bis 20:00 Uhr / Sonntag bis 19:00 Uhr)
Montags ist Ruhetag
Im Januar sind Betriebsferien!

Kontakt:
Milchhäuschen Café und Restaurant
Parkstr. 33 A
13086 Berlin Weißensee
Tel: 030/ 92 71 144

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Stand: 07.11.2017