Die Pfaueninsel

Schloss auf der Pfaueninsel
Das Schloss auf der Pfaueninsel in Berlin - Foto: © -wn-

Die Pfaueninsel liegt in der Havel und verfügt über einen ca. 67 ha großen Landschaftspark mit einem Schloss.

Zu den wichtigsten Informationen für einen Besuch auf der Pfaueninsel:

Lüderjans Eiland - die Pfaueninsel, ein Havelidyll

Die Affäre wäre heute beim Staatsanwalt gelandet und ein gefundenes Fressen geworden für Boulevard- und Betroffenheits-Reporter samt Paparazzis. Doch damals, im Sommer 1766, rauschten nur die alten Eichen auf der Insel-Brache Kaninchenwerder in der Havel nahe Potsdam. Dorthin hatte sich der 22jährige Kronprinz Friedrich, der später Lüderjan (Taugenichts) genannte Preußen-König Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), mit der 13jährigen (!) Wilhelmine Enke (1753-1820) übersetzen lassen. Das Mädchen war die Tochter eines Hornisten im Königlichen Orchester und Gastwirt in der Potsdamer Spandauer Straße. Mit Fünfzehn wurde die Jungfer erstmals von einer durchlauchtigsten Schwangerschaft betroffen. Unbekannt, wie oft es der Prinz mit ihr auf der zu Berlin gehörenden Insel trieb; bekannt ist, dass er von ihr nicht mehr abließ - freilich ohne sie zu ehelichen. Morganatische Nebenehen hatte er schon. Wilhelmine Enke, spätere Gräfin von Lichtenau, wurde Mätresse. Sie hatte nicht nur zu springen, wenn den wollüstigen "dicken Wilhelm" mal wieder die Libido zwickte. Für sie, zwar im Anhaltinischen geboren, galt, was ein Chronist über die märkischen Fräuleins schrieb: Sie "setzen durch, was sie wollen, und halten fest, was sie haben". Das Beklagen ihres Konkubinats kann sich deshalb in Grenzen halten: Wilhelmine war nicht nur clever, sondern maßgeblicher Spiritus Rẹctor bei der Verwandlung der 76 Hektar großen Insel in ein "rätselvolles Eiland" (Fontane), auf dem die mehreren Schönheitsoperationen unterzogene Natur im Zusammenklang mit stilvoller Baukunst dem Auge schmeichelt. Der über viele Jahre entstandene Landschaftspark steht seit 1990 als Weltkulturerbe auf der Liste der UNESCO.

Das Schloss auf der Pfaueninsel

Der Natur liebende Wilhelm und Wilhelmine machten die Insel zu einem "sentimentalen Landschaftsgarten". In drei Jahren Bauzeit entstand am Ufer der Westspitze das einer gotischen Ruine nachempfundene Schloss. Das innen auf Südsee-Ambiente getrimmte Bauwerk sollte beiden als Liebesnest dienen. Da zu ihren Eingebungen auch ein landwirtschaftliches Element gehörte, wurde in den nassen Wiesen im Osten eine Meierei errichtet - weit genug entfernt, so dass die würzig-scharfen Fladen-Düfte des königlichen Stallviehs nicht zur Südsee-Idylle ziehen konnten. Zu Liebesspielen kam es nicht mehr, weil der König nach dem Richtfest das Zeitliche segnete, was ein Zeitgenosse mit den Worten "Wohl ihm! Wohl uns!" kommentierte. Seine Regentschaft war wegen des sinnlosen Krieges 1792 gegen das revolutionäre Frankreich, seiner Verschwendungssucht sowie der ausufernden Mätressen- und Günstlingswirtschaft ein Tiefpunkt preußischer Machtausübung.

Auch Lüderjans Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm III. (1770- 1840) tat Gutes für die Pfaueninsel. Zu den Stärken des Monarchen gehörten zwar weder die Rhetorik noch das Musische, dafür hatte er neben außenpolitischer Besonnenheit einen Sinn fürs Gutswirtschaftliche. Er machte die Insel endgültig zu dem Kleinod, das sie heute ist. Im Westteil war mit Schloss, Rosengarten und Palmenhaus die Aristokratie ansässig, der Osten war der vorwiegend ländliche Bereich mit Meierei, Felder und Wiesen. Seit 1822 pumpte im Maschinenhaus am Südufer eine Dampfmaschine Havelwasser zum kleinen Inselgipfel, von wo es durch Tonrohre verströmt wurde. Das Wasser war die Voraussetzung dafür, dass Peter Joseph Lenné (1789-1866), der in Potsdam und Berlin Parkanlagen im englischen Stil anlegte, auch auf der Insel eine natürlich anmutende Landschaft schuf, der man das Künstliche nicht ansehen sollte. Neben ihrer großartigen ästhetischen Wirkung gingen vom Havelidyll auch hauswirtschaftliche Impulse aus: der Aufruf Rhabarber zu verzehren. Gustav Adolph Fintelmann (1803-1871), ausgewiesener Fachmann für Pflanzenkultur und Gewächshaustechnik im Range eines Oberhofgärtners, warb nach diversen Feldversuchen für den ostasiatischen Speiserhabarber und versicherte, dass "niemand irgend etwas von dem Rhabarber als Zuspeise oder Kuchenfüllung zu fürchten" hat.

Die letzte größere Bewegung auf dem Eiland war der Tierexodus von 1841. Bereits zehn Jahre zuvor hatte sich der Wildbesatz auf 847 Tiere belaufen. Über ein Geschenk für den zoologisch interessierten König brauchte man sich keine großen Gedanken machen. Der schwedische Monarch brachte eines Tages Rentiere mit, die jedoch aus Sehnsucht nach der Taiga depressiv wurden. Aus dem Potsdamer Neuen Garten hatte man die Fasanerie herüber geholt. In Volieren lebten zahlreiche Vogelarten auf engem Raum. Lamas, Affen, Löwen und Kängurus langweilten sich in ihren Gattern und Gehegen. Hirsche brunfteten unter den Eichen, in einer Grube vegetierten Bären. Sie alle zogen schließlich nach Berlin um und bildeten den Grundstock des Zoologischen Gartens. Die Pfauen blieben - und die frei geborenen Lüderjane im schwarzen Kittel, die, wenn ihnen so ist, "trabend" durch die Havel schwimmen und sichs auf dem Eiland gut sein lassen.

Die wichtigsten Infos für einen Besuch auf der Pfaueninsel

Die Öffnungszeiten auf der Pfaueninsel

April - Juli
Montag - Sonntag: 09:00 Uhr - 19:00 Uhr

August
Montag - sonntag: 09:00 Uhr - 20:00 Uhr

September
Montag - Sonntag: 09:00 Uhr - 19:00 Uhr

Oktober
Montag - Sonntag: 09:00 Uhr - 18:00 Uhr

November - Februar
Montag - Sonntag: 10:00 Uhr - 16:00 Uhr
Die angegebenen Öffnungszeiten entsprechen den Betriebszeiten der Insel-Fähre. Für das Schloss sowie die Meierei auf der Pfaueninsel gelten gesonderte Öffnungszeiten.

Öffnungszeiten vom Schloss auf der Pfaueninsel

April - Oktober
Dienstag - Sonntag: 10:00 Uhr - 17:30 Uhr
Besichtigung vom Schloss auf der Pfaueninsel nur mit Führung!

Öffnungszeiten der Meierei auf der Pfaueninsel

April - Oktober
Samstag - Sonntag: 10:00 Uhr - 17:30 Uhr
Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließzeit

Eintrittspreise auf der Pfaueninsel

Einzelpreis Pfaueninsel (Fähre) inkl. Parkplan
Preis: 4,00 € ermäßigt: 3,00 €

Familienkarte Pfaueninsel (Fähre) Preis: 8,00 €
Gültig an einem Tag für 2 Erwachsene und bis zu 4 Kinder (bis zum vollendeten 18. Lebensjahr) inkl. Parkplan

Jahreskarte Pfaueninsel (Fähre) Preis: 23,00 €
Gültig für die Benutzung der Insel-Fähre für ein Jahr. (Verkauf im Fährhaus auf der Pfaueninsel)

Eintrittspreise für das Schloss auf der Pfaueninsel

Preis: 6,00 € ermäßigt: 5,00 €

Fotoerlaubnis Preis: 3,00 €
Gültig für einen Tag in allen Schlössern. Nur für private Nutzung. Nicht zur Veröffentlichung. Ohne Blitz, ohne Stativ.

Eintrittspreis für die Meierei auf der Pfaueninsel

Preis: 2,00 €
Fotoerlaubnis Preis: 3,00 €
Gültig für einen Tag in allen Schlössern. Nur für private Nutzung. Nicht zur Veröffentlichung. Ohne Blitz, ohne Stativ.

Mit der Fähre zur Pfaueninsel:

Die Pfaueninsel befindet sich im Berliner Ortsteil Wannsee und ist nur mit der Fähre zu erreichen. Sie verkehrt nach Bedarf, ansonsten etwa alle 15 Minuten.
Bus: Ab Bahnhof Berlin-Wannsee mit der Linie 218 zur Anlegestelle "Pfaueninsel".
Auto: Die Zufahrt erfolgt über den von der B1 abgehenden Nikolskoer Weg; ein Waldparkplatz befindet sich etwa 300 Meter vor der Anlegestelle.
Auf der Insel gibt es keinen Autoverkehr.
Tipp: Im Sommer sollten Sie auch das nahegelegene Freibad Wannsee besuchen!
Im Winter evtl. das Blockhaus Nikolskoje an der Havel.
( Text: -wn- / Stand: 02.08.2017, Alle Angaben ohne Gewähr!)

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