Ortsteil Biesdorf im Bezirk Marzahn-Hellersdorf

Text: AK (Journalistin aus Berlin) / Letzte Aktualisierung: 21.09.2021

Das Schloss Biesdorf
Das Schloss Biesdorf ist das Wahrzeichen des Ortsteils. / Foto: © fotolia31114 - stock.adobe.com

Biesdorf: Werder des Ostens

Dereinst als typisches Angerdorf mit stattlicher Dorfkirche im Mittelpunkt angelegt, war der heutige Ortsteil des Berliner Bezirks Marzahn-Hellersdorf lange ein sehr beschaulicher Ort, der über die Jahrhunderte hinweg fast nie mehr als 300 Einwohner zählte. Die Gnadenkirche gilt als eine der ersten Kirchen auf dem Barnim und wurde im Mittelalter gebaut. Zum alten Dorfkern Biesdorfs gehört auch der um die Jahrhundertwende eröffnete Friedhof unterhalb des Mühlenbergs. Imposant sind die vielen Erbbegräbnisstätten, die wie die Friedhofskapelle denkmalgeschützt sind. Vor allem Familien der reichen Obst- und Gemüsebauern ließen sich solche beeindruckenden Grabmale errichten.

Die Geschichte Biesdorfs

Doch Biesdorf ist schon lange kein reines Dorfidyll mehr. Als 1885 die Königliche Ostbahn am heutigen Bahnhof Biesdorf einen Haltepunkt errichtete, bedeutete das für das kleine Angerdorf große Veränderungen. Einige Bauern verkauften ihr Ackerland, worauf die Kolonien Biesdorf-Süd und Biesdorf-Nord entstanden.

Wahrzeichen Biesdorfs ist das Schloss Biesdorf, welches als Turmvilla im Auftrag des Gutsbesitzers Hans Hermann Freiherr von Rüxleben im Jahre 1868 errichtet worden ist. Fast 20 Jahre später erwarb Wilhelm von Siemens das gesamte Gut und nahm umfassende bauliche Veränderungen vor. Im Schlosspark Biesdorf fanden übrigens die ersten Versuche mit elektrisch betriebenen Straßenbahnen statt. Die erfolgreichen Tests führten schließlich zur Präsentation dieser Bahn auf der Gewerbeausstellung 1896 in Treptow und zur ersten Straßenbahn der Welt in Lankwitz. 1907-1909 wurde in Biesdorf nach Plänen von Karl Janisch außerdem die erste drehbare Luftschiffhalle zu Lande errichtet. Am 23. Januar 1911 fand die erste 40-minütige Probefahrt des Siemens-Schuckert-Luftschiffes statt.

Im Nationalsozialismus wurde das Schloss zum Sitz der NSDAP-Ortsgruppe. Während dieser Zeit installierten die Nazis in Biesdorf auch eine Anstalt für Zwangssterilisierungen infolge des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses". Viele hundert Patienten wurden im heutigen Wilhelm-Griesinger-Krankenhaus jedoch gar nicht erst zeugungsunfähig gemacht, sondern erhielten gleich eine "Überweisung" - sie wurden in Tötungsanstalten deportiert. Zusätzlich wurden in Biesdorf zwischen 1940 und 42 für die Reichshauptstadt Fremd- und Zwangsarbeiterlager errichtet.

Auf dem Zwangsarbeitergelände zog nach dem Krieg die NVA ein und stationierte dort das legendäre Erich Weinert Ensemble. Das professionelle Chor- und Orchesterensemble trat nicht nur in Kulturhäusern der NVA, bei Festveranstaltungen, Pressefesten und Arbeiterfestspielen auf, sondern tourte unter anderem in die Volksrepublik China und in die Sowjetunion.

Veranstaltungen in Biesdorf

Den NVA-Chor gibt es in Biesdorf heute natürlich nicht mehr. Kultur wird in dem Marzahner Ortsteil aber nach wie vor groß geschrieben. So ist Schloss Biesdorf heute ein sozio-kulturelles Zentrum. Der das Schloss umgebende 14 Hektar große Landschaftspark lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Sehenswert sind die um 1900 entstandenen Anlagen wie etwa der Fontänenteich, der Eiskeller mit doppelter Freitreppe, der Teepavillon und ein Lawn-Tennisplatz. Letzterer dient heute als Lesegarten. Besonders großer Beliebtheit erfreuen sich die Veranstaltungen der Parkbühne, die im Sommer mit Freiluftkino und Konzerten lockt. Die Parkbühne ist auch der Ort, an welchem beim alljährliche traditionell Anfang Mai stattfindenden Biesdorfer Blütenfest das Blütenprinzenpärchen gekrönt wird. Die Tradition des Biesdorfer Blütenfestes reicht bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts zurück. Damals wurde Biesdorf als "Werder des Ostens" bezeichnet, weil in den Gärten genauso viele Obstbäume blühten wie in Werder.

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